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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Genau!, 14. April 2009
Also, das war so:
Ich ging wie immer gelangweilt die CD- Regale eines viel zu großen Elektronikladens in ihrer näheren Umgebung durch, da sah ich ein Album dass mich erstmal visuell ziemlich anmachte, Berge, collagierte Berge, Regenbogenstreifen, blauer Himmel alles irgendwie genau richtig für das was ich grad suchte. Aber oft sind Alben mit guten Covern gar nicht so gut wie sie aussehen. Tja, also bin ich mit dem Teil zum Schalter ums mir anzuhören und dann kam das!
Gott wie irre is das denn, dieser Beat, so neuartig und diese ethno-Stimmen, euphorisch, entrückte multiple Verwirrung machte sich in mir breit, Volltreffer. Als ich dann innen las, das Benjamin Curtis, ehemals Secret Machines-Fronthead und Gitarrist, für die Musik zeichnete, war ich ziemlich verwundert. Weder wusste ich warum er die Secret Machines verließ, noch hatte ich gehört dass er ein neues Projekt hatte. Die Secret Machines mochte ich gerne und hörte sie auch schon seit dem ersten Album.
Zur Musik nur soviel: Nach all dem 80s-Wahn der letzten 8 Jahre mit all seinen Elektroclash, The-Bands, Edel-Garagensound, Emoschleimerei und Stylergepose, ist dass meiner Meinung nach ein eingelöstes Versprechen.
Ich meine damit das Versprechen dass uns Radiohead 2000 mit Kid A gaben (oder Björk, My Bloody Valentine, und und und), ein Versprechen der 90er, ein Versprechen der Zukunft, dass Musik keine Grenzen hat, dass hohe Experimentalität popig sein darf, dass Psychedelic immer noch Inspiration bietet, dass die End 60er und früh 70er immer noch Existenzrecht haben, dass Krautrock hören legitim und wichtig ist, dass Wahre Musik keiner Konvention folgen muss und dass dieser Avantgardismus immer der Generator neuer Bewegungen in der Popkultur war.
Ich glaube an einen Wechsel, Bands wie Animal Collective (die unlängst zum extrem wichtigen Act in der Musikindustrie mutierten und ihren angepeilten Thron indiviualistischer experimental Pops kürzlich mit Merriweather Post Pavillion erreichten und zudem meine Lieblings Atraktion sind) zeigen, dass die Experimentierbereitschaft der 90er Jahre- Phänomene wie Lush, Lamb, Uncle, Dj Shadow, Bark Psychosis, Mercury Rev, Stereolab, Beck, Flaming Lips, Portishead, Aphex Twin, der ganzen frühen Postrockbewegung um Godspeed you Balck Emperor! und Mogwai und Shoegaze ala My Bloody Valentine letztlich doch zu etwas geführt haben, langsam bewegen sich Bands wie MGMT, Espers, Priestbird, Mars Volta, Sigur Ros (vieleicht eher am Anfang ihrer Kariere), Mum, Caribou, Anthony and the Johnsons, Animal Collective oder eben School of Seven Bells auf den Gipfel dessen zu, was ungefähr 2001 stagnierte und unter seiner eigenen Last zerbrach. Es brauchte erst eine neue Generation von Bands die zugleich popig als auch experimentell sind, die die Vergangenheit verinnerlicht hatten, die mit hoher Reflexion aber auch absoluter Authentizität dorthin stürmten wo Radiohead das geheiligte Land 2000 markierten, der Ort wo Musik von allein zu Schwingen beginnt.
Eigentlich klingen School of Seven Bells viel zu ambivalent; Fernöstliche Choräle, Krautrock-Gitarren, Kraftwerkbeats, 90s Shoegaze, Triphop, Ethno-Psychedelia und Noise, alles verschmolzen zu einem Werk, zu dem man nur kommt, wenn man all das was ich hier berschrieben habe kennt und verinnerlicht hat, das klingt irgendwie nach 90s und 60s 70s- Zeug (Harmonia, die frühren Kraftwerk, Neu!), jedoch anders, frisch, organisch, losgelöst von Zeiterscheinung und Konventionen ohne sich dabei Gedanken zu machen dass eine aufgedröselte Fantasy-Story oder EthnoKitsch alles kaputt machen könnte. Hört euch diese Scheibe an, sie ist was Besonderes und lebt von vielerlei Zugängen zu Musik.
Ach ja, Radiohead haben deswegen nicht den Gipfel erreicht, weil sie sich mit Kid A verirrt haben, es dauerte Jahre bis die Band wieder Boden unter den Füßen hatte, jedoch führte die hohe Experimentalität auf Kid A und Amnesiac dazu, dass man in der Zukunft weniger wagte, also eine Phase einer Band, eine Art Selbstfindungsirrgarten, für mich jedoch und für viele Andere eben ein Versprechen an den Glauben in die Musik und deren ungeahnte Möglichkeiten.
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