Der bekannte Historiker und heutige Leiter des Instituts für Europäische Geschichte Heinz Duchardt hat einen der ersten Bände der heute umfangreichen, etablierten und in jeder wissenschaftlicheBibliothek vorhandenen Reihe "Enzyklopädie Deutsche Geschichte" vorgelegt. Thema sind ausgehend vom Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation die internationalen Beziehungen in der Frühen Neuzeit, mithin Duchardts Leib- und Magenthema. Wie die anderen Bände der Reihe auch, folgte auch der inhaltlichen Dreiteilung mit "Enzyklopädischer Überblick", "Grundprobleme und Tendenzen der Forschung" bzw. "Quellen und Literatur". Sicherlich ist es schwer, die Politik der Reichsstände untereinander von ihrer Politik zu anderen Staaten Europas zu trennen, auch stellt sich die Frage, inwieweit dies sinnvoll ist. Denn das Reich war seit 1648 ein offenes Gebilde, jeder Reichsstand hatte das Recht, international zu agieren, soweit sich diese Politik nicht gegen Kaiser und Reich richtete (woran sich kaum einer hielt). Durchardt versucht diesem Problem der Außenpolitik in einem kleinen Abschnitt über das "Dritte Deutschland" gerechtzuwerden, jedoch meines Erachtens etwas zu kurz. Ansonsten orientiert er sich an den Richtgrößen Kaiser, "Reich" oder der neuen Hegemonialmacht des 18. Jahrhunderts, Preußen. Manche Interdependenzen zwischen Reichs- und internationaler Politik gehen somit verloren. Doch dies geht wohl eher auf die Vorgaben der Herausgeber der Reihe als auf Duchhardt zurück. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)