Um es gleich vorweg zu schicken: Ich bin eigentlich kein Comic-Fan. Gar nicht! Nun ja, ich habe als Kind meine Asterix-Hefte in einem Grad zerlesen, dass ich sie heute noch zumindest in Auszügen zitieren kann und komme bei den zentralen Figuren von 'Micky Maus' und 'Fix und Foxi' nicht durcheinander. Aber darüber hinaus? Nein, ich bin kein Comic-Fan. Ich war kein Comic-Fan.
Mit Thomas Manns Settembrini hätte ich formulieren können, Comics seien mir 'politisch verdächtig', wie ihm halt die Musik. Sie lenken ab vom Wesentlichen, hätte ich sagen können, vom Text nämlich. Ich bin, wie er, als Aufklärer ein Mann des Wortes, um es hochtrabend zu formulieren. Prägnant. Pedantisch. Präzise. Illustrationen sind redundant, hätte ich sagen können, im besten Falle arabesk. Das Arabeske aber ist mir, könnte ich sagen und sage ich, meist ein Greul.
Ich sage das nicht mehr. Nicht mehr länger. Schuld ist, Schuld hat dieses Buch.
'Der Alltägliche Kampf' ist das, was Sam Gamdschie einen 'Augenöffner' nennen würde. Ein großartiges Buch, eigentlich sind es in der Gesamtausgabe vier großartige Bücher, die auch einem zeichnerischen Kostverächter wie mir zeigen, dass sich Bild und Text wunderbar gegenseitig adeln können. Wie in einem guten Film.
Man muss selbst keine Depressionen haben oder mit seinem eigenen Anspruch an Verlegern, der Freundin, reaktionärer Politik und verdrängter Geschichte, der Welt und sich selbst verzweifeln, um mit Marco zu leiden und zu freuen sich, wie es ein anderer Wortgewaltiger vielleicht formuliert haben würde. Es macht es leichter, ist aber nicht zwingend notwendig.
Marco ist in seinem alltäglichen Kampf alles andere als alltäglich. Ein liebenswerter, gewaltig authentischer kleiner Kerl, dem ich als Leser auch für die Zukunft alles Glück dieser Welt wünsche. Er macht es sich nicht leicht, vielleicht liebe ich ihn genau aus diesem Grund besonders.