Dieses sehr philosophische Buch des Franzosen Eric-Emmanuel Schmitt ist in Frankreich schon im Jahr 2002 veröffentlicht worden, also einige Zeit, bevor dieser Autor in Deutschland einen regelrechten Kultstatus erlangte. Es geht in diesem leicht und schnell zu lesenden Roman um die alte Frage, was es überhaupt ausmacht, ein Mensch zu sein, was das Menschsein konstituiert. Insbesondere geht es um die in einer Mediengesellschaft wie der unseren- höchst aktuelle Frage, ob ein Mensch, der, aus welchem Grund auch immer, im Rampenlicht der Öffentlichkeit steht, noch sich selbst gehört und irgendwelche unveräußerlichen Persönlichkeitsrechte und eine Intimsphäre besitzt.
Es geht weiters um die Vergänglichkeit des schnellen Ruhmes, bzw. eines Ruhmes, wie er für die heutige schnelllebige "superstartopmodel etc."- Zeit typisch geworden ist, ein Ruhm, der sich einzig und allein darin gründet, dass er von Anfang bis zum in der Regel sehr schnellen Ende inszeniert worden ist, und nicht aus seinem wirklichen Kunstcharakter lebt.
Schmitt erzählt die Geschichte eines jungen Mannes namens Tazio Firelli. Er ist der ziemlich vom Leben frustrierte Ich-Erzähler des Romans. Er ist der Bruder eines sehr erfolgreichen und für seine Schönheit berühmt gewordenen Zwillingspaars. Schon lange spielt er, der sich abgrundhässlich und nicht lebens- und erst recht nicht liebenswert hält, mit dem Gedanken an einen Freitod.
Als er eines Tages zum vierten Mal auf einem Felsen über dem Abgrund des Meeres steht und sich in die Tiefe stürzen will, spricht ihn ein Mann an. Es ist der reiche und von der Kunstwelt hochgepuschte Künstler Zeus-Peter Lama. Der bittet Tazio um 24 Stunden Aufschub, er habe ihm ein Angebot zu machen, das sein Leben verändern und das er mit Sicherheit nicht ausschlagen werden, obwohl er natürlich dazu jedes Recht habe.
Tazio lässt sich darauf ein. Es ist ein faustischer Bund, den er da eingegangen ist. Tazio schreibt Abschiedsbriefe an seine Eltern und wirkt mit bei seinem inszenierten Selbstmord. Viel später erst wird der in Adam 2 verwandelte Tazio sich fragen, wo denn Zeus-Peter Lama die Leiche hergenommen hat, die Tazios Eltern als ihren Sohn identifizierten.
Tazio Firelli ist aus dieser Welt verschwunden.
Mit Hilfe eines Rechtsmediziners namens Dr. Fichet verwandelt Lama Tazio in ein Kunstwerk. Tazio muss als Kunstwerk überall nach dem Willen seines Besitzers zur Ausstellung bereit stehen und jeglicher eigene Wille wird ihm abgesprochen. Doch er hat ihn noch, denn Dr. Fichet hat sich heimlich den Anordnungen Lamas widersetzt und keine Lobotomie durchgeführt und Tazio die Sprache gelassen, auch wenn dieser während der Ausstellungszeiten natürlich zu schweigen hat.
Obwohl er Lama von Anfang an seinen "Wohltäter" nennt, regt sich in Adam 2 alias Tazio immer mehr Widerstand gegen seine neue Existenz, erst recht, als bei einem seiner Spaziergänge am Meer einem blinden Maler und dessen Tochter begegnet. Lama wird diese Widerspenstigkeit irgendwann zuviel und er verkauft Adam 2, doch nicht, bevor er zuvor durch eine vorgespielte Entführung dessen Marktwert hochgetrieben hat. Der Staat tritt als Käufer auf und als es schlussendlich zu einem Prozess kommt, wird von dessen Seite Tazio jedes Menschenrecht abgesprochen. Doch der Prozess findet einen überraschenden
Ausgang ...
Ein philosophisches Buch, das neben allem Lesegenuss doch sehr nachdenklich macht, wenn man bereit ist, die naheliegenden Parallelen zu ziehen. Auf immer zahlreicher werdenden Programmen kann man fast täglich in mehr oder minder radikaler Form solche menschlichen "Kunstwerke" sehen. Sie alle haben, so wie Tazio, sich sogar vertraglich abgesichert, mit jenen Teufeln" eingelassen und ihnen ihre Seele verkauft. Wo all diese Menschen nach ihrem schnellen und kurzen Ruhm landen, interessiert keinen.