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Als Jonathan starb
 
 
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Als Jonathan starb [Gebundene Ausgabe]

Tony Duvert , Joachim Bartholomae
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 223 Seiten
  • Verlag: Männerschwarm; Auflage: 1 (Februar 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3939542598
  • ISBN-13: 978-3939542599
  • Größe und/oder Gewicht: 19,8 x 13 x 2,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 356.577 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Der junge Maler Jonathan lebt allein und abgeschieden auf dem Land. Immer wieder wird Serge zu ihm "abgeschoben", der Sohn einer Freundin aus Paris, die keine Lust hat, sich um ihn zu kümmern. Serge ist im wörtlichen Sinn ein "ungezogener" Junge: egoistisch, amoralisch, ohne Werte. Er brät Regenwürmer, experimentiert mit Schnecken und Kröten und spielt an seinem Körper herum. Und an dem von Jonathan. Jonathan weiß, dass das nicht sein darf. Dennoch gibt er Serge den Raum, den der sich sowieso erobert.
Mit großer Diskretion schrieb Duvert Ende der 1970er Jahre diesen komplexen Gesellschafts-, Erziehungs- und Liebesroman, der von der französischen Presse hoch gelobt wurde.
Ungewöhnliche Sinneseindrücke und tiefgehende Erinnerungen. Man lernt, dass Liebe stirbt, wenn sie gesellschaftsfähig wird.
Le Monde

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Kundenrezensionen

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9 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
"Also starb Jonathan nicht, er liebte ganz für sich allein ein verschwundenes Kind." (Zitat)

Ganz leise entwickelt sich hier eine Geschichte, die mein Nervenkostüm ordentlich durcheinander wirbelte: Eine ungewöhnliche Liebe zwischen einem jungen Mann und einem kleinen Jungen. Jonathan ist mit Barbara befreundet. Als er noch in Paris lebt, fühlt er sich sofort zu ihrem kleinen Sohn Serge hingezogen, doch als Barbara die ungewohnte Freundschaft der beiden bemerkt, ist sie froh, dass es zu einer Trennung kommt und Jonathan aufs Land in ein winziges Häuschen zieht. Später jedoch, als sie eine Reise plant, erinnert sie sich an Jonathans Fürsorge und schiebt ihren Sohn kurzerhand zu dem jungen Maler ab.
Abgeschirmt von der äußerlichen Realität, in ländlicher Kulisse, kann sich der Kosmos zwischen Mann und Kind ungestört entfalten. Es macht Freude die beiden zu beobachten. Liebevoll gehen sie miteinander um, teilen Tisch und Bett ohne Scham und Reue. Die Darstellung der Charaktere ist durchgehend authentisch, besonders den Jungen sieht man beim Lesen in seiner unbeschwerten Lebendigkeit vor sich. Serge ist zärtlich, wild, phantasievoll, anhänglich, intelligent und gewitzt - ein Quälgeist mit Herz und Verstand, allerdings noch ungezähmt und ohne jegliche Moral. Er benutzt Jonathan als Freund und Liebhaber, und dieser lässt sich rückhaltlos darauf ein. Dabei übergibt er dem Kind die Führung, stellt seine eigenen Wünsche niemals in den Vordergrund. Wie verwerflich und skandalös man dieses Verhältnis findet, bleibt jedem selbst überlassen. Ich bin gespannt, wie die anderen Kritiken hier ausfallen werden...
Beim ersten Lesen erschien mir der Text etwas holprig und gewöhnungsbedürftig, beim zweiten Mal entdeckte ich erst die Schönheit der knappen, präzisen, manchmal auch derben Sprache des Autors. Einzig und allein der Schluß will mir so gar nicht gefallen und in die Geschichte passen, aber ich möchte nicht zu viel vorwegnehmen.
Fazit: Wieder einmal ein Buch, das für mich noch lange nachwirkt!
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7 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Eindringlich und feinfühlig geht Tony Duvert, der 2008 verstarb, in seinem Roman aus den späten Siebzigern auf die Facetten von pädophiler Liebe ein. Seine stärkste Figur ist dabei nicht etwa Jonathan, sondern vielmehr der junge Serge. An seinem Beispiel entwickelt der französische Autor ein völlig neues Bild von Kindheit und löst den Glauben an kindliche Unschuld ab. Jonathan selbst ist um die 25 Jahre alt, hat der Welt den Rücken zugekehrt und Serges Mutter Barbara ist eine seiner wenigen Kontakte zur Außenwelt. Die Frau hat durchaus gemerkt, dass zwischen ihrem kleinen Sohn und dem Maler etwas vorgeht, das sie nicht zu verstehen vermag. Aus diesem Grund entschied sie sich damals dafür, ihren Sohn nicht mehr bei Jonathan übernachten zu lassen und die beiden räumlich zu trennen. Die verschiedenen Trennungen zwischen Jonathan und Serge lassen sich im Roman lebhaft spüren. Drei Etappen der Beziehung zwischen dem erwachsenen Mann und dem sechsjährigen Jungen können die Leser und Leserinnen im Verlauf des Romans erleben und die eindrücklichsten sind die Passagen, in denen die beiden nicht zusammen sind. Jonathan verliert seinen Lebensmut in dieser Zeit, gibt sich fast vollständig auf, als ihm bewusst wird, dass er Serge vermutlich nie wiedersehen wird.

»Als Jonathan starb« ist ein kontroverses, aber selbst nach mehr als dreißig Jahren immer noch brisantes Buch. Es lebt vor allem von den starken Figuren und dem Schreibstil des Autors. Ihm gelingt es, mit spartanisch wenigen Worten, einen Sachverhalt auf den Punkt zu bringen und in einer Geschichte, deren Mittelpunkt auch kindliche Sexualität ist, Diskretion zu wahren und doch mit wenigen Andeutungen alles zu sagen. Besonders komplex stellt Duvert die Beziehung zwischen Jonathan und Serge dar - er reflektiert aber auch den Standpunkt der damaligen - und heutigen! - Gesellschaft.

Jonathan erlebt in den beschriebenen Wochen und Monaten ein Auf und Ab seiner Gefühle, wird zum Spielball eines kleinen Jungen und zieht sich - mit Serges Abreise am Ende des Sommers - wieder ganz in sich zurück. Die Stadien dieser Beziehung spiegeln sich einerseits im Interesse der Gesellschaft an Jonathans Malereien, andererseits im inneren Dialog des Mannes. Tony Duvert bringt Jonathans Wesen problemlos auf den Punkt und schafft es so, den Mann, dessen Absichten ihn vermutlich nicht stärker von den Lesern und Leserinnen trennen könnten, ebendiesen Menschen ganz nahe zu bringen. Sein Schicksal berührt und man möchte sich gegen die gesellschaftlichen Konventionen auflehnen, ja, das geht sogar so weit, dass man in die Lage versetzt wird, Jonathan zu verstehen.
In Zusammenhang mit einem Luftgewehr, welches für den Jungen von besonderem Interesse ist, kommt es sogar zur folgenden Aussage: "'Dann bringe ich dich jetzt um', schloss Serge und lachte. Jonathan gab ihm einen Kuss: Noch niemand hatte ihn so sehr geliebt, um ihm ein solches Angebot zu machen." Serge steht für Unberechenbarkeit und so ist das Ende des Romans trotz dem eindeutigen Titelverweis offen gehalten: Welchen Tod wird Jonathan schließlich finden?

Ein eindrücklicher, brisanter Roman, dessen Figuren nicht stärker sein könnten! Die Lektüre berührt, rüttelt an vorgefertigten Meinungen und ruft zum Verständnis für den erwachsenen Maler auf. Insgesamt ein überaus lesenswertes Buch, angefüllt mit vielen starken Szenen.
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3 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
lesenswert 18. Mai 2011
Format:Gebundene Ausgabe
Man muss den Ansichten des Autors nicht zustimmen oder sie gutheissen, um das Buch lesenswert zu finden. Es geht natürlich um Pädophilie, das skandalträchtigste Thema der Gegenwart, darüber hinaus aber um viel mehr: Kindheit, Schuld, Opfer und Täter, die Menschen hinter den Skandalen, den (größtenteils verlogenen) Zeitgeist der 70er. Kurzer Ausschnitt aus dem Roman:

"... Jonathan rief sich die Ereignisse des Sommers wieder ins Gedächtnis. Er sah ein, dass sein Eindruck von Glück und vollkommenem Einverständnis auf nichts Handfestem beruhte. Unbedeutende Gesten, Gesprächsfetzen, lächerliche Vergnügen. Er wusste nichts von Serge. Er hatte dem Kind nicht auf die gewöhnliche Art zugehört und es beurteilt, es ebenso wenig auf die gewöhnliche Art geliebt und begleitet. Sein Eindruck stützte sich stattdessen auf tausend ungenannte Dinge, die Erwachsene bestreiten und Kinder vergessen. Vielleicht war alles nur Einbildung: Hätte ein anderer gesehen und verstanden, was er zu sehen und zu verstehen glaubte? Es war nichts zwischen ihnen gewesen, nichts. Einige verschwommene Bilder im Kopf eines Halbirren.

Serge hatte glücklich ausgesehen, aber Kinder sehen überall glücklich aus, sogar unter Tyrannen und zwischen zwei Ohrfeigen. Alles gefiel ihm, aber Kinder gewöhnen sich an alles. Er mochte es, mit Jonathan zu schlafen, aber er hatte kein Recht darauf, es war nur die falsche Lust eines kleinen, schlecht erzogenen Tieres, eine Lust, die es zu beschneiden und zu richten galt: nicht zu empfangen und zu teilen. Übrigens haben Kinder nachts lieber ihre Ruhe.
So hätte ihre Freundschaft in den Augen jedes anderen ausgesehen: Es stimmte also.

Um sich weiter zu quälen, fielen Jonathan weitere, noch dunklere Gründe ein, weshalb das Kind ihn nach seiner Heimkehr nach Paris verleugnete. Durch sein Leben bei Jonathan hatte es sich verändert, war nicht mehr so, wie die normalen Leute sich ein Kind vorstellen. Schließlich hält kein Kind es aus, sich zu sehr von denjenigen zu unterscheiden, mit denen es zusammenleben muss. Es fühlt sich dann unterlegen und unglücklich. Wer in einer Hundewelt ein Kind respektiert, der pervertiert es; wer seine flüchtige Menschlichkeit ermutigt, der verwandelt es in ein Ungeheuer, das die Eltern, die Schule, die Kameraden zurückweisen werden.
Serge hatte bestimmt die ersten schmerzlichen Wirkungen seiner Veränderung gespürt: Man hatte ihn schlecht aufgenommen, er hatte die anderen schlecht aufgenommen. Er gehörte nicht mehr zu ihrer Rasse. Er litt darunter, und Jonathan war daran schuld. Wenn er seine Haut jetzt noch retten wollte, musste er den ganzen Weg zurückgehen, seinen Platz unter den Hunden wieder einnehmen und mit ihnen bellen. Sonst ist man zu schwach und zu einsam.
Eine Kapitulation, ein Rückzug? Gewiss nicht. In Wirklichkeit hatte Serge drei oder vier Monate lang die gefährliche Nähe eines Neurotikers ertragen: Er hatte dann, unter dem wohltuenden Einfluss seiner Mutter, die Gesundheit wiedererlangt, das Kind war jetzt ausgeglichen und den Normen angepasst. Das war nicht Jonathans Sprache? Genauso lagen die Dinge. ..."
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