Sicher. Die Deutschen Zuschauer hatten einen Nachteil. Sie wußten schon vor Beginn der fünften Staffel, daß sie beim amerikanischen Publikum durchgefallen ist. Und wer kennt das nicht? Da geht man mit massiven Vorurteilen in die Vorführung und meint ständig, das bestätigt zu bekommen, was man schon gehört hat.
Und so ist das auch bei Ally McBeal.
Konnten wir JonBonJovi überhaupt eine Chance geben, nachdem schon alle gerufen hatten, daß er gegen Robert Downey Jr. einfach nur lächerlich wirkt? Natürlich konnten wir ihm die geben, aber angenommen hat er die nicht. Er ist gegen Downey Jr. wirklich nur ein schwacher Abklatsch. Er soll singen und nicht schauspielern.
Und die anderen neuen Charaktere? Allys Tochter (Sagen wir gemeinsam: unaktzeptabel!) wirkt absolut unrealistisch und die neuen Anwälte (mit Ausnahme der wirklich hervorragenden Regina Hall) erwiesen sich als Flop und wurden zum Großteil schon zur Mitte der Staffel wieder entsorgt.
All dies wäre ja nicht so schlimm, hätte sich David E. Kelley auch zum Schluß hin nochmal auf die alten Werte der Serie konzentriert: verrückte Geschichten (nicht unrealistische!) und wunderbare Charaktere.
Doch selbst noch der Serie treu gebliebene Darsteller (Portia deRossi, Jane Krakowski und Greg German) durften nicht mehr das zeigen, was sie können.
Nelle kommt nur noch als Stichwort-Ansagerin ins Bild und auch Elaine hatte schon tiefergehende Momenten in der Serie.
Ling-Ersatz Christina Ricci ist zwar genauso böse, aber kommt an die Qualitäten von Lucy Liu nicht wirklich ran. Die schaffte es nämlich, Ling zwar böse, aber trotzdem liebeswürdig erscheinen zu lassen, Liza (Christina Ricci) hingegen ist eindimensional fies.
Und wenn es schon mit dem Umfeld nicht klappt, was ist dann mit Ally? Die trauert die komplette Staffel über ihrer wahren Liebe Larry nach (wobei nicht zu verstehen ist, warum sie trauert, bzw. warum sie nichts dagegen unternimmt und ihn beispielsweise anruft), bekommt plötzlich ein Kind und wird nun zur Übermutter. Ein Schlag in die Bauchgrube für alle Ally-Fans ist die Aussage: "Ich habe immer gedacht, mir fehlt ein Mann im Leben, nun weiß ich, daß es ein Kind war, das mir gefehlt hat" Hallo! Damit wurde das Konzept der ganzen Serie (Single-Frau auf dem Weg zum Partner-Glück) komplett über Bord geworfen. Und das ist nicht gut und läutete damit schon das Ende der Serie ein.
Veränderungen innerhalb einer Serie sind gut, manchmal auch notwendig, aber haben die Fans nicht schon während der vierten Staffel gezeigt, wie sie ihre Serie wollen? (Nämlich genauso, wie sie war: grandiose Schauspieler, witzige und interessante Gerichtsfälle, traurige Momente, ...)
Warum wurde sich daran nicht orientiert? Die 11. September kann doch nicht alleine daran schuld sein...
Schade, wirklich schade, denn die fünfte Staffel ist eindeutig kein würdiges Ende für diese wunderbare Serie. Lediglich die allerletzte Folge (die auch ein Wiedersehen mit den alten Stars der Serie beschert) bringt es wieder zu großen Momenten und macht deutlich, was man innerhalb der fünften Staffel so vermisst hat. Große und kleine Momente, dargestellt von außergewöhnlichen Schauspielern.