Kurzbeschreibung
Die Familie Lamar kann sich glücklich schätzen: Der Vater bekommt eine Dozentenstelle an einer kleinen amerikanischen Universität, die Mutter genießt das Haus mit Garten, auch die drei Kinder fühlen sich in der neuen Umgebung wohl. Aber die Vergangenheit wirft dunkle Schatten auf die Idylle; sie wird gegenwärtig in alten zufällig entdeckten Tagebuchaufzeichnungen der Mutter. Diese führen ins New York der fünfziger Jahre, ins Harlem der Schwarzen mit Cool-Jazz und Blues, gefährlichem Nachtleben, düsteren Clubs, Drogen und Prostitution und sie enthüllen das Geheimnis einer einzigen "schrecklichen Nacht".
Über den Autor
Janice Deaner, geb. 1966 in Port Huron/Michigan, studierte Film in Buffalo, Washington D.C. und New York und wurde als Filmemacherin ausgezeichnet.
Auszug
Die Schwierigkeiten fingen an, als ich zehn Jahre alt war. Das heißt, eigentlich ging alles schon vorher los, aber richtig gemerkt habe ich es erst mit zehn. In dem Jahr, 1967, zog meine Familie von Detroit in eine Kleinstadt im Staat New York, und da kam dann alles raus. Es war, als hätte es sich im Lauf der Jahre immer mehr aufgestaut, um dann in diesen saftigen grünen Hügeln auszubrechen, weit weg von allem, was wirklich zählte.
Da war mein Vater, den wir alle Leo nannten. Und meine Mutter, die wollte, daß wir sie Mama nennen, was wir aber nie taten. Wir riefen sie lieber bei ihrem Vornamen - Lana, oder, wie Leo sie nannte, La. Da waren meine ältere Schwester Elena und mein jüngerer Bruder Harry und ich, Maddie.
Leo war über einsachtzig, und seine Arme schienen im Vergleich zum Rest seines Körpers zu dick und zu lang. Sein Gesicht hatte etwas Wildes, als wäre er sein Leben lang auf Wikingerschiffen gefahren. Sein ganzer Körper war mit weichen braunen Haaren bedeckt, mal mehr, mal weniger dicht. Dadurch sah er oft aus wie ein gelehriger Affe. Ich sehe ein Bild vor mir - Leo am Long Island Sound, wie er sich gegen ein Segelboot stemmt - ein unkoordinierter Adonis. Er beugte sich vor, den Rücken zu einem Muskelbuckel gekrümmt, während seine massigen Arme mühsam das Ding aufzurichten versuchten.