Und wieder haben wir ein Beispiel, wie hoch doch ein Debut-Album eine Latte legen kann. "United" war frisch, frech, grandios, kurzweilig, hip, und auch hop. Kurzum, es war geil! Zeitlos könnte man auch sagen, oder besser: die Halbwertzeit ist größer als bei anderen Produktionen. Leider auch größer, als beim Nachfolger "Alphabetical". Was war ich gespannt! Ich bin keiner, der eine Kopie eines Debut-Albums erwartet hätte. Dafür weiss ich einfach Querschüsse wie Air's zweiten Streich "10000Hz Legend" zu sehr zu schätzen. Aber dennoch überzeugt mich "Alphabetical" auch nach mehrmaligem Hören noch nicht wirklich. Und ich bin am rätseln, was es denn sei?
Punkt 1: Weniger Abwechslung, mehr Details. Es scheint fast so, als hätten Phoenix in den letzten Jahren einen "musikalischen" Zoom in ein paar Stücke ihres Erstlings vorgenommen. Das ganze Album wirkt nun homogener. Aber leider auch eine Spur langweiliger. Midtempo-Stücker überwiegen. ("Anybody", "Alphabetical", die zugegebener Maßen schöne Ballade "Love For Granted", "Congratulations", "If Its Not With You"). Die Songs dümpeln teilweise (nicht alle) einfach nur vor sich hin und man hofft (beim ersten Hören): "mit dem nächsten Stück wird alles besser". Pustekuchen! Ein bisschen mehr Pepp hätte dem Album sicher nicht geschadet.
Punkt 2: sind es die Melodien? Ich habe das Gefühl, dass sämtliche Stücke auf "United" einen einfacheren Zugang hatten und leichter einem Ohrwurm gleich, sich im Inneren des Kopfes platzierten. Aber ganz ohne ist "Alphabetical" dann doch nicht. (Höre "Everything is Everything", "Run, Run, Run", "Holding on Together", "Anybody"). Und ja, die anderen Stücke sich tapfer den Weg frei. Sie haben es aber noch nicht geschafft.
Punkt 3: resultierend aus Punkt 1 erwartet uns nun weniger Stilmix. Das kann erfreulich sein, für mich aber nicht. Denn wer kann schon für gut heißen, dass Experimente, wie "Summer Days" und "Funky Squaredance" keine Fortsetzung gefunden haben (wohl gemerkt, nicht die Stücke sollten fortgesetzt werden, sondern die Experimente).
"Alphabetical" klingt nun viel ruhiger, betagter, teilweise auch schläfriger. Irgendwie hat der Soul die Oberhand gewonnen und macht dieses Album gewöhnlich. Da helfen auch die etwas peppigeren Stücke nicht, die diesmal in der absoluten Minderheit sind. Schade, Phoenix, der große Wurf ist das nicht. Eben ein echtes zweites Album oder: "Kunst muss nicht jeden überzeugen". Ich leg jetzt wieder "United" ein.