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Altern wie ein Gentleman: Zwischen Müßiggang und Engagement
 
 
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Altern wie ein Gentleman: Zwischen Müßiggang und Engagement [Gebundene Ausgabe]

Sven Kuntze
4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (12 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
  • Verlag: C. Bertelsmann Verlag (9. Mai 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 357010091X
  • ISBN-13: 978-3570100912
  • Größe und/oder Gewicht: 21,6 x 14,2 x 2,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (12 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 12.349 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

„Sven Kuntzes sehr persönliches, faktenreiches und gut erzähltes Buch über den letzten Lebensabschnitt vollbringt das Kunststück, den Leser für das Alter einzunehmen, ihn existentiell und nicht nur statistisch für den demographischen Wandel zu interessieren.“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung )

"Ein herrliches, wirklich großartiges Buch, das mir das erste Mal ein bisschen die Angst vorm Älterwerden genommen hat." (Markus Lanz )

"Ein ebenso nachdenkliches wie selbstironisch-amüsantes Buch." (west.art Magazin )

Kurzbeschreibung

Die Lebensbilanz des bekannten und beliebten Journalisten

Der Ernst des Arbeitslebens sitzt uns tief unter der Haut – das merkt man spätestens mit der ersten Rentenrate, meint Sven Kuntze, renommierter Journalist – im Ruhestand. Denn mit dem Ende geregelter Arbeit drohen Verlust des Selbstwertgefühls und Lebensunordnung. Kuntze erinnert sich zu Beginn seiner neuen Zeitrechnung, dass über Jahrhunderte Muße unser Lebensziel war, nicht Arbeit. Wie aus dem Arbeitenden ein Flaneur, ein entschleunigter Genießer wird, verfolgt er an sich und einigen Altersgenossen. Um die Freiheit von Arbeit schätzen zu lernen, muss er sich neu erfinden, dabei alle unerbetenen Ratschläge genauso in den Wind schlagen wie frühes Aufstehen und Tagesplanung. Was Sven Kuntze in drei Jahren Ruhestand mit sich und anderen erlebt, mit Witz, Nachdenklichkeit und Lebensfreude kommentiert, gibt jedem Anlass, lange vor dem Ruhestand das »Schneller Höher Weiter« des Alltags kritisch zu beleuchten.

Zugleich ein weises Buch, das zum Nachdenken über die Werte und Ziele des Lebens anregt.


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48 von 53 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Falk Müller TOP 50 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Geht es nach den gängigen Ratgebern, dann braucht man nur ein paar Regeln befolgen und schon ist das Rentenalter der schönste Lebensabschnitt: täglich 2 Glas Rotwein, keine Zigaretten, gesunde Ernährung, regelmässige Vorsorgeuntersuchungen, viel Bewegung, soziale Kontakte pflegen - und nichts steht dem goldenen Lebensherbst mehr entgegen. Der Autor zeigt im Buch jedoch, dass es künftig nicht mehr so einfach sein wird. Und er scheut sich nicht, dabei unbequeme Tabus anzusprechen.

Der sogenannte Generationenvertrag wird in der Zukunft nicht weiter so bestehen können. Die ältere Generation wird die Nachkommen von den Kosten ihres erfreulicherweise immer längeren Lebens entlasten müssen. Bisher scheuten viele Rentner ihresgleichen. Und wandten sich lieber den Heranwachsenden zu in Form von "Mietgroßmüttern" oder "Märchenonkeln" - in der Hoffnung, dass sie der Umgang mit den Jungen selbst jung hält.

Künftig werden sich die älteren Mitbürger mehr um ihre eigene Generation kümmern müssen. Der Kindermangel, das ungünstige Verhältnis von jungen zu alten Menschen und die steigende Lebenserwartung lassen keine andere Wahl. Statt ausgedehnter Reisen in fremde Länder und die Flucht vor kaltem Wetter an sonnige Strände wird eher der tägliche Gang zur Nachbarin auf dem Terminplan stehen, welche versorgt werden muss. "Das Rentenalter kann nicht mehr länger nur in Freizeit münden", wie es im Buch zugespitzt heißt.

Sollen wir uns im Angesicht dessen nicht mehr auf das Rentenalter freuen, oder gar Angst vor ihm haben? Natürlich nicht! Der Autor beschreibt auch die schönen Seiten die das Alter bringt, das Gefallen an Dingen, die man früher achtlos übersehen hat. Etwa das Wahrnehmen der Schönheiten der Natur: Osterglocken, Stiefmütterchen als Frühlingsboten, die roten Früchte der Wildrose im Herbst. Lassen wir es den Autor, der ja auch Rentner ist, selbst ausdrücken : "Ich freue mich an alledem. Es geht mir zu Herzen und bindet mich wieder ein in eine Welt, die ich in den vergangenen Jahrzehnten meiner Berufstätigkeit kaum betreten habe."
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54 von 60 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Eine ganz besondere Zeit ist es, nach eigener Aussage, in der Sven Kuntze sich befindet. Eine 'geschenkte' Zeit, geschenkte 15 Jahre, die Generationen vorher nicht gegeben waren.

Jene Zeit zwischen 60 und 75 (plus minus), die einerseits meist schon im Ruhestand verbracht werden, keine dringende 'Arbeitsaufgabe' (und damit landläufig auch Sinn) mit sich bringen, die andererseits aber noch viele Möglichkeiten offen lassen würden und nicht, wie in den Generationen vor Sven Kuntze (Jahrgang 1942), bereits dem Greisenalter zuzuzählen sind.

Er selbst ist diesen Schritt irgendwann gegangen, vom aktiven Journalisten in den Ruhestand hinein und hat diese Erfahrungen, vor allem aber viele grundlegende Gedanken zum Altern nun in Buchform vorgelegt. Kein Ratgeber ist es, was er geschrieben hat, sondern eine Zustandsbeschreibung, nach einigen, großen Themen hin geordnet, die intensiv im Tonfall und den dahinter erkennbaren Emotionen nun im Raum steht.
Durchaus ironisch bis zynisch, in Teilen enttäuscht wirkend, aber auch mit so manchen Ratlosigkeiten daherkommend, bis hin zum (natürlich ohnmächtigen) Auflehnen gegen das, was an körperlichem Verfall noch zu erwarten ist.

Wobei Kuntze durchaus nicht nur von eigener Seite nun her, sondern bereits im Vorfeld sich kompetent mit diesem Lebensabschnitt beschäftigt hatte. Im Zuge seiner Arbeit hatte er sich bereits einmal 3 Monate in ein Seniorenzentrum eingemietet. Erfahrungen, die vielfältig mit in seinen Lebensbericht, so kann man das Buch nennen, einfließen. Da, wo die Blumen noch blühen auf dem Balkon, da sitzen die regen Bewohner, da, wo das Gestrüpp verdorrt, da geht es auch im Zimmer dem Ende entgegen.

Wirken der Einstieg und die ersten 20, 30 Seiten durchaus eher zynisch geprägt, so, wie sich Kuntze nun dem 'verdrießlichen Sujet' (dem Alter) zuwendet in seinem Rundumschlag gegen Floskeln wie 'Das Alter als Chance' oder angesichts des soziologischen Problems, dass 'die rüstigen Alten' mehr und mehr in den Raum setzen, entfaltet sich das Buch im Lauf der Zeit als eine sehr grundlegende und nachdenklich stimmende Betrachtung des Lebens (aus 'gealteter' Sicht heraus), die höchst lesenswert sich wesentlichen Themen nähert.

Mitnehmend auch gerade da, wo sich Kuntze dem 'Erbe' seiner Generation stellt. Was an Leben wirklich tief mitgenommen wird ins Alter. Wenn er spitz formuliert, dass 'Friede, Wohlergehen und das Primat der Äußerlichkeit vor dem der Persönlichkeit' eben kaum wirkliche Spuren auf den Gesichtern hinterlassen haben (wie auch, wenn es immer nur um das eigene, kleine, äußere Wohlergehen ging), dann reichen seine Anmerkungen durchaus über das enge Thema des Buches hinaus und stellen die Lebensfrage an jedes Alter. Durchaus selbstkritisch betrachtet Kuntze hier den eigenen Lebensweg und vermag es verständlich und emotional, den Leser an dieser Kritik teilhaben zu lassen.

Aber auch thematisch ist das Buch durchaus gehaltvoll. Die Betrachtungen des 'Müßigganges' mitsamt der kulturgeschichtlichen Herleitung, seine deutliche Wendung gegen eine fast schon genetisch verankerte 'protestantische Arbeitsethik', die aus manchen Rentnern noch Menschen mit komplett gefülltem Terminkalender machen, weisen nicht nur für das Rentenalter, sondern letztlich für jeden erwachsenen Menschen eine durchaus bedenkenswerte Richtung zur Reflektion des 'Mangels an Muße', den das 'tätige Leben' zu bieten hat und damit eine Reflektion der reinen 'Veräußerlichung' menschlichen Seins in der modernen Welt.

Der 'schöne Schein des Alters', den setzt Kuntze zum Einstieg bereits einer Entzauberung aus und nimmt auch im Blick auf Müßiggang, Zeit für die Zukunft, Weisheit des Alters, Einsamkeit, die Leiblichkeit und anderen Themen kein Blatt vor den Mund.

Mit Humor, teils aber auch bitterer Ironie, nie schöngeredet und immer ganz aus seiner persönlichen Erfahrungswelt heraus findet sich eine illustre Desillusionierung des Alters und Alterns, in der dann aber immer wieder die Schätze jener Zeit, die Erlebnistiefe und die Freiheit aufblitzen. Auch die Freiheit für das ein oder andere Glas Rotwein zu viel.
Ein Buch, dass trotz aller Entzauberung schönredender Floskeln Mut macht für die 'Zeit danach'. Die nicht dem 'Anti-Aging' Stress geopfert werden sollte und auch nicht einem zu einem endlosen Sterben führen sollen. Denn 'es ist noch nicht alles gesagt', sagt Kuntze fast ganz zum Schluss zu Recht.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Mehr Ist-Analyse als Plan 14. November 2011
Format:Gebundene Ausgabe
Am Ende habe ich meinen Frieden mit dem Buch gemacht und es entspannt zugeklappt. Zu Anfang fand ich es unausgewogen. Da preist jemand den großbürgerlichen Flaneur, dem als Alt-68er so ganz der Habitus dafür abgeht. Die protestantische Arbeitsethik wird als Hemmnis fürs glückliche Altern entsorgt, um das dritte Glas Wein soll kein Aufstand mehr gemacht werden, o.k., denkt man, alles easy. Aber dann kommt die Kehrtwende, fun haben Oma und Opa nur, wenn sie fit sind und fleißig zur Vorsorgeuntersuchung gehen. Ja was denn nun? Damit ich mir dort die milde Fettleber vorhalten lassen soll? Wie soll ich mich um das Mütterchen kümmern, wenn ich mir über die Ethik nicht selbst Streicheleinheiten verpasse?

Auch das Urteil über den Lebensabend in milderen Gefilden auf der Basis eines einzigen Falls (der spanische Ober aus vergangenen Urlaubsjahren will sich mit den jetzt zugezogenen deutschen Rentnern nebenan nicht fraternisieren) steht auf schwachen Beinen. Man sieht auch andere Modelle von Rentnerkolonien und der ewige Frühling auf den Kanaren wiegt einiges auf. Kuntze, durch seine Korrespondententätigkeit ein guter Kenner der USA, bewundert die schicken Heime in Nordamerika. Richtig, nicht nur in Florida, auch an der Pazifikküste, etwa auf Vancouver Island, gibt es Senior Residences, die weit weg sind von deutschen Altenheimen a la "Rosenpark". Aber dann müsste man dazusagen, dass auch dort das nur solange gutgeht, wie deren private Altersversorgung mehr Zinsen und Dividenden abwirft, als die Inflation frisst.

Insgesamt kokettiert Kuntze etwas mit seiner schonungslosen Offenheit, wonach das Altern ein unaufhörlicher Abstieg ist, was natürlich stimmt. Gut dass er uns deshalb kein Erbauungsbuch liefert ("Altwerden mit Freude"). Gut, dass er ein gelernter Journalist ist, der gründliche Recherche mit gekonnter Schreibe vereint, angenehm sein Anflug von Ironie, rührend, wo er auf seine Mutter und deren Lebenseinstellung eingeht, sehr offen, wo er Alter und Sexualität anspricht. Nur dass er uns dreimal wörtlich den Spruch "kehre nicht zurück, Du störst nur" auftischt, verzeihen wir nicht. Wir sind schon etwas älter, Herr Kuntze, aber nicht senil!

Fazit: Hängenbleiben wird bei mir seine Dreiteilung des Alters ab 65 in 15 gute Jahre, 15 erträgliche und ein finsteres Ende. Frank Schirrmachers Spruch "Sie werden unserer Generation im Alter das Internet nicht wegnehmen können" (Das Methusalem-Komplott) fand ich hoffnungsvoller. Fünf altersmilde Sterne trotzdem.
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