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Reden sind dazu gemacht, gehört zu werden. In der Rede erlangen die Worte, die Nietzsche dem Weltverbesserer Zarathustra in den Mund legt, ihre ganze Kraft. Peter Wapnewski, Professor der Deutschen Literatur -- ein Könner wahrlich in der Kunst des Rezitierens -- lässt sich ein auf die Dichte des Textes. Ein zweifelndes Zögern, ein Schneiden der Stimme, ein Moment atemloser Stille, bevor ein neues Gewitter aus Zorn und Begeisterung gleichermaßen auf den Hörer hernieder fährt. Eindringlich und lebendig ist die Vertonung der drei ersten und wichtigsten Reden Zarathustras aus Nietzsches zentralem Werk.
Doch was gilt schon der Prophet im eigenen Land? "Damals trugst du deine Asche zu Berge, willst du heute dein Feuer in die Täler tragen", ruft der Gläubige Zarathustra zu, als der nach 10-jähriger Einsiedelei zu den Menschen zurückkehren will, "fürchtest Du nicht des Brandstifters Strafen?" Nietzsche ist nicht Zarathustra und doch hat auch er vom geistigen Brandstifter über den Jugendverderber bis zum geisteskranken Wirrkopf fast jeden Titel getragen. Der geistige Missbrauch durch die Nationalsozialisten hat seine Spuren hinterlassen. Trotz allem lohnt sich die Wiederentdeckung Nietzsches. Die Vertonung von Peter Wapnewski eröffnet Kennern eine neue Dimension und bringt Ersthörer auf einen guten Weg. --Cornelia Eulitz -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Zarathustra, nicht der historische, lehrt vom Übermenschen. "Gott ist tot!" - dieser Ausspruch ist wohl vielen bekannt. In Nietzsches wohl genialster Lebendigkeit, Sprunghaftigkeit, Vielfalt, erzählerischer Leichtigkeit, Leichtfüßigkeit und tänzerisch-singender Sprache geht es um den Menschen, der nur ein Seil, ein Übergang ist, von Affen zu Übermenschen. Es gilt, wie ein Seiltänzer, dieses Seil zu überschreiten und zum Übermenschen zu werden.
Dieser Übermensch aber ist nicht, wie in vielerlei Religionen, ein von der Erde (Erde hier auch als Sinnbild für all jene "tierischen Triebe" oder "Erdenhaftigkeit") losgelöstes Wesen. Es ist vielmehr mit einem Bein auf der Erde, mit dem anderen im Himmel. Ein Tier. Ein Gott. Ein Seil zwischen beidem.
Ein mit, wie gesagt, stilistisch genialem Charakter aufwartendes Buch. Inhaltlich ist es sehr verspielt. Die Erzählungen gleichen Tänzen, singenden Metaphern, in die es gilt, einzusteigen, mitzuerfahren. Oder bildhaft gesagt: Mitsingen, mittanzen.
Nietzsche beschreibt aber nicht nur jenen Übermenschen, den Zarathustra exemplarisch darstellt, sondern auch "uns" den Menschen und letztlich wie es mit uns weitergeht, den "letzten Menschen". Viel Psychologie, Psychoanalyse (als Analyse des menschlichen Geistes und der menschl. Seele), viel radikale Durchschau von Vorurteilen und scheinbar-offenbaren Erkenntnissen.
Sehr zu empfehlen auch wenn Nietzsches Stil sicherlich sehr eigen ist und somit vom Leser (je nachdem, was man mag) auch mehr abverlangt. Doch es lohnt sich.
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