Berlin 1947: die Stadt liegt in Trümmern, ihre Bewohner sind buchstäblich zu nahezu allem bereit, während sich unter den Alliierten immer deutlicher erste Anzeichen für kommende Konfrontationen herauskristallisieren.
Bernhard Gunther, der ehemalige Kriminalkommissar und jetzige Privatdetektiv, gehört zu den Wenigen, die den Krieg physisch und psychisch halbwegs unbeschadet überstanden haben. Nicht nur finanziell, auch privat kommt ihm das Angebot eines KGB-Agenten entgegen, sich nach Wien zu begeben und sich dort um den Mord an einem amerikanischen Offizier zu kümmern.
Philip Kerr hat also, bedingt durch den Kriegseinsatz des Hauptprotagonisten mit anschließender Gefangenschaft, einiges an Zeit verstreichen lassen zwischen der zweiten und dritten Folge seiner Berlin-Trilogie. Die Handlung spielt sich diesmal größtenteils im zwar nicht ganz so zerstörten, jedoch ebenfalls zwischen den Siegermächten geteilten und somit zutiefst zerrissenen Wien ab. Die Stadt bietet demnach das bekannte deprimierende Ambiente, das man bereits aus den beiden Vorgängern kennt. Hinzu kommen allerlei Nazi-Schergen, die entweder auf der Flucht, von den Toten auferstanden oder aber versteckt im Dienste der neuen Machthaber tätig sind, jedoch nicht im Geringsten ihren Schrecken verloren haben. Allerdings hat man es nicht mehr mit den gewohnten Größen wie Himmler, Heydrich oder Göring, sondern eher mit der "zweiten Reihe" zu tun.
Das größte Manko des Buches ist die recht unglaubwürdige und verwirrende Handlung. Auch wenn der aufzuklärende Mord letztlich nur einen losen Rahmen darstellt, so wirken die Zusammenhänge oftmals chaotisch und willkürlich.
Gegenüber "Im Sog der dunklen Mächte" fällt "Alte Freunde - neue Feinde" zwar ein wenig ab, lesenswert ist die Geschichte dennoch. Zumal die Figur des Detektivs erfreulicherweise deutlich seltener negativ auffällt, wie es in den Vorgängerromanen laufend der Fall gewesen ist.