*Als dieser Verrückte auf dem Uniplatz um sich ballerte, stand mit einem Schlag das öffentliche Leben still. Die Würstchenbräter erstarrten hinter ihren Rosten, die Zuckerwatteverkäufer hielten im Zuckerwatteverkaufen inne, die Biertrinker setzten ihre Plastikbecher ab, und die guten Bekannten, die man nicht hatte treffen wollen, stoppten ihre Redefluss mitten in der Silbe. Auch die Musik verstummte. Drüben, auf der Bühne vor der Neuen Aula, blieben der Sängerin einer Volksmusikgruppe die Töne im Hals stecken. Die Gruppe nannte sich 'Die Fidelen Odenthäler', und nie war ihr Name so unpassend wie in diesem Moment. Mitten unter ihnen stand der Attentäter, MP im Anschlag.
Ohne Musik keine Sicherheit. Als sie aussetzte, brach den Feiernden eine Stütze weg, eine Wand, an die sie sich, ohne es zu merken, gelehnt hatten. Statt ihrer breitete sich Stille aus: die Druckwelle einer tonlosen Explosion ...*
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Zum Inhalt & Hintergrund: "Eine Panzerfaust hoch über uns nahm uns von links hinten unter Beschuss. Das Glas der Heckscheibe zerbrach, fiel nach vorne und zerschnitt meinen Hinterkopf. Ich warf mich nach vorne, zu Boden. Meine Frau sah mich an und glaubte, ich sei tot, weil sie dachte, mein ganzer Hinterkopf sei weggeschossen. Alles war voller Blut ..."
So erinnert sich Frederick Kroesen, Kommandierender General der US-Armee in Deutschland, an das Attentat vom 15. September 1981 in Heidelberg. Verübt wurde es von der zweiten Generation der RAF, Christian Klar bediente die Panzerfaust. Das Geschoss durchschlug den Kofferraum von Kroesens Limousine, der General und seine Frau kamen mit leichten Verletzungen davon.
Lange her, könnte man sagen.
Doch nun, im Sommer 2009, fallen in der Stadt am Neckar vier Unschuldige einem Attentat zum Opfer. Mitten im historischen Zentrum, während des von Tausenden besuchten Heidelberger Herbsts.
Amoklauf oder gezielter Anschlag? Die Tat eines Einzelnen oder ein politisches Fanal? In der Stadt werden Erinnerungen an frühere Zeiten wach. Ein Bekennerschreiben scheint für Klarheit über die Hintergründe zu sorgen, doch dann reist der Vater eines der Opfer aus Italien an und präsentiert eine neue, haarsträubende Theorie. Fieberhaft ermitteln Polizei und Geheimdienste. Und auch Privatdetektiv Max Koller wird in den Fall hineingezogen ...
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Fazit: Jüngere deutsche Geschichte verwoben mit spannender Fiktion - ein beeindruckender Kriminalroman!
Der Autor Marcus Imbsweiler besticht durch eine spürbare Freude am Erzählen, am Ausschmücken und Ausfeilen des Ambientes, des scheinbar Nebensächlichen, der Ränder der Geschichte - und dies alles hebt diesen Roman weit über die gängige Routine hinaus.
Sehr empfehlenswert - meint -
Reinhard Busse