Wow! Der Mann hat was durchgemacht...
Zum Thema Polygamie z.B. hatte ich persönlich bisher nicht viele Gedanken verloren. Macht und Spaß für den Mann eben - und eine Herabwürdigung der Frauen. Was es aber für ein Kind bedeuten kann, in einer polygamen Familie aufzuwachsen, welche starke Rolle die Polygamie für Mensch und Gesellschaft spielt, das erfährt man hier aus erster Hand. Und was es bedeutet, in der togoischen Armee zu dienen, als Oppositioneller verdächtigt, eingesperrt und gefoltert zu werden und schließlich flüchten zu können - das ist ein noch härteres Kapitel.
Im ersten Teil des Buches schildert Quilombo Hoknay seine Kindheit und Jugend in Afrika und die spektakuläre Überfahrt nach Deutschland als Blinder Schiffspassagier. Im zweiten Teil erfährt man, wie er sich als Asylbewerber durchschlägt und auf "Frauenjagd" geht, um durch die Heirat einer Deutschen ein Bleiberecht zu erwirken. In beiden Teilen gibt es manch haarsträubende Episode, die einen kräftig schlucken lässt. Mal möchte man heulen für den Protagonisten, mal möchte man ihm links und rechts eins um die Ohren geben, aber nicht zu sachte.
Und das ist - neben authentischen Einblicken in die Lebensverhältnisse Westafrikas einerseits und den Existenzkampf eines (zumal schwarzen!) Asylanten in Deutschland andererseits - für mich die besondere Stärke dieses spannenden Buches: die seltene Offenherzigkeit, mit der der Autor all das erzählt. Geradeaus und ehrlich, schonungslos auch sich selbst gegenüber.
Dynamisch und dicht geschrieben in meist einfachen, knappen Sätzen ohne Blabla, ist dieser ungewöhnliche Schicksalsbericht zudem packend zu lesen - ein Literaturerlebnis, das nachwirkt.