In seinem Roman "Alles was zählt" lässt Georg M. Oswald seinen Ich-Erzähler Thomas Schwarz (ein durchaus nicht zufällig gewählter Nachname) von dessen Abstieg aus der Welt des Bankentums hinein in die Niederungen der Illegalität, der Geldwäsche und des Drogenhandels berichten. Gänzlich undramatisch, geradezu lakonisch schildert Schwarz seine Entlassung bei einer großen deutschen Bank und schildert das gleichzeitige Verlassen werden durch seine Ehefrau, die am selben Tag wie er ihren Job verliert. Damit scheitert eine Ehe, die auch vorher nicht mehr war als eine Zweck- oder Zugewinngemeinschaft. Schwarz schlittert eher zufällig als mit Absicht in Bekanntschaften mit einem Sport-Studio-Besitzer und einem angeblichen Antiquitätenhändler, die ihn für kleinere Dienste fürstlich an ihren Umsätzen und Gewinnen partizipieren lassen.
Oswald lässt den Schluss zu, dass zwischen den Machenschaften von Großbanken und den Geschäften von Kleinkriminellen kein allzu großer Unterschied besteht, schon gar nicht aus moralischer Sicht. Sein Protagonist, den die meisten nicht zu ihren Freunden oder Bekannten zählen wollten, kennt kein schlechtes Gewissen, gleich ob er Schuldnern den Zwangsvollstrecker ins Haus schickt oder Kriminellen bei der Verschleierung ihrer Aktivitäten behilflich ist. Seine Gefühlswelt ist überschaubar, Beziehungen berühren ihn genauso wenig wie das letztendlich Freundschaften tun. Sein Credo ist der Sarkasmus.
Georg M. Oswald, studierter und praktizierender Jurist, greift in seinen Büchern Themen aus seiner eigenen Welt auf, verbindet diese im vorliegenden Roman mit grundsätzlichen moralischen Fragen unserer modernen Arbeitswelt. Keine große Literatur, aber eine gut lesbare und unterhaltsame, teilweise wirklich witzige Lektüre mit freiwilligem Tiefgang für den Leser.