Altersschwerhörigkeit wird hier unter dem besonderen Aspekt ihrer Bedeutung in der Sozialen Arbeit mit Senioren näher untersucht. Die langjährig erfahrene Sozialpädagogin Andrea Gurr fasst hier ihre Erfahrungen und Erlebnisse aus der Arbeit mit alten Menschen sowie aus der theoretischen Auseinandersetzung mit der Thematik (im Rahmen ihrer Diplomarbeit) gut verständlich zusammen. Ausgehend von der Erklärung der Hörfunktionen, ihrer Beeinträchtigung und möglicher Hilfsmittel zur Unterstützung bei der Kommunikation befasst sich die Autorin ausgiebig mit den Folgen der Alterschwerhörigkeit. Hier gelingt es ihr in vortrefflicher und vor allem ausschaulicher Weise die sozialen Folgen der Schwerhörigkeit eingehend zur beschreiben. Ob nun soziale Isolation und Probleme bei der Orientierung oder depressive Erkrankungen: hier wird ungemein deutlich, wie gravierende Auswirkungen Beeinträchtigungen beim Hören haben (können).
Ein eigenes, relativ kurzes Kapitel über den Vergleich von Demenz und Altersschwerhörigkeit hilft dabei, anhand aufgezeigter Kriterien die Symptome richtig einzuschätzen.
Für Sozialarbeitende in der Seniorenarbeit werden aber insbesondere die Abschnitte "Soziale Arbeit mit Seniorinnen und Senioren" und "Möglichkeiten und Aufgaben der Sozialen Arbeit" ungemein informativ sein; denn hier zeigt Andrea Gurr, wie man beispielsweise im Freizeitbereich, über Biographiearbeit sowie mittels Entspannungsübungen alte Menschen mit einer Schwerhörigkeit angemessen begleiten und unterstützen kann. Ohne sich hinter Fachtermini zu verstecken und praxisfern zu sein oder andererseits banal zu wirken, schafft sie es in einem ausgewogenen Verhältnis handfeste Empfehlungen zu geben, die sicher auch Fachkräften aus der Altenpflege oder pflegenden Angehörigen eine wertvolle Hilfe sein werden. Es ist auch davon auszugehen, dass Fachkräfte der Behindertenhilfe mit der immer brisanter werdenden Fragestellung nach der Versorgung alter, behinderter Menschen von den Vor- und Ratschlägen des Buches profitieren werden. Ein gewisser Humor und eine wertschätzende Umgangsweise von Frau Gurr wird auch in Abschnittsüberschriften wie "Wer nicht hören kann muss fühlen" oder den vielen grau unterlegten, verstreut platzierten Zitaten deutlich. Ein Fallbericht über Herr XY hätte besser mit einem anonymisierten Namen versehen werden sollen. Vom Layout her hätte man sich zudem gewünscht, dass Tabellen und Graphiken die Textpassagen unterstützt hätten. Bei der Literaturauswahl berücksichtigt Andrea Gurr sowohl Standardwerke als auch aktuelle Titel. Ein kurzes Internetlink-Verzeichnis rundet das Buch ab.
Alles in allem ein ausgeprochen praktisch-informatives, innovatives und sozial- bzw. gesundheitspolitisch hochaktuelles Werk, auf das nicht nur Praktiker/-innen, sondern auch politisch und institutionell verantwortliche Personen im wahrsten Sinne des Wortes hören sollten! Trotz der Layout-Kritikpunkte verdient das Buch aufgrund der so brisanten, bislang noch nicht so verfolgten Thematik auf jeden Fall 5 Sterne und viele Leser/-innen!