Diese Sammlungen sind eine schöne Einrichtungen für Stammleser. Anstatt sich alle Medien kaufen zu müssen, in denen all die Lieblingsautoren publizieren, erwirbt man einzelne Bücher, in denen der Autor jeweils zusammenstellt, was zuletzt seinem Kopf entfloss. Analog zu Schäfers Steckenpferd, dem Rock'n'Roll, kann man hier von einer Compilation sprechen und sich so sehr darüber freuen wie über eine B-Seiten-Sammlung, für die man nicht alle zumeist teuren Import-Singles zusammenkaufen muss.
Der vorliegende Band sammelt höchstens vier Jahre alte Texte aus unter anderem Rolling Stone, Sounds, Neue Zürcher Zeitung, Junge Welt, taz sowie den Online-Erscheinungen von Spiegel und Zeit. So breit wie die Medienpalette ist auch des Autors Stilvielfalt, selbst innerhalb ein und desselben Mediums. Fürs deutsche Rolling Stone Magazine etwa beobachtet Schäfer einerseits die familienidyllische Drogen- und Sex-Suche beim Burg-Herzberg-Festival, setzt sich aber andererseits für Uninformierte eher schwer verständlich mit Klaus Theweleit und Helmut Salzinger auseinander. Enthalten sind außerdem Schallplattenkritiken (wie die Titelgebende über "Fork In The Road" von Neil Young) ebenso wie ein Diskurs über die Relevanz derselben.
Was Schäfers Texte außerdem lesefreudig macht, ist der Autor als Überbringer des Erlebten. Man empfindet sich an Schäfers statt im Geschehen und führt die gelesenen Diskussionen mit sich selbst fort (dazu muss man auch gar nicht in jedem Falle mit dem Autoren übereinstimmen). Seinen überraschenden Höhepunkt findet dies im bis dato unveröffentlichten Text "Nur eine Nacht", in dem Schäfer ein Reunion-Konzert seiner Favoriten Thin Lizzy (zwangsläufig ohne Phil Lynott) einer Wiederbegegnung zweier Ex-Geliebten gegenüberstellt. Man fühlt sowohl mit den sympathischen Freunden des Ich-Erzählers als auch mit dem Musikrezipienten selbst.
Auf Seite 5 findet sich die Unterzeile "Der rasende Rezensent I". Man kann also davon ausgehen, dass Schäfer weitere Textsammlungen zu seinen bisherigen sehr vielen hinzufügen lässt. Sammler sollten jedoch darauf achten, dass sie sich nur des Autorennamens wegen nicht versehentlich ein Buch über Schmetterlingsbuntbarsche zulegen - das ist ein anderer Frank Schäfer.