Potentiell muss die Lagerung von Atommüll so beschaffen sein, dass die Sicherheit für mindestens 200000-300000 Jahre gewährleistet wird, da die atomaren Stoffe, welche wir verwenden um Energie zu gewinnen, mindestens für diese Zeiträume hoch gefährlich sind. Im Film wird die Zahl von 6000 Menschengenerationen genannt für die wir Verantwortung zu übernehmen haben (von Flora und Fauna mal abgesehen!).
Der Ursprung der westlichen Kultur wird mit der griechischen Kultur vor 2500 Jahren grob angegeben. Dieser Zeitraum entspricht als gerade mal einem Bruchteil der Zeitspanne für den unsere Vorsorge gelten müsste. Betrachtet man also die 2500 Jahre als den Zeitraum in dem wir unsere wesentlichen kulturellen Erfahrungen generiert haben, dann ist unser Vorhaben den Atommüll zu kontrollieren ein Witz. In dem vergangenen Zeitraum sind Reiche, Kulturen, Gesellschaften untergegangen und aufgestiegen. Politische Modelle wurden erprobt und für schlecht oder gut befunden. Kurz: Die Menschheit entwickelte sich technisch, kulturell, politisch.
Die zeitlichen Größenordnungen machen überaus deutlich mit welcher Hybris der moderne Mensch die Natur zum Untertan gemacht hat und sich nun einbildet, er hätte die Atomenergie unter Kontrolle. Man kann erahnen, wie unschlüssig unsere Logik ist, denn dermaßen große Zeiträume sicherheitstechnisch zu erschließen, scheint nahezu unwahrscheinlich. Noch geht aber alles irgendwie gut, was nun aber nichts beweist.
Normalerweise ist die mediale Aufmerksamkeit bezüglich der Problematik von atomaren Gefahren auf Katastrophen gerichtet. Man nennt Tschernobyl/Hiroshima/Nagasaki und wähnt sich im hoffenden Glück, dass so etwas nicht wieder geschehe, um im gleichen Atemzug die kontaminierten Gebiete als tot zu erklären, als auch die betroffenen Menschen zu bedauern. Es ist scheinbar okay ein bisschen Erde zu opfern, um einseitigen Fortschritt zu realisieren. Dass sich die Krise aber lautlos und unsichtbar normalisiert hat und dabei in eine Art Dauerzustand übergangen ist, werden wir wohl kaum wahrhaben wollen. Die Tragik zeigt sich schon durch den Umgang mit den atomaren Abfällen am Beginn des atomindustriellen Zeitalters, da unser Selbstverständnis, die Meere einfach als unendlich große Mülleimer zu begreifen viel über unseren Wahrnehmungshorizont aussagt. Man schüttete die Nordsee, den Atlantik usw. einfach mit 100000 Tonnen in Fässern verpackten Atommüll zu, die überall verteilt auf dem Meeresgrund lagern und nun munter das Material diffundieren lassen und mit aller Wahrscheinlichkeit in die Nahrungskette gelangen. Als man diese Entsorgungspraxis verbot, wurde radioaktiver Flüssigabfall einfach in die Flüsse und Meere eingeleitet, ganz legal (so zeigt der Film dies zumindest in Frankreich, aber ich denke in der BRD wird das nicht anders sein?).
Meines Erachtens gibt es nicht einmal ein Bewusstsein in der Bevölkerung über diese lebensgefährlichen Alltagspraxen in der Atomindustrie. Die italienische Mafia lasse ich mal unerwähnt, denn so viel ich weiß, entsorgt diese auch für wenig Geld bestimmtes fragwürdiges Material irgendwo im Mittelmeer, darunter sicherlich auch Atommüll (siehe das sehr empfehlenswerte Buch von Roberto Saviano).
Die Franzosen haben Wiederaufbereitungsanlagen z.B. in Le Hague. Diese Anlagen suggerieren, dass sich der Atomenergiekreislauf sinnvoll schließen lässt. Abgesehen davon, dass durch die Belastung mit gasförmigen Atommaterial, welches durch die Schornsteine solcher Anlagen entweicht, eine permanente europaweite Kontamination verursacht wird, landet das in diesen Anlagen wiederaufbereitete materielle Plutonium zu ca.80% in Sibirien, wo es einfach in Fässern gelagert wird, die unter freiem Himmel stehen und ungeschützt sind. Eine praktische aber nicht ungefährliche Entsorgungstechnik. In Deutschland kennen wir ja die Debatten über Gorleben und Asse II, jedoch ohne die Aussicht, dass sich hier eine vernünftige Lösung der Endlagerung durchgesetzt hätte. Man scheint auf Glück und Zufall zu vertrauen. Letztendlich überall.
Fassungslos machen einen die Bilder aus Russland, Sibirien, die im Film gezeigt werden. Riesige Gebiete werden für Ewigkeiten verseucht. Hochradioaktiver, flüssiger Müll wird zum Teil einfach in riesige Seen verfrachtet, die zugeschüttet werden müssen, damit der Kontakt mit der Umwelt verhindert wird. Die Radioaktivität entspricht der von Tschernobyl. Die Bevölkerung wird trotzdem dort wohnen gelassen und fungiert als eine Art unfreiwillige Versuchstruppe mit hoher Krebsrate und aussichtsloser Zukunft. Hinterfragt wird das einfach nicht. So lebt man halt.
Weitermachen ?!