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Als ich sterblich war: Erzählungen
 
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Als ich sterblich war: Erzählungen [Taschenbuch]

Javier Marías , Elke Wehr
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 190 Seiten
  • Verlag: dtv; Auflage: 1.Auflage (Mai 2000)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423127791
  • ISBN-13: 978-3423127790
  • Originaltitel: Cuando fui mortal
  • Größe und/oder Gewicht: 19,3 x 12,1 x 1,5 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 2.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 149.861 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Javier Marías
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Lesezeichen

Shakespeares Gespenster

Zwölf Erzählungen von Javier Marías

Von Javier Marías, dem Verfasser von zwei eindrücklichen Büchern («Mein Herz so weiss», «Morgen in der Schlacht denk an mich») und ein paar weniger eindrücklichen, liegt wieder die jährliche Neuerscheinung für das deutschsprachige Publikum vor. Der drei Jahre alte Erzählband «Als ich sterblich war» ist es diesmal; ein noch älterer («Mientras ellas duermen», 1990) blieb bisher unübersetzt.

Javier Marías' Ruhm hat hierzulande etwas Zweifelhaftes; denn der erste der oben genannten Romane machte nicht nur seinen Autor schlagartig bekannt, sondern gilt auch als Beweismittel dafür, dass das Wort des Grosskritikers, zur rechten Zeit am rechten Ort in viele Ohren gesprochen, Kauf- und Urteilskraft von Lesern und Kritik nachhaltig zu lenken imstande ist. Trotz der Zweifelhaftigkeit dieses heftigen und jähen Ruhms ist Marías allemal ein Autor, der Beachtung verdient; nicht nur wegen seiner ausgeprägten und passagenweise meisterhaften Stilistik, sondern auch und hauptsächlich, weil er in Ton und erzählerischer Haltung eine Aktualität besitzt, die dem literarisch postmodernen Gestus fehlt.

Mit den vorliegenden zwölf Erzählungen aus den Jahren 1991 bis 1995 bleibt der ausgewiesene spanische Experte für Ehebruch, Tod, Shakespeare und Gespenster seinen Themen konsequent treu. Die Geschichten drehen sich – und sie drehen sich bis zum Schwindel – um ein moralisches Vakuum. Ein Vakuum, das sich zwischen der Unmöglichkeit der Liebe und der Unvermeidlichkeit des – oft gewaltsamen – Todes auftut. Das Parallelthema Liebe und Tod, das in der spanischen Kultur tiefe Wurzeln hat, entkleidet Marías seiner religiös-ideologischen Tradition und macht es zum Leitmotiv einer bösen Farce, die da Leben heisst. Dies ist die erste Aktualität. Hinzu kommt das angelsächsische Erbe, das er genüsslich in Form von Shakespeare-Paraphrasen und Zitaten sowie in Anklängen an die viktorianische Gothic Novel pflegt.

Doch beim Transponieren unterhaltsamer Gruseleien oder auch existentieller Abgründe aus vergangenen Jahrhunderten in die grossstädtische Gegenwart hinein – und bei ihrer Bearbeitung durch Marías – findet ein derartiger Temperatursturz statt, dass den Geschichten ihre lebendige Substanz abhanden kommt. Sie werden kühl bis eisig. Und das ist ein weiterer wichtiger Bestandteil ihrer Aktualität. Liebesgeschichten zum Beispiel erreichen nicht einmal mehr annähernd den Schmelzpunkt. Ein Mann beobachtet ein Paar bei der – nun ja, Liebe ist es nicht (ist es nie bei Marías), sondern «eine düstere, erstickte Anstrengung von Körpern, die gewiss eher einer weiteren Formalität hingegeben waren – dem Akt – als dem wirklichen Begehren». Es könnte, vom Standpunkt des Voyeurs betrachtet, ebensogut ein Mord sein. Und auch in diesem Fall würde er, darauf kann man sich verlassen, genauso präzise schildern, was er sieht.

Am meisten, etwa auf Zimmertemperatur, erhitzt sich diese Erzählerei sowieso dann, wenn es ums Sterben geht. Nehmen wir die Titelgeschichte: «Als ich sterblich war» (Shakespeare, «Richard III.»; die Szene, der auch «Morgen in der Schlacht . . .» entnommen ist). Ein Gespenst erzählt aus seinem Leben und – Klimax und Schluss – von seiner Ermordung. Es weiss, was der Sterbliche nicht wissen konnte: dass die Mutter den Vater betrog, dass aber der Vater diesen Betrug für seine Sicherheit eintauschte – und so weiter, ein Abgrund von Verrat. Nichts ist, wie es zu Lebzeiten aus der menschlich kleinen Perspektive schien, nicht einmal der Betrug.

Das Gespenst als ewiger und zeitloser Voyeur, als allwissender, der Zeit entrückter Erzähler: dies ist als Gedankenspiel recht reizvoll. Zu Ende gedacht und zu Ende geschrieben, bedeutet eine solche Perspektive masslose Hybris; der Erzähler begibt sich auf den Standpunkt eines Unsterblichen, in eine Position jenseits des Lebens. Bei Shakespeare spricht noch der Geist eines Ermordeten voll Trauer und Rachedurst. Bei Marías dagegen ist dem Gespenst im Grunde alles Wurst – ausser dem Schrecken an sich und dessen sprachlicher Makellosigkeit. Auch das ist ein aktueller Standpunkt. Distanz und Voyeurismus und dazu die Besessenheit von Gewalt und Tod: dies sind die Grundelemente all dieser Erzählungen. Zweimal wird der voyeuristische Effekt noch dadurch verstärkt, dass das künftige Todesopfer durch die Perspektive eines Fernglases vorgestellt wird.

Einen Einblick in seine Arbeitsweise gibt Marías mit der Erzählung «Auf der Hochzeitsreise», die hier – mit geringfügigen Veränderungen – fast aufs Wort so dasteht wie eine zentrale Passage aus jenem Roman, der auf so wundersame Art zum Bestseller avancierte.

Eine Frau steht auf der Strasse vor einem Hotel und wird von dem Ich-Erzähler, der sich gerade auf Hochzeitsreise befindet, vom Balkon aus beobachtet. Die Frau wartet auf jemanden, einen Mann, wie zu vermuten ist. Im Roman geht die Frau mit ihrem Liebhaber schliesslich ins angrenzende Hotelzimmer und wird vom Erzähler beim Aushecken eines Mordplans belauscht. Die Episode hat mit dem weiteren Handlungsablauf des Romans wenig zu tun. Sie liefert nur das zentrale Motiv: Gattenmord. Als Erzählung endet sie damit, dass die fremde Frau auf das Zimmer des jungen Ehepaares zusteuert und der Erzähler, der «kein Fremder war für die Person, die bereits die Treppen heraufkam», sich anschickt, ihr die Tür zu öffnen. Und Schluss. Nichts weiter. Das unausgesprochene Motiv heisst hier: Verrat. Marías führt hier vor, wie eine an sich harmlose Szene, fiktiv oder vielleicht auch dem realen Leben abgeschaut, zum Ausgangspunkt der eigenen dunklen Phantasien wird, zum Aufhänger von zwei verschiedenen Geschichten, die eines gemeinsam haben: die Möglichkeit des Verbrechens, zumindest der moralischen Grenzüberschreitung. Dies ist die vierte Aktualität.

Erzählen fängt ja immer damit an, dass jemand in etwas hineinverwickelt wird, sich beteiligt. Marías fabuliert sich zwar in sein faktisches Rohmaterial hinein; aber seine Erzählfiguren treten stets als Zuschauer auf, als Zeugen eines Dramas, das nicht das ihre ist. Nie handeln sie selbst, aber sie beobachten genau. Sie hören sich Beichten an oder finstere Pläne, registrieren die Fatalität des Lebens. Im Extremfall – Gipfel der Beteiligung – schnüffeln sie hinter jemandem her. Auf solche Weise entsteht gerade eben genug Nähe, dass der Funke zu einer Geschichte geschlagen werden kann. Aber es sind Geschichten, denen die Distanz Voraussetzung ist und die Kälte Zustand. Sie scheinen niemanden etwas anzugehen, und die Personen darin wirken wie Gegenstände hinter Glas, in einem geschmackvollen Vitrinenschrank placiert, dessen Tür, als Hommage an angelsächsische Gepflogenheiten erzählerischer Metaphysik, höchstens ein bisschen knarrt. Ein Narr, wen es da nicht fröstelt.

Katharina Döbler -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Kurzbeschreibung

Ein Pornodarsteller erzählt von seinem letzten Job als Leibwächter einer suizidgefährdeten Milliardärstochter; der Besucher eines Pferderennens wird im beiläufigen Gespräch mit einem Nebenstehenden Zeuge des Augenblicks, in dem ein Mord geplant wird; ein an Depressionen leidender Schriftsteller setzt seine Medikamente ab, um seine Forschungsarbeit über den Schmerz zu vervollkommnen; ein Geist schildert minutiös die Umstände seines Todes und erinnert sich in allen quälenden Einzelheiten an die Zeit »als ich sterblich war« . . .

Mord, Verführung, ungewollter Sex, Geistererscheinungen, Lüge und Betrug - in zwölf dichten Geschichten hat der Autor diese dem begeisterten Marias-Leser wohlvertrauten Themen meisterhaft verwoben. Javier Marias, 1951 in Madrid geboren, gilt als einer der bedeutendsten Schriftsteller des heutigen Spaniens. Seit seinem Welterfolg ›Mein Herz so weiß‹ (1992, dt. 1996) ist er mit zahlreichen international wichtigen Preisen geehrt worden, u. a. 1995 mit dem Premio Rómulo Gallegos, 1996 mit dem Prix Femina Étranger, 1997 mit dem International IMPAC Dublin Literary Award und dem Nelly-Sachs-Preis für sein Gesamtwerk sowie 1998 mit dem Mondello-Literaturpreis der Stadt Palermo. Sein umfangreiches Werk wurde inzwischen in 26 Sprachen übersetzt.


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Der Leser
Format:Gebundene Ausgabe
Dem vorigen Rezensenten ist voll und ganz zuzustimmen: sehr schöne und raffinierte Geschichten, deren Qualität durch die teilweise sehr fragwürdige Übersetzung verliert. Manchmal wird scheinbar so wörtlich übersetzt, daß Wendungen herauskommen, die ich im Deutschen so noch nie gehört habe. Zudem sollte jeder Laie wissen, daß Real Madrid nicht bei einer Europameisterschaft mitspielt, sondern im Europapokal. Was herauskommt, wenn Intellektuelle Bücher übersetzen, die von Fußball handeln, darf man in der ganzen Lächerlichkeit in Marías Fußballband "Alle unsere frühen Schlachten" bestaunen.
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Wirklich schöne Kurzgeschichten sind das, ein wenig abseits vom Normalen. Liebe, Tod, Betrug, Verrat, Mord - aber die Übersetzung ist einfach grauenhaft. (Beispiel: "er erinnerte den Tag" - da wurde wohl zu wörtlich übersetzt oder einfach die Grammatik vergessen) Wer spanisch versteht, sollte sich das Buch in der Originalsprache kaufen. Der Übersetzer indes verdient eins hinter die Ohren. Aus diesem Grund gibt es auch nur drei Punkte. (Schade eigentlich)
War diese Rezension für Sie hilfreich?
0 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
zumindest hat es mich verwirrt. Der Autor sieht sich veranlasst Begründungen dafür abzugeben, weshalb die Geschichten offensichtlich nicht so sind, wie wären, wenn er sie nicht als Auftragsarbeiten geschrieben hätte. Auch führt er aus, daß er (trotz Auftragsarbeit)Spaß beim Schreiben gehabt hätte, sonst hätte er nicht geschrieben.
Die Auftraggeber wissen offenbar einerseits um dass schriftstellerische Talent von Javier Marias, aber auch dass man dieses in DIE Bahnen lenken muß, damit man die GEschichten auch erfolgreich vermarkten kann.
Leider ist es nicht gelungen, bzw. die Lektoren haben sich das nicht getraut (ein gutes Stilmittel ist es jedenfalls nichts, im Gegenteil) die endlosen Ketten- und Schachtelsätze so zu kürzen, daß ein flüssiger Stil entsteht.
Es ist besser, als im Roman "Mein Herz so weiß", aber dennoch ermüdend und dem Lesegenuß abträglich. Auch sind die ausufernden Gedankenschleifen, die in diesem Roman bis zur Langweiligkeit Details beschreiben, die zwar eine subtile Beobachtungsgabe des Autors beweisen, aber nur bedingt zur eigentlichen Handlung beitragen, in den Geschichten kürzer. Aber eine Geschichte von 5 bis 25 SEiten verträgt keine solchen gedanklichen Ausflüge. Gott sei Dank.

Bei allem REspekt vor Javier Marias, und obwohl Herr REich-Ranicki ihn für einen der größten im Augenblick lebenden Schriftsteller hält, kann ich den Romanen und Geschichten von Herrn Javier Marias nichts abgewinnen, das mich sagen liese, spannende unterhaltsame Lektüre.
Spannung und Unterhaltung haben aber auch nur bedingt mit Literatur zu tun. Und außerdem muß man als Anhänger des geschriebenen Wortes dem Literaturpapst nicht bedingungslos folgen, schließlich ist jener ja nicht unfehlbar, und erhebt soweit ich weiß auch keinen Anspruch darauf, obwohl andere Meinungen zum Auseinanderfallen von Quartetten führen.

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