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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
83 von 87 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Buch wie eine Bergbesteigung,
Von Avariel (Konstanz) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Also sprach Zarathustra (Gebundene Ausgabe)
Zentrales Thema in Nietzsches wohl bekanntestem Werk, Also sprach Zarathustra, ist der Übermensch. Hierbei handelt es sich nicht um einen biologisch höherwertigen Menschen im Stile des nationalsozialistischen Herrenmenschen, sondern um den vollends selbstverwirklichten Menschen, der sich aus eigener Kraft von sozialen und moralischen Zwängen befreit hat und Zarathustras Forderung an sich und andere, "Werde, wer du bist", erfüllt hat.Die Lehren des Buches präsentiert uns Nietzsche nicht als philosophische Abhandlung, sondern in einer vielzahl gleichnishafter Geschichten, in deren Zentrum der namensgebende Zarathustra steht. Zarathustra ist ein, wie er es nennt, "Schaffender", also jemand, der nicht mehr Mensch und noch nicht Übermensch ist, und ist nicht mit Friedrich Nietzsche gleichzusetzen. Im Verlauf des Buches präsentiert sich die Sicht dieses sich selbst verwirklichen wollenden Zarathustra sowohl auf konkrete Elemente der Welt wie Frauen oder das Christentum als auch auf abstraktere Phänomene wie den Sinn des Daseins oder Einsamkeit. Dabei kommen auch weitere wesentliche Komponenten Nietzsches Philosophie wie die Ewige Wiederkehr oder der Wille zur Macht zur Sprache, sodass ein sehr weites Themenspektrum behandelt wird. Bekanntermaßen vertritt Nietzsche durchgehend sehr extreme und streitbare Positionen, die fast immer in radikalem Widerspruch zur Ethik sowohl seiner wie auch unserer Zeit stehen - Sexismus, rücksichtsloser Egoismus und Verachtung für den gewöhnlichen Menschen gehören zum Weltbild des Zarathustra. In sich ist sein Gedankensystem aber sehr koherent und durchdacht und im Kern keinesfalls "böse", sondern freiheits- und lebensbejahend, ja -ersehnend - alles läuft darauf hinaus, sein Leben so frei und intensiv wie irgend möglich zu leben, was für Nietzsche nur außerhalb und in der totalen Abkehr von der Gesellschaft und ihrer Moral möglich ist. Allerdings schafft Nietzsche mit Worten wie "die Überflüssigen" und "die All-zu-vielen" (womit er Zarathustra die Menschen beschreiben lässt, die so leben wollen, wie Gesellschaft, Religion und die herrschende Moral es wünschen) und mit dem Lob der mitleidlosen Härte selbst die Voraussetzungen dafür, dass seine Philosophie leicht von den Nazis für ihre Zwecke eingespannt werden konnte. So ist denn auch Also sprach Zarathustra mitnichten eine ausgewogene, differenzierte Betrachtung, sondern ein leidenschaftliches, auf seine Weise geniales, aber auch extrem schwarz-weiß-malendes Pamphlet auf höchstem inhaltlichen wie stilistischem Niveau. Um "Also sprach Zarathustra" genießen zu können, bedarf es zum einen der Fähigkeit, einen Text, der das eigene Wertesystem fundamental angreift, zu lesen, ohne sich selbst dabei angegriffen zu fühlen. Zudem bringt es der angesprochene gleichnishafte, exzessiv Metaphern nutzende Stil mit sich, dass viele Botschaften Zarathustras verschlüsselt auftreten und man sich intensiv mit manchmal einzelnen Sätzen befassen muss, will man nicht die Hälfte des im Buch steckende Inhaltes übersehen. Immer wieder vergleicht Nietzsche das Leben des Schaffenden mit der Besteigung eines hohen Berges, dessen Gipfel der Übermensch ist. Auch dieses Buch ähnelt einer Bergbesteigung: Sehr oft ist es gleichzeitig schön wie auch sehr mühevoll zu lesen, und man kommt ohne Konzentration und geistige Anstrengungen oft nicht voran. Am Ende wird man aber mit der Möglichkeit belohnt, die Welt aus einer völlig neuen Perspektive zu sehen und den eigenen Horizont zu erweitern - und dann Nietzsche zuzustimmen oder ihm zu widersprechen. 5 Sterne für dieses Buch "für alle und keinen" - sicherlich aber für alle, denen Philosophie Freude macht. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
93 von 100 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
"Sollte es denn möglich sein! Dieser alte Heilige...,
Von Michael Dienstbier "Privatrezensent ohne fina... (Bochum) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 500 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Also sprach Zarathustra (Gebundene Ausgabe)
...hat in seinem Walde noch Nichts davon gehört, dass Gott todt ist!" (Zarathustras Vorreden, 2. Teil) Das von 1883 bis 1891 erschienene Hauptwerk Friedrich Nietzsches "Also sprach Zarathustra" gehört für mich zu den inspirierendsten Schriften, die jemals in deutscher Sprache geschrieben worden ist. Ästhetisch ein Hochgenuss, entwickelt "Also sprach Zarathustra" alle Konzepte Nietzsches, die bis heute nachwirken: Den Tod Gottes, den Willen zur Macht sowie den Übermenschen.Nach zehn Jahren Einsamkeit will Zarathustra seine Einsichten an die Welt weitergeben und steigt von seinem Berg zu den Menschen hinab. Verwundert muss er feststellen, dass offenbar noch keiner vom Tod Gottes gehört hat. In insgesamt 80 Reden breitet Zarathustra seine Philosophie aus, die noch heute absolut zu faszinieren weiß. Auf Grund der These vom Tod Gottes, wird Nietzsche gemeinhin als Nihilist bezeichnet. Damit wird oftmals fälschlicherweise in Verbindung gebracht, dass Nietzsche für eine Gesellschaft ohne Moral und Werte eintritt. Dies ist falsch. Dahinter steht die engstirnige Ansicht, dass einzig und allein Gott als Quelle moralischer Kategorien anzusehen ist und dementsprechend ohne Gott auch keine Moral möglich sei. Gott als Quelle von Werten lehnt Nietzsche in der Tat kategorisch ab: "Diese Welt, die ewig unvollkommne, eines ewigen Widerspruches Abbild und unvollkommnes Abbild - eine trunkne Lust ihrem unvollkommnen Schöpfer" (Von den Hinterweltlern). Eine Moral hergeleitet von einem "unvollkommnen Schöpfer" hat es nach Nietzsche nicht verdient, bewahrt zu werden. Überhaupt sei der Bezug auf eine metaphysische Instanz nur ein Trick, um zu verbergen, dass Werte höchst menschliche Produkte sind, die manchmal durch Verweis auf ihre angebliche göttliche Herkunft versucht legitimiert zu werden: "Wahrlich, die Menschen gaben sich alles ihr Gutes und Böses. Wahrlich, sie nahmen es nicht, sie fanden es nicht, nicht viel es ihnen als Stimme vom Himmel" (Von tausend und einem Ziele). Was Nietzsche hier postuliert, ist die Tatsache, dass Werte und moralische Kategorien nicht naturgegeben, sondern menschliche Konstrukte sind. Als Gegenkonzept entwickelt Nietzsche den Übermenschen. Der Übermensch ist oftmals ist oftmals als ein bestimmter Typus eines körperlichen Menschen missinterpretiert worden. Vielmehr bezeichnet der Übermensch eine bestimmte individuelle Lebenseinstellung, zu der jeder Mensch das Potential hat. Ein Übermensch akzeptiert die Menschen so wie sie sind und braucht keine von einer göttlichen Instanz hergeleiteten Werte als Krücke, um ein menschliches Leben zu führen. Mit dem Übermenschen ist die Chimäre eines Gottes überflüssig geworden. Der Weg zum Übermenschen sei jedoch hart und schwer, da der Mensch Angst vor der Selbstverantwortung habe: "So fremd seid ihr dem Grossen mit eurer Seele, dass euch der Übermensch furchtbar sein würde in seiner Güte!" (Von der Menschen Klugheit) Um den Zustand des Übermenschen zu erreichen, brauche es den Willen zur Macht. Der Wille zur Macht ist im Grunde nichts anderes, als der Wille zum Übermenschen. Nietzsche wirkt bis heute nach. Vor allem die poststrukturalistischen Denker berufen sich auf ihn. Michel Foucault, der in seinen Untersuchungen zur Sexualität, zu Gefängnissen, Krankenhäusern und Psychiatrien das Konzept der Konstruiertheit aller Wahrheiten verfeinert hat, ist da an erster Stelle zu nennen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
45 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Übermensch und Tänzer,
Von
Rezension bezieht sich auf: Also sprach Zarathustra (Gebundene Ausgabe)
Nietzsche. Genial. Spielerisch.Zarathustra, nicht der historische, lehrt vom Übermenschen. "Gott ist tot!" - dieser Ausspruch ist wohl vielen bekannt. In Nietzsches wohl genialster Lebendigkeit, Sprunghaftigkeit, Vielfalt, erzählerischer Leichtigkeit, Leichtfüßigkeit und tänzerisch-singender Sprache geht es um den Menschen, der nur ein Seil, ein Übergang ist, von Affen zu Übermenschen. Es gilt, wie ein Seiltänzer, dieses Seil zu überschreiten und zum Übermenschen zu werden. Ein mit, wie gesagt, stilistisch genialem Charakter aufwartendes Buch. Inhaltlich ist es sehr verspielt. Die Erzählungen gleichen Tänzen, singenden Metaphern, in die es gilt, einzusteigen, mitzuerfahren. Oder bildhaft gesagt: Mitsingen, mittanzen. Nietzsche beschreibt aber nicht nur jenen Übermenschen, den Zarathustra exemplarisch darstellt, sondern auch "uns" den Menschen und letztlich wie es mit uns weitergeht, den "letzten Menschen". Viel Psychologie, Psychoanalyse (als Analyse des menschlichen Geistes und der menschl. Seele), viel radikale Durchschau von Vorurteilen und scheinbar-offenbaren Erkenntnissen. Sehr zu empfehlen auch wenn Nietzsches Stil sicherlich sehr eigen ist und somit vom Leser (je nachdem, was man mag) auch mehr abverlangt. Doch es lohnt sich. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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