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Alles, was wir geben mussten: Roman
 
 
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Alles, was wir geben mussten: Roman [Taschenbuch]

Kazuo Ishiguro , Barbara Schaden
3.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (68 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 352 Seiten
  • Verlag: btb Verlag (6. November 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442736102
  • ISBN-13: 978-3442736102
  • Originaltitel: Never Let Me Go
  • Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 11,8 x 3 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (68 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 27.848 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Kazuo Ishiguro
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Noch Jahre später kreisen Kathys Gedanken um Hailsham, dem in lieblicher Hügellandschaft gelegenen Schulheim, in dem sie und die anderen ihre Kindheit zugebracht hatten. Eine heile Welt, in der eine fröhliche Kinderschar zur „Kreativität“ angeleitet werden soll. Doch bald tauchen erste Schatten auf. Wozu die Aufseher? Warum ist von späteren „Spendern“ die Rede? Und was hat es mit jener eleganten „Madame“ auf sich, die aus dem Nichts auftaucht, um die besten künstlerischen Arbeiten der Zöglinge für ihre Galerie abzuholen. Galerie? Jeder weiß davon, keiner hat sie jemals zu Gesicht bekommen. Nur eine weitere Merkwürdigkeit in der abgeschotteten Welt von Hailsham. Wir werden noch viele davon kennenlernen!

Mit welch unspektakulären, aber erzählerisch raffinierten Mitteln der in Japan geborene und heute in England lebende Kazuo Ishiguro den Leser in seine Geschichte einwebt, gleicht einem kleinen Wunder. Sachter kann man nicht hineingeführt werden in eine Traumwelt, die sich zunehmend als bedrückende und faschistoide Zukunftsvision entpuppt. In den Rückblicken Kathys, die heute als „Betreuerin“ arbeitet, wird alles noch einmal lebendig: Ruth, Kathys beste Freundin. Der rebellische, von allen abgelehnte Tommy, der nur Kathy vertraut -- und doch mit Ruth eine Beziehung eingeht. Der Schulalltag und seine sanften, aber rigorosen Überwachungsmechanismen. Die Fragen hinter vorgehaltener Hand. Die Rebellion, die nie stattfindet.

Ein wundervolles Werk von großer Nachhaltigkeit. In manchem gleicht Ishiguro einem literarischen Update von Daphne du Maurier. Selbst sein traumverlorenes, weltfernes Hailsham erinnert vage an Manderley aus Rebecca (anscheinend kann sich keiner der Schüler später daran erinnern, wo Hailsham überhaupt lag). Ishiguros unaufgeregter, hochliterarischer Ton aber ist es, der den Schrecken erst richtig eindringlich macht. Ein Schrecken, der in einer technikversessenen Welt längst nicht mehr abwegig erscheint. Begleiten wir die Schüler auf ihrem Weg, herauszubekommen, wer sie sind, wo sie herkommen und -- was aus ihnen einst werden soll. Madame wusste es: „Ihr armen Geschöpfe!“ --Ravi Unger -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

"Die Frage, ob der Mensch Herr seines Schicksals ist, ob die Vergangenheit stärker ist als die Zukunft und ob die Einsamkeit dazu führt, dass manche Menschen das Leben, über das sie so angestrengt nachdenken, schlicht verpassen, steht im Mittelpunkt dieses Roman, der die Themen mit so viel stilistischer und gedanklicher Brillanz verfolgt, dass die Lektüre unvergesslich bleibt." (FAZ )

"Ein Roman, der seine grausame Wahrheit so sachte enthüllt, dass man den Blick in die Zukunft unserer Gesundheitsversorgung nicht für ein Science-Fiction-Szenario hält." (Brigitte )

"Ishiguro zeichnet das Bild einer unbeirrbaren menschlichen Zartheit, obwohl die Katastrophe bereits stattgefunden haben könnte." (Frankfurter Rundschau )

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58 von 63 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Über das Menschsein, 3. Oktober 2005
Von Ein Kunde
Kazuo Ishiguro erzählt im Stile eines Entwicklungsromans die Geschichte dreier Jugendlicher. Mit äußerster Einfühlsamkeit in das Seelenleben seiner Protagonisten lässt der Autor die Ich-Erzählerin Kathy in sachlicher emotionsloser Sprache über ihre Kindheit ohne Eltern in einem englischen Internat berichten, über ihre Freundschaft zu Ruth und Tommy. Eine scheinbar ganz normale Kindheit und Jugend mit allen Konflikten, die Halbwüchsige auszutragen haben. Doch die drei und alle anderen Gleichaltrigen sind Klone, lebende Organspender, die ein grausames Schicksal erwartet, ein Grauen, das mehr zwischen den Zeilen gelesen werden muss und im Kopf des Lesers entsteht.

Das Buch ist jedoch kein Technologieroman, die technischen Fragen des Klonens bleiben vollkommen unberührt. Es ist auch kein moralischer Kommentar zur Gentechnologie. Vielmehr behandelt der Autor Grundsätzlicheres: Wer sind wir in einer hochtechnologisierten Welt? Was dem „Fortschritt" zu geben sind wir bereit? Wissen wir überhaupt, was wir geben können und müssen? Wissen wir, was am „Ende" bleibt? Wie wollen wir leben? Was ist wichtig? Was heisst es, eine „Seele" zu haben? Wann muss man sich wehren gegen die Zumutungen einer solchen „Kultur"? (Die Klone können es nicht. Warum? Vielleicht, weil sie Produkte dieser technischen Zivilisation sind? Sind wir alle das in einem gewissen Sinn auch?) Es ist ein nachdenkliches und überaus berührendes Buch über das Menschsein.

Dennoch: Auch wenn die technischen Fragen außen vor bleiben, funktioniert der Roman nur unter dem stillen Vorauswissen, dass der Mensch bisher alles getan hat, wozu er technisch in der Lage war. Und er wird das auch weiter tun, allen Gesetzen und Ethik-Kommissionen zum Trotz. „Es" wird passieren. Und es wird möglicherweise so passieren, wie Ishiguro es konstruiert. In jeder Erfindung, jedem technischen Fortschritt liegen Gutes und Schlechtes untrennbar nebeneinander, durchdringen sich förmlich. Man hat, auch nach diesem Buch, nicht das Gefühl, dass der Mensch tatsächlich Herr seiner eigenen Kräfte ist.

Vielleicht wird man nach der Lektüre ein wenig bewusster leben, sich öfter, ähnlich wie Kathy, Ruth und Tommy, an den kleinen Dingen des Lebens erfreuen. Der Text jedenfalls, die Menschen, die der Leser kennenlernt, bleiben im Gedächtnis haften.

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32 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Verstörend, 6. Dezember 2006
Von 
Rezension bezieht sich auf: Alles, was wir geben mussten: Roman (Taschenbuch)
Kathy, 31 Jahre alt und "Betreuerin" von Beruf, lässt ihr bisheriges Leben Revue passieren. Es spielte sich in verschiedenen staatlichen Einrichtungen ab, die erste Station war Hailsham. Hailsham ist jedoch kein gewöhnliches Internat. Von Anfang an wird den Kindern dort vermittelt, dass sie etwas Besonderes sind, dass eine besondere Aufagbe sie erwartet - was das sein könnte, bleibt (zunächst) im Dunkeln. Die völlige Isolierung der "Kollegiaten" genannten Schüler tut das ihre dazu, um sie auf ihre ihnen ungewisse Zukunft vorzubereiten. Erst nach und nach erfahren die Kinder und mit ihnen der Leser (sofern er es nicht schon aus anderen Rezensionen weiß), woher sie stammen und was ihnen bevorsteht...

Der Reiz dieses Romans liegt für mich in seinem Paradox: Der völlig unaufgeregte Tonfall, in dem das Buch streckenweise vor sich hin plätschert, steht in scharfem Kontrast zu der geschilderten Zukunftsvision, die an Schrecken nichts zu wünschen übrig lässt. Beklemmung und Grauen wirken um so stärker, da die Ich-Autorin Kathy völlig unreflektiert in schönster Selbstverständlichkeit ihre Geschichte erzählt und ihre (von Gehirnwäsche manipulierte) Sicht der Dinge bis zum bitteren Ende beibehält. Vergebens wartet man auf Kritik oder Rebellion. Nein, alle fügen sich brav in ihr Schicksal - was wiederum weitere Fragen aufwirft.

Schon allein vom Thema her ist "Alles, was wir geben mussten" lesenswert, außerdem ist der Roman meisterhaft komponiert und wirkt absolut authentisch. Ishiguro gehört zweifellos zu den großen zeitgenössischen Stilisten, verlangt dem Leser jedoch einiges ab. Aber es lohnt sich, sich auf das Buch einzulassen, dessen Zukunftsvision niemals Wirklichkeit werden darf.
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44 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Im Menschenpark, 15. Juli 2007
Rezension bezieht sich auf: Alles, was wir geben mussten: Roman (Taschenbuch)
Es scheint da draußen eine Welt zu geben, in der ein Mensch das Recht hat, über sein eigenes Leben zu bestimmen; in der er selbst entscheiden kann, wo er wohnen, welchen Beruf er ausüben und ob er Kinder haben will oder nicht.
Kathi, Tommy, Ruth, Laura und all die anderen aus Kazuo Ishiguros Roman "Alles, was wir geben mussten", wissen, dass es das gibt, aber obwohl diese Welt quasi nebenan liegt, ist es ihnen völlig unmöglich, sie zu erreichen. Dabei leben sie im England der 70er und 80er Jahre des 20. Jahrhunderts. Aber schon die Vorstellung, in einem Großraumbüro zu arbeiten, ist für sie so abenteuerlich, dass sie extra einen Ausflug unternehen, um sich ein solches Büro von außen durch die Glasscheibe anzusehen.
Aber nun kommen wir, die Leser dieses Romans, ja aus eben dieser anderen Welt, die den Figuren verschlossen ist. Dass da Menschen aus einer Parallelwelt zu uns reden, wird erst nach und nach deutlich. Ishiguro verschleiert das sehr kunstvoll, indem er zunächst nur ab und an durchblitzen lässt, dass Kathi und ihre Mitschüler in Hailsham "anders" sind. Ihr Weg ist vorgezeichnet. Nach der Schule leben sie ein paar Jahre in einer Art Landkommune, dann werden sie "Betreuer" und schließlich "Spender". Zu diesem Zweck sind sie nämlich überhaupt auf der Welt. Sie sollen nach und nach ihre Organe spenden; nicht erst nach ihrem Tod, sondern schon zu Lebzeiten. Sie sind menschliche Ersatzteillager; das ist überhaupt erst der Grund ihres Daseins. Und deshalb sind sie auch nicht auf natürlichem Wege gezeugt, sondern sie sind Klone.
Ein abwegiger Gedanke? Wohl nicht in Zeiten von Gentechnik und der Diskussion um verbrauchende Embryonenforschung. Wenn man Embryonen zu Zwecken der Forschung verbrauchen kann, warum dann nicht irgendwann auch Klone? Warum dann nicht tatsächlich irgendwann Menschen züchten, die als "Material" "verbraucht" werden? Jeder, der es sich leisten kann, hat dann seinen eigenen Klon.
Ja, ganz richtig. Mir dreht sich bei diesem Gedanken auch der Magen um. Und man kann sicher darüber diskutieren, ob ein Autor das darf: seine Stimme leise werden lassen, wenn er über ein solches Thema spricht, anstatt laut zu protestieren. Sollten die Figuren des Romans nicht eine Großdemonstration organisieren? Sollten sie nicht schreien, gegen ihr Schicksal protestieren, vielleicht sogar Bomben legen? Darf man sie so in ihrer Welt einsperren, dass sie nicht einmal auf die Idee kommen, das, was man ihnen angetan hat, sei das Widerwärtigste, was man sich nur vorstellen kann?
Ich glaube, Kazuo Ishiguro hätte gar nicht mehr Aufmerksamkeit auf die Themen "Menschenzüchtung" und "Organhandel" lenken können als durch seine Art des Erzählens. Dass er manche abstößt, damit wird er leben können. Aber das ändert nichts daran, dass dies ein großartiges Buch ist.
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