Nüchterne, streng faktenorientierte Darstellung von Sachverhalten ist in diesem Buch nicht vorgesehen. Damit könnte man die meisten von anderen Medien verwöhnten Kinder im Alter von zehn und mehr Jahren nun einmal nicht hinter ein Buch locken. Also greifen die Autoren und Zeichner auf unkonventionelle Arten der Wissensvermittlung zurück. Die Geschichte von Erik dem Roten lässt sich prima als Comic darstellen, wie beispielsweise auch die Vernichtung des Templerordens; chronologische Übersichten und die meisten anderen Texte kommen natürlich umso besser an, wenn sie nicht nur mit auch für die Zielgruppe verständlichen, ausgesprochen schwarzhumorigen Kommentaren gewürzt, sondern außerdem noch mit witzigen Cartoons illustriert werden. Drollige Zeichnungen lockern das recht kompakte Buch ohnehin allenthalben auf und vermitteln nebenher eine ganze Menge an Informationen. Manches ausgefallene Ereignis wird als "Zeitungsbericht" vorgestellt.
Praktische Aspekte des Wikingerlebens können anhand der Seifenherstellung aus Rosskastanien erprobt werden, und die Kriegsführung und Belagerungsmethoden der Ritterzeit wird recht plastisch und ungeschminkt geschildert. Das wirkt zwar brutal, aber zum einen entschärfen die lustigen Cartoons und Kommentare die Fakten, zum anderen können Kinder ab zehn Jahren schon einiges vertragen, gruseln sich gern mit Erläuterungen von Foltergeräten und finden Tatsachen wie etwa die gängige Praxis, bei Belagerungen verwesende und hoffentlich mit krank machenden Keimen verseuchte Kadaver über die Wälle zu katapultieren, spannend.
Wie verblüffend die Wirklichkeit bisweilen war, zeigt sich, wenn die Kinder sich an die Lösung der vielen, in die Texte eingebundenen Quizfragen machen, zu denen ziemlich kuriose Auswahllösungen angeboten werden. Nicht selten trifft jene zu, die am absurdesten wirkt. Solche Rätsel und Quizfragen machen natürlich Spaß und vermitteln nebenbei noch das eine oder andere Wissensdetail. Vor allem kann man damit Eltern und Lehrer prima überraschen.
Wenn Geschichte so lebendig, abwechslungsreich und humorvoll präsentiert wird, haben auch tendenzielle Lesemuffel Spaß an der Lektüre, und Kinder, die sich ohnehin für die Vergangenheit interessieren, werden erst recht Vergnügen an der unkonventionellen Sachlektüre haben. Für Kinder ab etwa zehn Jahren ist dieses Buch sehr zu empfehlen.