Die ersten beiden (hauptsächlich) animierten Filmchen (Six Men Getting Sick, The Alphabet) sind gute Einsteiger in das später komplexer werdende Lynch-Universum, wobei Letzterer mehr Struktur hat (SMGS ist ein sich wiederholender, wenn auch phantasievoll-abstrakter Loop).
Erster echter Höhepunkt ist "The Grandmother" (1970, 34 Minuten) über einen Jungen, der von seinen Eltern psychisch wie physisch mißhandelt wird und sich eine eigene Bezugsperson in Form einer Großmutter "züchtet", die am Ende jedoch stirbt. Sehr interessant ausgeleuchtet, gestaltet und vertont. "Eraserhead" war hier schon zu erahnen.
Danach folgt "Amputee", ein Kurzfilm über eine beinamputierte Frau (gespielt von der späteren Log-Lady in Twin Peaks, Catherine Coulson), die einen Brief schreibt (dessen Inhalt aus dem Off erzählt wird), während eine Krankenschwester (von Lynch selbst gespielt; sieht man aber nur von hinten) sich an einem ihrer verbundenen Stümpfe eher unappetitlich zu schaffen macht, was Catherine Coulson aber völlig ungerührt läßt (4-5 Minuten; zwei Versionen).
Höhepunkt für mich ist der nach "Blue Velvet" entstandene "The Cowboy And The Frenchman" (1987, 27 Minuten), ein fast schon slapstickartiges Porträt voller Klischees über Amerikaner und Franzosen. Sehr witzig. Zudem der erste Film mit Dialogen. Mit dabei sind spätere Twin Peaks-Darsteller (Jack Nance, Michael Horse [spielt sinnigerweise einen Indianer] plus Harry Dean Stanton als schwerhöriger Vormann. Köstlich.). Set Decorator ist übrigens hier schon Frank Silva, der später (eher zufällig) "Bob" aus Twin Peaks spielen sollte.
"Lumiere" schließlich ist ein Mini-Mini-Filmchen, mit der legendären Kamera von annodazumal gedreht. Nun ja.
Leider keinerlei Booklet. Dafür gibt es bedächtige, schnörkellose Einleitungen zu den Werken von David Lynch hochselbst. Alles in englisch ohne Untertitel.
Und jetzt würde ich mir noch eine weitere DVD mit den darauf folgenden Kurzfilmen und vor allem endlich die Veröffentlichung der bizarren, völlig durchgeknallten siebenteiligen Mediensatire "On The Air"(1992) wünschen.