Die Geschichte ist simpel und im Grunde schon am Anfang des Buches erzählt: Leon Culman(78)erhält am Donnerstagmorgen Post: einen Drohbrief mit der Ankündigung, daß er an diesem Tage zur Strafe für "frühere Untaten" hingerichtet werde. Den Rest des Buches begleiten wir Leon diesen Tag auf der Suche nach "der Verfehlung" der Vergangenheit...und das an seinem Donnerstag. Der Tag, der die einzige Abwechslung in der Woche für Leon bedeutet, weil er Donnerstags erst mit seinen Freunden Schwimmen, dann in die Sauna und zu einem anschließendem Kneipengang geht und der Abend regelmäßig in einem gemütlichen Abendessen mündet, bei dem die engsten Freunde, die sich aus etwa gleichaltrigen Nachbarn und aus der Tochter nebst Anhang rekrutieren, die Gäste sind. So die Planung auch an diesem Tag.
Also muß der anonyme Autor des Drohbriefes aus diesem Umfeld stammen.
Dieser Tag ist also anders als seine Donnerstagvorgänger. Und je länger der gute Leon grübelt, desto mehr schlechtes Gewissen kommt an die Oberfläche. Bis uns Bjarne Reuter am Ende die Lösung des Rätsels präsentiert.
Und die Moral von der Geschicht? M.E. sehr idealistisch in seiner Konsequenz, denn Leon wird dann letztendlich doch mit seiner "Verfehlung" konfrontiert, obwohl es nie eine strafrechtliche Verfolgung innerhalb derer er sich hätte verantworten müssen gegeben hat.
Eine Geschichte, die das Zeug zum Reißer gehabt hätte. Reuter brilliert - wie gewohnt - mit seiner klaren und schnörkelosen Sprache. Allerdings vermisse ich das hohe Tempo aus "Hotel Marazul". Dennoch ist die Geschichte spannend zu lesen und durschaus etwas zum Nachdenken. Zeigt sie doch, daß nicht nur wir Deutsche Bedarf zur Vergangenheitsbewältigung haben, sondern auch unsere Nachbarn.