Wow! Als meine Schwester mit dieses Buch in die hand spielte, konnte ich zunächst nicht ahnen, dass mich dadurch das Cross-Fieber packen würde. Doch nun, da ich diesen unglaublich spannenden Roman des Meisterautors james patterson binnen kürzester Zeit förmlich verschlungen habe, kann ich es kaum erwarten, auch die Folgeromane zu lesen.
James Patterson formt in seinem Serienauftakt "Along came a spider" unglaublich reale Pro- und Antagonisten und schildert stilvoll und detailgenau eine spannende, verzweigte und immer wieder überraschende Geschichte.
In dem Thriller geht es um Alex cross, einen schwarzen Cop in Washington D.C., der nebenbei auch noch Psychologe ist und zusammen mit seinem Kollegen John Sampson die Straßen Washingtons sicher hält. Dabei handelt es sich hierbei keinesfalls um einen jener vollkommen fehlerlosen, harten Superbullen, von denen es in Filmen und Romanen nur so wimmelt. Nein, Alex Cross ist unglaublich menschlich, lebt zusammen mit seinen zwei Kindern und seiner Großmutter unter einem Dach und lebt in liebevoller Verbindung zu ihnen, trauert um seine verstorbene Frau und ist alles andere als ein gefühlskalter, harter Cop. Dennoch ist er ein Profi auf seinem Gebiet und daher wird er zu einer Ermittlung von großer Bedeutung hinzugezogen. Zwei Kinder reicher Eltern - Maggie Rose Dunne und "Shrimpie" Goldberg - wurden aus einer nahen Schule von dem psychopathischen Gary Soneji, der das verbrechen des jahrhunderts begehen möchte, entführt. Wütend, dafür den Mord an einer Familie im schwarzen Elendsviertel Washingtons aufgeben zu müssen, macht sich Alex an die Ermittlung, zusammen mit dem FBI und unterstützt von Jezzie Flanagan, einer Mitarbeiterin des Secret Services, die für den schutz der Kinder verantwortlich war und zu der sich Alex mehr und mehr hingezogen fühlt. Schnell wird deutlich, dass Gary Soneji das "Verbrechen des Jahrhunderts" seit langem und sehr detailliert geplant hat und vor nichts zurückschreckt. Mehr und mehr spitzt sich die Lage zu als Ermittler getötet werden und eins der Kinder tot aufgefunden wird.
Und auch als der Entführer gefasst wird, setzt dieser seine furchtbaren Psycho-Spielchen fort und das entführte Mädchen bleibt verschwunden... Eine spannende Suche und schwierige Ermittlung nimmt ihren Lauf.
Pattersons erster Alex Cross-Roman ist unglaublich brilliant und wartet sowohl mit einer Story, die bis zum Ende immer neue Wendungen in absolut unerwartete Richtungen offenbart und den Leser dabei unglaublich fesselt, als auch mit sehr realistischen Personen, auf. Die Hauptfiguren und vor allem Alex Cross sind sehr gut aufgearbeitet und überaus vielschichtig und man kann sich dadurch äußerst gut in sie hineinversetzen.
Was aber die wahre faszination dieses Romans ausmacht, ist meiner Ansicht nach der Entführer, Gary Soneji, der ebenso facettenreich ist wie die Hauptfigur selbst und aus dem man nie so richtig schlau wird. Brilliant? Psychotisch? Multiple Persönlichkeit? Immer wieder werden neue Seiten von ihm offenbart, die ihn zu einem der besten Bösewichte der mit bekannten literatur machen. Eine Mischung aus Edward Norton in "Primal Fear" und Heath Ledgers Joker aus "The Dark Knight". Nur selten hat mich eine Romanfigur so in ihren Bann gezogen... und dabei steht sie doch im Wettstreit mit der ebenso faszinierenden Hauptfigur Alex Cross.
Und neben der so faszinierenden Crime-Story kommen auch noch andere Aspekte und themen in pattersons Thriller zum Tragen. Das Leben in den schwarzen Slums von Washington, der noch immer weit verbreitete Rassismus und Intoleranz und die Problematik von Liebesbeziehungen zwischen Menschen unterschiedlicher Hautfarbe - all dies ist Thema des Buches.
In kurzen Kapiteln von oft nur zwei bis fünf Seiten und kurzen, bündigen Sätzen, bleibt Patterson dennoch sehr detailliert in seinen beschreibungen. Die Kleidung und das Aussehen einzelner Figuren oder Orte wird ebenso detailliert dargelegt wie die Sex-Szenen oder die blutrünstigen Morde des Killers. Und die kurzen Kapitel spornen einen noch zusätzlich zum zügigen weiterlesen an. Außerdem ist der Großteil des Buches aus der Ego-Perspektive von Alex cross geschrieben, ein angenehmes Stilmittel, das einen noch tiefer in das Seelenleben des Helden und die Story eintauchen lässt.
Die Verfilmung "Along came a spider/Im netz der Spinne" mit Morgan Freeman kann man sich hingegen getrost schenken, da sie nicht einmal annähernd an das buch herankommt und sich sogar größtenteils sehr vom Buch unterscheidet. So fehlt der komplette und für mich besonders faszinierende Soneji/Murphy-Schizophrenie-Teil. Eine der enttäuschendsten Buchverfilmungen aller Zeiten vermutlich.
Patterson-Fans und Freunden von Psycho-Thrillern mit überraschenden Wendungen sei dieses Werk dringend ans Herz gelegt. Ich freue mich auf jeden Fall bereits auf den Nachfolgeband "Kiss the Girls" und alle weiteren Cross-Romane, die ich in Bälde ebenfalls lesen werde.
Volle 5 Sterne für dieses Glanzwerk, das man auf jeden fall (und am besten in der Originalsprache) gelesen haben muss