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Eine solide Inhaltsangabe ist auch bei Zähringers zweitem epischem Streich kaum möglich, selbst wenn Als ich schlief mit 280 Seiten deutlich schmäler ist als das Debüt. Der in Berlin lebende Autor lässt sich auch diesmal nicht lumpen: Mindestens vier verschiedene Zeitebenen (vom Zweiten Weltkrieg bis heute) sind im Spiel, fünf Schauplätze zwischen Berlin und Los Angeles, sowie sechs bis acht Hauptfiguren. Der Ich-Erzähler ist ein persischstämmiger Physikstudent, der seit 20 Jahren im Koma liegt (daher der Titel), nachdem er 1985 bei einer der berüchtigten Westberliner Demos niedergestreckt wurde. Weiters mit von der Partie sind: ein vom Himmel gefallener Flüchtlingsjunge aus Afrika; ein KZ-Arzt, der inkognito nach dem Krieg bei der US Air Force seine Experimente fortsetzt; ein Schimpanse mit Mörderinstinkt; eine bunte Westberliner Studenten-WG im Jahre 1985 samt feministischer Vermieterin; nicht zu vergessen Joseph Hutzinger, Koch in der deutschen Armee, der bei Kriegsende versehentlich für einen Raketenspezialisten gehalten wird, sich in den USA aber dann zum Imbissbudenmillionär (mit seiner Erfindung "Schnitzel on a stick") hocharbeitet und dessen Bestseller "Reich und glücklich in sechs Tagen" immer wieder im Roman auftaucht.
Plots wie dieser füllen bei John Irving 1000 Seiten und man möchte diesem Norbert Zähringer gern flehentlich zurufen: Weniger ist mehr! Weniger Erzählstränge, weniger Figuren, weniger haarsträubende Zufälle, die das ganze Konglomerat zusammenhalten müssen! Wenn dieser Kerl nur nicht so beneidenswert schön und witzig und formal elegant erzählen würde, dass man ihm eigentlich alles verzeiht. Und man am Ende doch nicht umhinkann, diesen Roman einfach wärmstens zu empfehlen. --Christian Stahl -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
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Da ist zum Beispiel Paul Mahlow, sein bester Freund aus Studententagen. Paul hat noch nicht allzu fest Fuß gefasst im Leben und jobbt bei einer Sicherheitsfirma. Eines Tages fällt ihm bei einem Kontrollgang über die Lagerflächen eines Altpapierhändlers ein lebloser schwarzer Junge direkt vor die Füße. Ismael hatte sich im Radkasten einer amerikanischen Maschine versteckt, um der Kriegshölle seiner afrikanischen Heimat zu entkommen. Wie er die vielen Stunden in zehntausend Kilometer Höhe überlebt hat, ist allen Ärzten ein Rätsel. Doch es gibt jemanden, der sich genau dafür sehr interessiert: Arnold Zumvogel, der Eisteufel. Im zweiten Weltkrieg war Zumvogel einer der berüchtigtsten Naziärzte, der unmenschliche Experimente an den Gefangenen vornahm und nie dafür bestraft wurde. Sein besonderes Interesse gilt der Kälteresistenz des menschlichen Körpers, und er fliegt nach Deutschland, um Ismael für seine Forschungszwecke zu gewinnen. Ismael, der dadurch die Erinnerung an seine Vergangenheit wieder zu finden hofft, stimmt zu. Und wäre nicht Schimponaut Shilo gewesen, er hätte es nicht überlebt.
Damit ist Zähringers Repertoire allerdings noch lange nicht erschöpft, auch einige andere Helden sind hier noch zu erwähnen. Zum Beispiel Gonzo, der sich die Schuld an allem gibt, Alps Onkel Yilmer mit seinem Quacksalbermobil oder Joseph Hutzinger, Erfinder des „Schnitzel on a stick" und seinerzeit einer der glücklichsten Menschen der Welt.
Die Schicksale all dieser Menschen verknüpft Zähringer über Jahrzehnte und Kontinente hinweg, lässt sie aufeinander zulaufen, sich treffen und wieder trennen. Er bietet dem Leser eine unglaubliche Fülle von Geschichten, die so gekonnt und oft überraschend miteinander verwoben sind, dass irgendwie alles mit allem zusammenzuhängen scheint. Zähringer beschreibt genau, manchmal trocken-komisch, dann wieder quälend detailliert, und nie langweilig.
Im Finale begegnen sich Mahlow und Ismael in einer Momentaufnahme, die das Herz stocken lässt - und gehen auseinander, als wäre nichts geschehen. Nichts ist gelöst, nichts wird erklärt, alles ist offen. Der Leser bleibt zurück mit diesem Buch in der Hand, in unbändigem Staunen. Da sage noch mal einer, die jungen deutschen Schriftsteller hätten nicht viel zu erzählen!
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