"Als Oma ein Vogel wurde" ist ein ungewöhnliches Bilderbuch, welches den weiten Bogen spannt von der Lebenserfahrung und Freundschaft, über Krankheit und Schwäche sowie Tod und Trauer bis hin zum langsamen Hineingleiten wieder ins Leben hinein als Angehöriger.
Die Bilder von Kristien Aertssen wirken wie von einer anderen Welt in ihrer besonderen Ausführung, Farbgebung und den stilisierten Figuren. So wirken die Personen und die Landschaften und Räume in gewisser Weise fern und ermöglichen so eine Annäherung, die doch auch Distan zulässt. So können Kinder selber entscheiden, wie weit sie die dargestellten Szenen gefühlsmäßig nahe an sich heranlassen, oder eher auf Abstand bleiben. Die Geschichte selbst erzählt von der Enkelin Merle, die regelmäßig ihre Großeltern Frau und Herr Feder" besucht. Bei den Besuchen spielen ein Kirschbaum, Vögel und die Nachbarschaft jeweils eine große Rolle. Eine große Verbundenheit wird zwischen Merle und den Großeltern spürbar. Doch dann hatte "der Winter Einzug gehalten" und die Großmutter wird immer schwächer, was hier damit erzählt wird, dass ihr kalt war, sie mehr schwieg, viel schlief und nicht mehr aus dem Bett kam,...bis sie schließlich starb. Dann rückt der Großvater mehr ins Zentrum, den in der Zeit der Trauer eine Starre erfasst und kein Interesse mehr an dem, was Aussen passiert. Erst als ein einzelner Vogel am Fenster erscheint, wird Herr Feder aktiv, erinnert sich an die Liebe seiner verstorbenen Frau zu den Vögeln im Kirschbaum und er findet wieder zum Leben zurück. Hierbei wird er einfühlsam von der Enkeltochter unterstützt.
Die Zeichnungen selbst sind französisch pointiert und beziehen die Natur genauso ein wie auch unterschiedliche menschenliche Charaktere. Immer wieder wird hier Bewegung und Ruhe, Besinnung und Sinneserfahrung miteinander kombiniert.
Das Buch kann für Kinder eine Art Beruhigung darstellen und Trauerprozesse begleiten helfen. Insbesondere bei Kindern in der Grundschule wird das Buch helfen können, Sterben und Trauer zu thematiseren.