Jens Wawrczecks neues Hörbuch ist wie seine Vorgänger aus der Edition AUDOBA etwas ganz Besonderes. Der Sprecher und Schauspieler hat es sich zur Aufgabe gemacht, zu unrecht vergessene Texte wieder ans Licht zu holen, um ihnen die Aufmerksamkeit zu schenken, die sie verdient haben. Mit viel Feingefühl und Geschick ist ihm das auch bei diesem Buch wieder gelungen.
Julian Gloag erzählt die Geschichte der Geschwister Hook. Die sieben Kinder leben mit ihrer kranken Mutter im südlichen London. Ihren Vater haben sie noch nie kennengelernt. Als die Mutter stirbt, ist den Kindern klar, dass sie ins Waisenhaus kommen, sollte ihr Tod bekannt werden. So entschließen sie sich, die Leiche ihrer Mutter heimlich im Garten zu begraben, und einfach so zu tun, als ob nichts geschehen wäre. Dass das gar nicht so einfach ist, kann man sich denken... Zunächst halten sich alle an die Regeln, die noch zu Mutters Lebzeiten galten. Elsa nimmt als Älteste automatisch die Rolle der Anführerin ein, die übrigen Geschwister Hubert, Dinah, Dunstan, Jiminee, Gerty und Willy fügen sich ihren Anweisungen. Doch schon bald verändern sich die Kinder. Kaum merkbar verschiebt sich der Einfluss der einzelnen Geschwister in der kleinen Gruppe, es entstehen erste Konflikte und schließlich kommt es, wie es kommen musste. Ein weiteres Unglück geschieht, das kaum zu verbergen ist und wieder bangen die Kinder, dass ihr Geheimnis auffliegt...
Wer bereits von Jens Wawrczeck gelesene Hörbücher kennt, weiß, dass er besonders gefühlvoll und intensiv liest, ohne dafür seine Stimme großartig verstellen zu müssen. Er kann mit nur kleinen Veränderungen in der Aussprache und des Tons die verschiedenen Charaktere so spielen, dass auch der Hörer sofort weiß, welche Person gerade spricht. Bei diesem Hörbuch ist ihm das allerdings in einer Perfektion gelungen, die einen staunen lässt. Sei es der erzählende Hubert, der stets versucht, vernünftig und klug zu entscheiden, Elsa, die große, aber im Herzen auch noch kindliche Schwester, der finstere Dunstan oder die Kleinen, Gerty, Willy und der süße, leicht stotternde Jiminee. Wawrczeck hat sie alle zum Leben erweckt und man kann einfach nicht anders, als gebannt der Geschichte zu lauschen. Wawrczeck nutzt nur zarte Nuancen, doch insgesamt gesehen so intensiv ausgeführt, dass man nicht nur vom Inhalt der Story sondern ebenso von seiner Sprecherleistung berührt und begeistert wird. Die Wahl des abschließenden Musikstücks ist ebenso gefühlvoll ausgefallen. Das schlichte Schlaflied "Sleepy Baby" ist ein harmonischer Abschluss dieses bewegenden Hörbuchs, den man sich besser nicht vorstellen könnte. Ebenso passend wie dieser Song ist auch die von Henrik Albrecht arrangierte Zwischenmusik. Zarte Geigenklänge unterstreichen die Intensität der Geschichte und treffen so mitten ins Herz. Abermals eine tolle Zusammenarbeit der beiden Künstler.
Auf sechs Cds beweist Jens Wawrczeck hier eindrucksvoll sein Können und obwohl es sich um eine gekürzte Lesung handelt, wird die Aussage und Wirkungsstärke von Julian Gloags Buch mehr als deutlich. Man darf gespannt sein, welche literarischen Schätze Jens Wawrczeck noch ausgraben und vertonen wird, denn eines ist sicher: es wird wieder außergewöhnliches Lauschgut sein.