Ich kann mich der Meinung meines Vorrezensenten absolut nicht anschließen. Ich habe das Buch vor ein paar Tagen gebraucht gekauft und innerhalb von zwei Tagen verschlungen, es war mein erster Matussek, vorher kannte ich den Autor nur durch seine herrlichen Spiegel-Reportagen, wie zum Beispiel seine jüngste über eine Begegnung mit Clint Eastwood und durch seine Tätigkeit als "Deutschlands Kultur-Blogger No. 1".
In "Als wir jung und schön und waren" gelingt Matussek, wie immer ohne Berührungsängste, eine sehr präzise popkulturelle Analyse der 68er, bzw. der romantischeren 67er mit all ihren herrlichen und schrecklichen Auswüchsen, stets mit einem Augenzwinkern und oft mit wohlbegründeter Distanz erzählt. Die vom Vorresensenten beklagte "Selbstherrlichkeit" ist für mich "Authentizität". Dem Autor gelingt es spielend, die Stimmung der damaligen Zeit wiederzugeben, ohne irgendwo verklärend zu werden. Herrlich sind seine Zeilen über die Spiegel-Fotosession mit den Ex-Kommunarden in Berlin und die Desillusionierung des alten Stones-Fans bei der Begegnung mit den Rock-Greisen Mick Jagger und Keith Richards (der laut Uschi Obermaier genau wusste, was eine Frau wollte) auf der Berlinale 2008. Sehr gefallen hat mir auch, dass in vielen Stellen Matusseks Sohn direkt angesprochen wird, was unter Bezugnahme auf dessen heutigen Lebensstil wunderbar die Auswirkungen des Aufbruchs von damals auf unsere heutige Bundesrepublik, die pluralistischer und freier ist als je zuvor, aufzeigt. Alles in allem ein wunderbares Buch, kurzweilig, interessant und gut geschrieben, ich kann es guten Gewissens jedem weiterempfehlen, der über 68 mal etwas anderes lesen will als die platten Blowjob-Stories einer Uschi Obermaier und das dumpfe 68er-Bashing des Matussek-Kollegen Jan Fleischhauer. Matthias Matussek ist einer der besten Reporter Deutschlands und das merkt man dem Buch an. "The dude abides."