Aus der Amazon.de-Redaktion
Wie bei so vielen vor ihm ereilt dem Ex-Frontman von Verve das gleiche Schicksal: Richard Ashcroft wird zum Opfer seines eigenen Erfolgs. Das letzte Album von Verve, das allgemein gelobte
Urban Hymns hat mit seinen Down-Tempo-Klängen und seinen nachdenklichen Texten ein für allemal seinen Stellenwert gefunden, und es hat die Herzen der Nation erobert.
Es ist daher schon ein besonderer Kraftakt, hier einen draufzusetzen, selbst für denjenigen, der als kreative Kraft hinter dem Erfolg von Verve stand. Und Richard Ashcrofts Solo Debüt Alone With Everybody entzieht sich jedem Vergleich. Die nachdenklichen Balladen im Country-Stil "Brave New World" und "I Get My Beat" -- einfache Liedbegleitung auf der Gitarre, melancholische Musik der Streichinstrumente und Texte, die sich wie ein Selbstgespräch anhören -- bestätigen Ashcrofts Fähigkeit, eine eingängige Melodie zu schreiben. Singles wie "A Song For The Lovers" und "Money To Burn" an seinen Maßstäben gemessen ganz klar ein Up-Beat -- sind zwar vielleicht nicht so bewegend oder treffen nicht den gleichen Verve-Nerv wie "The Drugs Don't Work", "Lucky Man" oder "Bitter Sweet Symphony" aus Urban Hymns, aber sie gehen immer noch unter die Haut. Und die düstere Atmosphäre und ruppige Aussagekraft "New York" können einen beruhigen, dass er immer noch mehr kann als nur sentimentale akustische Melodien zu produzieren.
Der Band The Verve wäre eine Fortsetzung zu Urban Hymns nicht mehr gelungen. Daher ist es nur klug gewesen, dass ihr führender Kopf ebenfalls nicht versucht, in diese Fußstapfen zu treten. --Dan Gennoe
INTRO
Britpop – the next generation. Die Bandidentifikationsfiguren von gestern sind die Solokünstler von heute. Wie sehr Richard Ashcroft dabei mit seiner Person für die Band The Verve stand, das wird jetzt richtig deutlich - bisher konnte man ja nur Vermutungen anstellen. Ashcrofts erste Soloplatte ist im Grunde eine Fortsetzung dessen, was er mit The Verve begonnen hat. Keine neue Richtung. Ganz offensichtlich hatte der Herr seine musikalische Heimat schon gefunden, als er die Band gründete: Vorher stand The Verve drauf, es war aber auch schon damals eigentlich Ashcroft drin. Und so gibt’s weiterhin 60s-orientierte elegische Rockmusik. Obwohl, der Rock wurde etwas weniger, das Pathos auch. Eine Entwicklung, für die man dankbar sein darf - und die es auch Quereinsteigern leichter machen dürfte, sich mit Ashcrofts Musik zu beschäftigen. Dieser scheint den Schwerpunkt inzwischen auch eher auf seine Kompositionen legen zu wollen. Die Zeiten, wo Stücke von nur einer einzigen Grundidee getragen wurden (z. B. “Bitter Sweet Symphony”), sind endgültig vorbei. Strophen, Refrains, Brücken: die Arbeit, die in den Songs steckt, kann man hören - und sich im Endeffekt auch hören lassen. Keine Offenbarung, aber eine schöne Platte - eine schöne Platte ist das hier allemal.
Michael Krumbein / Intro - Musik & so
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