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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Heimat hier und anderswo!,
Rezension bezieht sich auf: Als wärs ein fremdes Land (Gebundene Ausgabe)
Munter und fidel ist Agata, die Mutter einer großen Familie, als sie sich entschließt, aus Argentinien in ihre alte Heimat Italien zu fahren.Sie weiß um den Verlust von Heimat und die Hürden, die es in einem fremden Land zu überwinden gilt! In Masettos letztem Roman: "' Als wäre alles erst gestern gewesen"' konnte man schon spüren, wie sehr sie sich nach ihrem Heimatdorf im Tessin und nach ihrer Freundin Clara sehnte. Jetzt ist sie achtzig Jahre alt, der Mann ist tot, die Kinder aus dem Haus und die Enkelkinder gehen auch schon auf das Erwachsenenalter zu! Als sie eines Tages ihre Tasse auf den Tisch stellt mit der Bemerkung "'ich fahre nach Italien"', sind die Kinder und Enkelkinder zuerst bestürzt. Die Reise wird zu einem gewaltigen Abenteuer für die alte Frau, die noch nie zuvor mit einem Flugzeug geflogen oder so weit gereist ist. Entschlossen und energisch geht sie es an. Während ihres Flugs über die weiten Meere sieht sie sich als junge Frau vor vierzig Jahren mit zwei kleinen Kindern auf einem Schiff nach Argentinien fahren, wo ihr Mann sie erwartet, denn der zweite Weltkrieg hatte damals die Welt in Stücke gerissen. Dal Masetto schreibt langsam und bedächtig und lässt die Blicke immer wieder über Landschaft, Seen und die Menschen schweifen. In Italien ist die Kriminalität gewachsen, Agata wird es am eigenen Leibe spüren. Alles hat sich verändert, wie das so ist, wenn man nach einem halben Menschenaltern zurückkehrt an den Ausgangspunkt des Lebens: Strassen, Plätze, Orte und selbst Stauseen haben sich verändert oder sind ganz verschwunden. Im Dorf entdeckt Agata Altes und Neues. Sie nimmt es mit Wissbegier, Neugier und Verwunderung zur Kenntnis. Die freundliche und wohlwollende Beziehung zu Silvana, der Enkelin ihrer Freundin Clara, verbindet Alter und Jugend auf sympathische Weise. Masetto zeigt eine versunkene Welt, die sich gegen die neue Zeit zu behaupten hat. Die Gegenüberstellung von Jugend und Altersweisheit bilden den Rahmen für die Erzählung, die von poetischen Bildern der Natur und der Landschaft begleitet werden. Über allem schwebt der Geist von Heimat, die Agata hier verloren und in Argentinien neu gefunden hat. Migration, Entwurzelung und Neubeginn: das sind die Themen dieses großen Romans. Die Mischung aus Erinnerung, Gegenwart und herzlicher Freundschaft zusammen mit den poetischen Bildern einer wunderbaren Landschaft geben der Erzählung den Klang, aus dem die melancholisch-warmherzigen Romane sind. Dieser wurde mit dem Preis Planeta Biblioteca del Sur ausgezeichnet. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Schlüsselroman zum Thema Migration erzählt von der tiefen Freundschaft zwischen einer alten und einer jungen Frau,
Von Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen (HALL OF FAME REZENSENT) (TOP 10 REZENSENT)
Rezension bezieht sich auf: Als wärs ein fremdes Land (Gebundene Ausgabe)
Seit Jahren zeichnet sich der Züricher Rotpunktverlag unter anderem dadurch aus, dass er nach und nach die Werke des argentinischen Schriftstellers Antonio Das Masetto einem deutschsprachigen Publikum zur Verfügung stellt und damit den Zugang schafft nicht nur zum Schaffen eines der bedeutendsten argentinischen Schriftsteller, sondern auch Bücher öffnet von großer poetischer und sprachlicher Kraft. Waren "Noch eine Nacht" und "Blut und Spiele" eine Einheit, die beide in der argentinischen Kleinstadt Bosque spielten, folgte mit "Unten sind ein paar Typen" ein klassischer Kriminalroman, den Dal Masetto um das WM-Finalspiel 1978 zwischen Holland und Argentinien ansiedelte, mitten in der brutalen Militärdiktatur.Im 2008 erschienen Roman "Als wäre alles erst gestern gewesen" begann er mit der literarischen Aufarbeitung der Geschichte seiner Familie. Damals ließ er die 80- jährige Agata zurückblicken auf die Zeit in ihrer Heimat, auf die Zeit, bevor sie mit ihrer Familie von einer kleinen italienischen Stadt am Lago Maggiore nach Argentinien aufbrach. Mit großem erzählerischem Pathos ließ Dal Masetto Agata, die seine Mutter sein könnte, berichten vom italienischen Faschismus, den sie immer stärker und kritischer wahrnimmt. Er lässt das Bild einer ganzen Region und einer ganzen Epoche Italiens entstehen vor dem Hintergrund der Lebensgeschichte einer jungen Frau, die, so wie Dal Masettos eigene Mutter, nach Argentinien auswandert und dennoch nie dien innere Verbindung zu ihrem Heimatland abreißen lässt. Das vorliegende Buch "Als wärs ein fremdes Land" liest sich wie eine Fortsetzung des eben erwähnten Buches. Wieder ist Agata die Hauptperson, die Ende der neunziger Jahre beschließt, noch einmal in ihre alte Heimat am Lago Maggiore zurückzukehren und dieses Vorhaben auch gegen alle Bedenken ihrer Kinder und Enkel durchsetzt. Jahrelang hat sie geträumt davon, noch einmal die Orte ihrer Kindheit und Jugend zu sehen, vielleicht noch mit dem einen oder anderen ehemaligen Bekannten zu sprechen, der noch lebt, und sie hat lange darauf gespart. Sie setzt sich in den Flieger, landet in Rom, macht dort erste Erfahrungen in einem von Nonnen geführten Übernachtungsheim, bevor sie dann nach einigen Tagen mit dem Zug in ihre ehemalige Heimat fährt. Vieles von dem, was sie einst verlassen hat, ist immer noch vorhanden, anderes ist komplett verschwunden, das meiste ist kaum wieder zu erkennen. Agata versucht, stellenweise regelrecht verzweifelt, das, was ihre Welt war, wieder zu gewinnen, sie versucht permanent, das, was sie sieht, hört und erlebt, mit ihrer Erinnerung in Einklang zu bringen. Anstrengend ist das und oft sitzt sie abends traurig da, weil sie es wieder nicht geschafft hat, das zu finden, was sie doch so sehnsüchtig erwartet. Ihre gleichaltrige ehemalige Freundin Carla ist ihr bei ihrer Suche keine große Hilfe: "Andere Zeiten", sagt sie lapidar. "Es war eine andere Welt. Die jungen Leute heutzutage haben keine Vorstellung, sie können das nicht verstehen. Das Leben war hart, man musste große Opfer bringen." Doch das weiß Agata selbst und so lässt sie sich mit jedem Tag und jedem gemeinsam unternommenen Ausflug mehr berühren von der Person und dem Leben der jungen Silvana, der Enkelin Carlas. Aufopfernd ist sie bereit, geduldig mit Agata all die Stellen aufzusuchen, die sie sehen will und wo sie hofft, das wieder zu finden, das sie nicht beschreiben kann. Die junge und die alte Frau nehmen ehrlichen Anteil am Leben der jeweils anderen und es entsteht schnell eine außergewöhnliche Freundschaft, in der beide Frauen viel voneinander lernen und die der berührte Leser von beiden. Was daher kommt wie die Suche Agatas nach ihrer Vergangenheit ist tatsächlich Dal Masettos Versuch, vom gegenwärtigen Italien ein schonungsloses Bild zu zeichnen, mit seiner Korruption und seinem Umgang mit den Fremden im Land. Im Fernsehen sieht Agata in den Nachrichten, dass es in Deutschland nicht besser ist. Sie sieht Bilder eines Trauerzugs aus Mölln, wo Neonazis ein von Türken bewohntes Haus angezündet und drei Frauen und Mädchen getötet hatten. Und Dal Masetto lässt ( von Argentinien aus !) den Fernsehsprecher über zwei Seiten die Orte und Namen aller fremdenfeindlichen Attentate und Morde von Skinheads und Neonazis in Deutschland aufzählen. Agata erinnert sich an die Kämpfe der Partisanen gegen die Nazis und will immer wieder zusammen mit Silvana Gedenksteine aufsuchen in der Region, wo den tapferen Kämpfern gedacht wird. Antonio Dal Masetto hat nicht nur einen Roman geschrieben, in dem er sich seiner eigenen Geschichte annähert, sondern sein Buch ist ein Schlüsselroman zum Thema Migration. Eingebunden in eine liebevoll beschriebene Gesichte der tiefen Freundschaft einer alten und einer jungen Frau strahlt das Buch eine große Hoffung aus. Indem es ihm gelingt, in den Schilderungen der Erfahrungen Agatas sowohl Neugier und Interesse, als auch Distanziertheit zu verbinden, ist ihm ein Buch gelungen, das unter dem Strich eine einzige Teilnahme ist am Schicksal von Migranten, heute und früher. Ein Buch, das dem heutigen Italien schonungslos den Spiegel vorhält. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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