Professor Jabs ist es gelungen, aus dem "Großen Riedel" für Pharmazeuten und andere Chemiestudenten im Nebenfach das Wesentliche zu entnehmen und in logischer und ansprechender Form zusammenzufassen.
Im Teil allgemeine Chemie wird der Leser kurz über Wesentliches, meist schon aus der Schule Bekanntes wie Stöchiometrie, chemische Reaktionsgleichungen u.ä. aufgeklärt. Dabei beginnt Professor Jabs so, dass auch der weniger chemisch vorgebildete Leser leicht folgen kann. Über das Atom (allg. Aufbau, Atommodelle) geht es weiter zu den verschiedenen Bindungsarten. Hier war für mich immer wieder erstaunlich, wie bestechend klar und logisch das Buch Dinge wie Valence Bond- oder MO-Theorie erklärt, ohne ins Plaudern zu geraten (und damit die Leser zu verschrecken, die eigentlich nur das Wesentliche wissen wollen). Gleiches gilt für die folgenden Kapitel über die chemische Reaktion.
Der Teil anorganische Chemie ist wie bereits von anderen erwähnt in Blöcke nach Elementen des s-, p-, d- und f-Blocks aufgeteilt. Innerhalb der Blöcke finden sich dann die Kapitel aufgeteilt nach Hauptgruppen. Diese Aufteilung ist aufgrund der Logik des Periodensystems sehr angenehm. In jeder Hauptgruppe werden dann zunächst die Gruppeneigenschaften behandelt, gefolgt von einem Unterkapitel über die Darstellung und Verwendung der Elemente, und abschließend ein Unterkapitel zu den Verbindungen der Elemente. Zum Lernen ist diese Aufteilung ideal, da man sich diesen logischen Aufbau nicht mühsam aus den Informationen größerer Lehrbücher zusammensuchen muss.
Für die Biowissenschaften sehr interessant sind schließlich die Teile innerhalb des d-Blocks zur Bioanorganik. Hier wird z.B. recht gut auf das Funktionsprinzip von Redoxenzymen wie den Cytochrom P450-Enzymen eingegangen.
Insgesamt kann ich mich meinem Vorrezensenten anschließen: Das Buch ist sehr gut zu lesen und didaktisch hervorragend. Der Stil ist wesentlich leichter als im Riedel. In einem Punkt kann ich mich meinem Vorrezensenten allerdings aus meiner Erfahrung als Medizin- und Pharmaziestudentin nicht anschließen: Es wird wohl hoffentlich kein Mediziner auf die Idee kommen, sich mit diesem Buch auf die Chemie-Prüfungen vorzubereiten, auch nicht mit Blick auf den neuen GK1. Es sei denn, man hat ganz viel Zeit übrig für ein Fach mit ganz wenig Fragen im 1. Staatsexamen (oder ganz viel Interesse an der allgemeinen und anorganischen Chemie). Hier reichen Bücher wie der Zeeck (Chemie für Mediziner) für eine effiziente, wenn auch vielleicht nicht vollständige Vorbereitung völlig aus. Steckt die Zeit lieber in die Biochemie.
Ich würde dem Buch gerne fünf Sterne geben. Es bekommt von mir allerdings nur vier, denn das Sachregister hinterlässt einen unreifen Eindruck. "Salpetersäure" (und die anderen Mineralsäuren übrigens auch) sucht man beispielsweise vergeblich. Das kostet Zeit. Schön wäre auch ein Periodensystem, das entweder vorne oder hinten auf der Buchdeckelinnenseite zur schnellen Referenz aufgedruckt ist, wie man es in vielen Lehrbüchern der Chemie findet.
Trotzdem ein gelungenes Buch!