Die deGruyter-Studienbücher sind in der Regel qualitativ hochwertig. Sondereggers Einführung ins Althochdeutsche weicht davon geringfügig ab.
Der Band enthält neben der Grammatik an sich und einigen lobenswerten Angaben zu dialektalen Unterschieden einen enormen Teil Kontextinformationen wie etwa Informationen zu lautlichen Entwicklungen, Überlieferung, sprachhistorischem Kontext, Literaturgeschichte, Übersetzungspraxis etc.
Bedauernswert ist allerdings das häufige Auslassen von Beispielen, besonders am Anfang. In den Anfangskapiteln werden Punkte angeschnitten, die erst durch das Lesen späterer Kapitel verstanden werden können. So bleiben Teile der ersten hundert Seiten für die Normalleserschaft oftmals unverständlich. Ebenso seltsam mutet auch die heimliche Gleichsetzung "Althochdeutsch = schriftliches Althochdeutsch in religiösem Kontext", so als ob es mundartliches, gesprochenes Althochdeutsch gar nicht gegeben hätte. Dieser Tunnelblick - der sich zum Teil natürlich auch aus der Quellenlage ergibt - hätte dennoch thematisiert werden können.
Über weite Strecken also zwar ein interessantes Buch, geschrieben von einem Spezialisten, allerdings mit nicht zu vernachlässigenden Mängeln. Da ist Hennings
Einführung in das Mittelhochdeutsche bei weitem besser.