Das Buch ist der 2. Band der 21 Bände umfassenden Travis McGee-Reihe. McGee verlässt seine Hausboot Busted Flush in Florida, um die mysteriösen Umstände beim Tod eines Mannes in New York zu erkunden. Mehr wird nicht verraten. Im Gegensatz zu den meisten anderen McGee-Romanen lässt sich die Story recht langsam an, dafür gibt es dann später Spannung satt. Und wieder ist das Buch eine Reise in das Böse hinein, und die Ruhe am Anfang ist nicht mehr als die Ruhe vor dem Sturm, die Stille im Auge des Tornados.
Das faszinierende an den McGee-Romanen ist, dass MacDonald einen nachdenklichen und tatkräftigen Helden geschaffen hat (McGee bezeichnet sich selbst als Romantiker), der die Stories nicht einfach durchlebt, sondern dabei Hintergründe und Abgründe des Lebens aufzeigt, insbesondere das Leben in den USA in der 2. Jahrhunderthälfte. Bewundernswert sind dabei die immer wieder eingestreuten kurzen Reflektionen, die das allgemeingültige an den jeweiligen Situationen erhellen. Durchaus vergleichbar mit Michel Houllebecq (v.a. Kampfzone) wird damit eine Tiefe geschaffen, die mir bei Krimis nur noch von Simenon bekannt ist. Toll ist, wie diese Betrachtungen in die Stories eingewoben sind, sie stören nicht, sind nicht aufgesetzt, sondern treiben die Handlung geradezu voran. Besonders gelungen ist das bei Trav's Reflektionen bei Dialogen. Das ist meisterhaft im Vergleich zu dem oft bemüht und aufgesetzt wirkenden "Tiefgang" vieler anderer Krimis, z.B. bei Mankell. MacDonald skizziert das moderne Leben fast nebenbei. Denn die Stories sind zudem einfach klasse, mit Liebesgeschichten, Ludern, richtig bösen Bösewichten und noch böseren Oberbösewichten und einem Helden, der es nicht ohne Blessuren schafft zu überleben.
Pink werte ich mit 4 Sternen, weil es 4,5 nicht gibt und 5 Sterne für die noch besseren Bände der Reihe reserviert sind. Im Vergleich zur McGee-Reihe sind der langsame Beginn sowie die etwas übertriebene Falle, in die McGee gerät, leicht schwächer als der Durchschnitt, im Vergleich zu fast allen anderen Krimis ist das aber immer noch herausragend. Mankell wäre überglücklich, wenn ihm einmal so eine Story einfallen würde, ganz abgesehen von dem mühelosen Tiefgang, den MacDonald hat.
Die Übersetzungen der Neuauflage bei Rotbuch-Krimi ist sehr gut, zudem sind die Bücher ungekürzt. Leider sind erst 3 Bände erschienen (die Teile 1, 2 und 4 der Reihe, wo bleibt Teil 3?). Wer ungeduldig ist, der kann (wieder bis auf Teil 3, was ist da los?) die Bücher auch auf Englisch lesen. Das Englisch ist aber weit fortgeschrittenes Niveau. Also erst mal einen Band testen, bevor man sie alle bestellt. Von den bisher 7 Büchern aus der Reihe, die ich gelesen habe, fand ich The Long Lavender Look am besten (Teil 12), ein echter 6-Sterne-Krimi.
Da die Reihenfolge der Bände nirgends veröffentlicht ist, die Bände sich aber locker chronologisch aufeinander beziehen, hier die Abfolge der englischen Titel:
1: The Deep Blue Good-By
2: Nightmare in Pink
3: A Purple Place for Dying
4: The Quick Red Fox
5: A Deadly Shade Of Gold
6: Bright Orange For The Shroud
7: Darker Than Amber
8: One Fearful Yellow Eye
9: Pale Gray For Guilt
10: The Girl In The Plain Brown Paper
11: Dress Her In Indigo
12: The Long Lavender Look
13: A Tan And Sandy Silence
14: The Scarlet Ruse
15: The Turquoise Lament
16: The Dreadful Lemon Sky
17: The Empty Copper Sea
18: The Green Ripper
19: Free Fall in Crimson
20: Cinamon Skin
21: The Lonely Silver Rain
Update:
Nachdem ich alle Bände gelesen habe, einige zusätzliche Empfehlungen:
1. Alle Bände sind sehr lesenswert, gute 4 Sterne ist das mindeste, meist sind sie glatte 5 Sterne wert. Einsame Höhepunkte werden z.B. in den letzten beiden Bänden erreicht. Eine der besten Krimireihen auf einem durchgehend und glaublich hohem Niveau angesiedelt.
2. Unbedingt in der Reihenfolge lesen, manchmal gibt es wichtige direkte Bezüge, die einem die Auflösung vorheriger Bände verraten könnten.