Zwei Morde im literaturwissenschaftlichen Seminar der Universität Jerusalem: ein Dichter wird erschlagen, ein Promovend stirbt beim Tauchen. Wer nun wen umgebracht hat und warum, ist im Gespinst der Beziehungen (sexueller und anderer Natur), in dem sich alle Verdächtigen - und die Opfer - befinden, nur schwer herauszufinden. Inspektor Ochajon, selbst einmal Literaturstudent, versucht die Lösung zu finden: sie liegt zwischen den Gedichtzeilen verborgen. Batya Gur gelingt es, eine dichte Geschichte zu erzählen, die den Leser durchaus in Bann schlagen kann. Allerdings darf man die "literaturwissenschaftlichen" Ausführungen der Protagonisten nicht immer ganz ernst nehmen. Natürlich hat Ochajon (offenbar ein "must" für Vertreter der Staatsmacht, die ein bißchen interessant wirken sollen) auch Schwierigkeiten mit seiner Freundin (geschieden und mit Kind ist er sowieso), die im Rahmen der Geschichte allerdings ein wenig aufgesetzt wirken, haben sie doch keinerlei Bedeutung für den Verlauf der Geschichte, sieht man davon ab, daß Ochajon noch weniger schläft und mehr Kaffee trinkt als sowieso schon. Nicht nur durch diese Nebenhandlung wird die Geschichte stellenweise etwas langatmig - im Gegenzug verwirren unklare Informationen den Leser zwischendurch mehr, als daß sie die Spannung erhöhten. Was das Buch dennoch lesenswert macht, sind zweifellos die interessanten Figuren und die Schwierigkeiten, die Inspektor Ochajon mit ihnen hat: der bei allen beliebte Literaturprofessor, der vielleicht doch gemordet hat (das will ich nicht verraten), die blasse Schönheit, die mit dem Dichter verheiratet war und deren Verhalten sie mehr als verdächtig macht... und am Schluß kommt alles ganz anders. Die Lösung liegt, tatsächlich, in den Gedichten. Insgesamt also ein streckenweise etwas mäßiges Buch, das aber durchaus gepflegte Unterhaltung bietet. Drei Sterne. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)