Dem neuen Album der Derek Trucks Band kann ich nur das größte Lob aussprechen, was mir für ein Album, für eine Performance einfällt: Es ist Musik. Das heißt, die Band hat jegliche stilistische Bindung bzw. Festlegung hinter sich gelassen, spielt einfach nur in der sensationell harmonischen Weise, mit dem blinden Verständnis einer Musikfamilie, die seit Jahren in der gleichen Besetzung zusammenspielt. Bei frühren Alben hätte ich mir noch als Stilbeschreibung "Blues mit ethnologischen Einflüssen und einzelnen Jazzeinsprengseln" zurechtgeschustert... bei diesem Album lässt sich keine Kategorie mehr finden, außer dass die Songs (der eine mehr, der andere weniger, aber ganz ohne Ausreißeer nach unten... was wahnsinnig selten ist) ausnahmslos, durch die Bank wunderbar funktionieren. Manchmal sind sie schneller und fast rockig, manchmal gibt's Anleihen beim Gopsel (Sweet Inspiration), vor allem aber sind sie von einer sprühenden Lebensfreude... und damit doch arg abweichend vom Stereotyp (das ja nicht immer stimmen muss) des Blues - als klagende Musik. Musterbeispiel hierfür ist das lebensbejahende "I Know", in dem es heißt "I know how it feels to be mistreated, I know how it feels to be blue", aber das nicht in einem trauernden-depressiven Ton, sondern in einem absoluten Optimismus, einer Vorfreude auf zwar noch nicht eingetretenes, aber mit Inbrunst erwartetes Glück. Dieser Song ist wie das ganze Album ein einziges Feuerwerk der Lebensfreude. Und das beileibe nicht nur auf textlicher Ebene, sondern auch und vor allem mit der mitreißenden Musik. Allen voran natürlich dank Derek Trucks magischen Fingern an der Gitarre. Von allen Musikern, die ich bislang kennen lernen durfte, halte ich ihn für den größten, mir bislang bekannten Stilisten, den einzigen, dessen unverkennbares, entrücktes, verzauberndes Spiel man am singenden Ton seiner Gitarre nach Bruchteilen von Sekunden überall raushört. Egal ob es bei Buddy Guy oder Eric Clapton ist... und mittlerweile sind es eben nicht mehr nur die Bluesmen, denen die Qualitäten dieses jüngsten der (lt. NY Times) 100 begnadetsten Gitarristen aller Zeiten aufgefallen sind, sondern es hat sich in der Musikszene auch bis in den Jazz hinein rumgesprochen... und so kam Derek kürzlich die Ehre zuteil, auf einem Album des Pianisten Tyner McCoy mitzuwirken (mit Jazz-Veteranen des Formats eines Ron Carter und Jack DeJohnette), für das er eine Reihe von Gitarristen eingeladen hatte, mit denen er dann jeweils einige Stücke Trio+Gitarre einspielte. Neben diesen absoluten Jazzgrößen (zwischen 67 und 72 Jahre alt) wurden Jazzgitarristen der alleresten Kategorie eingeladen, wie Bill Frisell und Marc Ribot (auch schon zwischen 55 und 58 Lenze alt).. und eben der noch nicht einmal 30-jährige Derek Trucks. Ein Ritterschlag sondergleichen, wenn einem eigentlich auch auch noch aus einem anderen Genre stammenden Künstler die Ehre zuteil wird, mit diesen Jazzgrößen zusammen (oder an ihrer Seite) arbeiten zu dürfen... Das sagt m.E. schon sehr viel über das außergewöhnliche, einzigartige Talent dieses wunderbaren Musikers.