Das zweite Wort im Titel dieses Buches ist das wichtigste: ich" Wenn der Autor von Gott redet, redet er vor allem von sich, und was er am Christentum gut findet, ist, daß es ihm gut tut und daß er es für sein Leben braucht. Das bedeutet aber nicht, daß er uns wirklich an seinem inneren Weg aus dem streng katholischen Passau seiner Kindheit über eine rebellische kommunistische Jugendzeit zurück zu Kirche und Glauben teilhaben läßt. Dafür springt er viel zu sehr hin und her, vom Urlaub in Griechenland (wir erfahren u.a., daß er die Fähre verpaßt hat und zu wenig Schafskäse im Salat war) ins heimatliche Passau, dann wieder irgendwelche Erlebnisse in einer Kirche, gefolgt von allgemeinen Betrachtungen. Man hat den Eindruck, daß Seewald das Buch ziemlich rasch geschrieben hat und seinem momentanten Gedankenfluß gefolgt ist. Er beschreibt seinen Glauben auch nicht wirklich als seinen persönlichen Glauben, sondern eher mit dem Anspruch: Das war für mich gut, also muß es für alle gut sein. Aber gerade so verliert sein Plädoyer für den Glauben an Überzeugungskraft.
Soviel bekommt man auf jeden Fall mit: Glauben, das ist für Seewald etwas, was Halt gibt, wo man sich fallen lassen kann, was das Leben bereichert. Denken", auch wenn es das letzte Wort im Buchtitel ist, gehört für ihn weniger dazu. Von Theologen hält er nichts, bis auf einen: Josef Ratzinger. Der nimmt ihm das Denken in Glaubenssachen anscheinend weitgehend ab. Ansonsten sind die Personen, an die Seewald denkt, wenn er an Gott denkt, der Priester im Beichtstuhl, die Mönche im Kloster oder die betenden Frauchen in der Kirchenbank (die durchs Beten schöner werden). Man sieht: ihm ist wichtig, daß er als Christ teil von etwas ist, was den Eindruck vermittelt, daß es schon immer so gewesen ist und ganz selbstverständlich in sich ruht. Um daran festhalten zu können, macht er es sich immer wieder zu einfach. So weigert er sich, zwischen Gott und Kirche zu unterscheiden, und Kirche, das ist für ihn natürlich die katholische Kirche. Er läßt keinen Zweifel daran, daß sie, so, wie sie ist, direkt auf Jesus Christus zurückgeht und sich in ihrer ganzen Geschichte immer treu geblieben ist. Wenn aber diese Kirche derart göttlich ist, was ist dann mit den anderen? Deren Existenz wird von Seewald nicht einmal wahrgenommen, und so kann er Protestanten wie van Gogh und Martin Luther ohne Probleme vereinnahmen (Luthers Rede von der Freiheit des Christenmenschen" schreibt er allerdings Paulus zu). Oder Werner Gitt. Das ist einer der extremsten Anhänger des Kreationismus. Daß Seewald ihn zustimmend zitiert, zeigt, wie weit seine Denk- und Unterscheidungsverweigerung in Glaubenssachen geht.
Trotzdem ist die Lektüre dieses Buches, das man schnell durchgelesen hat, nicht umsonst. Daß Glauben keine Ideologie ist, sondern eine Art, sein Leben zu gestalten, daß dazu gehört, daß man Teil einer Gemeinschaft ist, wieviel Menschlichkeit gerade in der christlichen Botschaft steckt und daß sie in unserer Zeit keineswegs überholt ist, sondern nötig gebraucht wird, das kann man hier durchaus lernen.