Den Balance-Akt den Pflegekräfte in der ambulanten Pflege mit den Patienten und deren Angehörigen erleben (die Durchführung professioneller Pflege, dem Nachkommen der Patientenbedürfnisse und dem Realisieren der Angehörigenbedürfnisse bei gleichzeitigem Zeitdruck und der Beachtung des Wirtschaftlichkeitsgebotes) stellen für diese Berufsgruppe eine sehr hohe Anforderung dar. Wenn die zu versorgenden Patienten noch unter demenziellen Erkrankungen leiden bedarf es besonderer Kenntnisse, die auch den Angehörigen, welche den überwiegenden Teil der Pflege leisten übermittelt werden müssen.
Mit der Differenzierung und Definition verschiedener Demenzformen beginnend leitet der Autor in eine kurze aber prägnante Darstellung des Krankheitsbildes ein, dem sich die Darstellung aktueller Fakten anschließt. Fakten und Zahlen, unter Berücksichtigung der demografischen Entwicklung, über die Anzahl dementierender Menschen und wo deren Pflege geleistet wird (zwar rückläufig, aber noch immer überwiegend in der häuslichen Pflege bzw. durch die Familie).
Auf dieser Basis stellt der Autor den Pflegeprozess dar, dem er eine zentrale Rolle bei der Durchführung der Pflege einräumt, und die Integration der Angehörigen in die Pflegeplanung voraussetzt. Das Modell des Pflegeprozesses wird dabei anhand der Teilkonzepte von Monika Krohwinkel, basierend auf dem Pflegeprozess, Rahmenmodell und dem AEDL-Strukturmodell, dargestellt. Nach einem kurzen Ausflug in aktuelle Therapeutische Konzepte wie Validation, Integrative Validation, Kinästhetik und Basale StimulationÒ, wird der Alltag von/mit Dementen, Angehörigen und Pflegekräften anhand der 13 AEDL differenziert vorgestellt und mögliche Probleme/Ressourcen geschildert. Dabei wird aber keine „Lehrbuch-Pflege" propagiert sondern realistische und praxisnahe Situationen beschrieben.
Mit einer beispielhaften Pflegeplanung beendet der Autor die Ausführung zum AEDL-Strukturmodell. Hier wird aber nicht eine fertige Pflegeplanung vorgelegt, sonder der Prozess zur Entwicklung einer Pflegeplanung detailliert, aber auch für Laien nachvollziehbar geschildert.
Wolfgang Linck schließt sein Buch mit einem Abstecher zur Frage nach den Kosten für Pflege und dem Anspruch auf Hilfen, die pflegende Angehörige erwarten können. Auch kommt er nicht umhin, die Notwendigkeit von Hilfsorganisationen darzustellen (viele Adressen werden im Kapitel 11. genannt) sowie deren persönliche und besondere Situation der Belastung hervorzuheben.
Fazit: Dieses Buch ist ein sehr gute Ergänzung für jede Pflegekraft im ambulanten Pflegedienst. Die Themen werden vom Autor in einer Klarheit und Komplikationslosigkeit dargestellt, dass es auch pflegenden Angehörigen (Laien) leicht fällt den Ausführungen zu folgen. Für die professionell Pflegenden wird hier wieder einmal herausgearbeitet, wie wichtig die Planung des Pflegeprozesses ist, insbesondere unter Berücksichtigung eines Krankheitsbildes wie der Demenz, welche mehr als viele somatische Erkrankungen die Empathie und Professionalität der Pflegkräfte fordert, auch um den Angehörigen eine Hilfe zu sein und deren Leistungen anzuerkennen.
Andreas Neves da Costa