Sechs Länder und zwei Fürstentümer haben die Autoren bereist und mit den Errungenschaften damit ein lesens-, sehens- und nachkochenswertes Kochbuch auf den Markt gebracht. Die Rezepte und Reportagen stammen aus dem Alpenraum: Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich, Schweiz, Slowenien, Fürstentum Liechtenstein und FL Monaco.
Ich war sehr gespannt, was mich mit diesem hochwertigen Kochbuch erwartet - und wurde nicht ein bisschen enttäuscht!
Dass in den Alpen viel Käse und Speck verzehrt wird, weiß man ja nicht erst seit Johanna Spyris Bestseller "Heidi". Als Grundzutaten kann man diese Lebensmittel durchaus bezeichnen; viele Gerichte sind aus dem bäuerlichen Umfeld entnommen. Manche Kalorienbombe, die zur Stärkung bei der Feldarbeit diente, doch auch Klassiker der gewöhnlichen Bauernküche und regionalen Küche - wie Polenta ( Maisgrieß) , Saubohnen, Graupen, Buchweizen - kommen in den Rezepten reichlich vor; wobei es nicht um Bauernküche geht.
Wie der Untertitel dieser kulinarischen Reise in die Alben bereits sagt, geht es den Autoren um "Genuss und Kultur". Nicht ganz nebenbei ist die Reise anhand lesenswerter und ausgezeichnet bebilderter Reportagen untergliedert. Almen, Gärten, Felder und Weiden schaffen die Grundlage für die Grundzutaten, derer sich diese Küche bedient. Doch auch die Kultur kommt nicht zu knapp. Fastnacht in Tirol, Osterschinkenweihe in Kärnten, die Maibaum-Tradition aus Bayern, eine Südtiroler Bauernhochzeit, Almabtrieb im Allgäu - oder die Imker-Tradition Sloweniens.
Wer nun denkt, dass die Rezepte in den Hintergrund geraten, der irrt. Zwar ist das Kochbuch zeitgemäß aufgemacht bezieht sich schon gar nicht einzig und allein auf Geheim- oder Lieblings-Rezepte eines einzigen (Hauben-) Koches (es kommen allerdings solche zu Wort!); es wird ganz locker und leicht, unterhaltsam und informativ "getragen" von der erwähnten kulinarischen Reise und driftet keineswegs in das Genre der zurzeit modernen oberflächlich- bunten Magazine ab.
"Alpenküche" lässt sich also nicht nur prima als Inspiration verwenden! Am Ende des Buches gibt es einerseits Menüvorschläge und auch ein Rezeptverzeichnis - nach Ländern. Damit nicht genug - und das hat mir am meisten i m p o n i e r t - es findet sich auch ein Register, in welchem die Rezepte nach Zutaten sortiert sind. Gerade wenn man nach Rezepten mit bestimmten Zutaten sucht, wird man seine Freude an dieser Auflistung haben. Was koche ich mit Esskastanien, Käse, Graupen, Bärlauch, Marillen, Ricotta, Speck, Ziegenkäse, Spinat, Lamm, Pilzen, etc.? - Alles kein Problem. Das finde ich richtig gelungen. Gerade wenn man versucht saisonbedingt zu kochen kommt man sonst oft ins Schleudern oder blättert und sucht bis zum Umfallen.
Um Missverständnissen vorzubeugen gibt es außerdem noch ein "Küchendolmetscher für die Alpenländer". Hier erfährt der Deutsche, dass der Feldsalat in Österreich besser als Vogerlsalat und in der Schweiz als Nüsslisalat bekannt ist; der Schweizer, dass seine Trübeli bei den Deutschen Johannisbeeren heißen und der Österreicher gar Ribisel dazu sagt. - Sehr aufschlussreich und hilfreich beim Einkaufen.
Dieses (Koch)Buch empfehle ich gerne weiter und vermutlich ist das auch ein richtig netter Geschenktipp!