„Alles, was ich bin, alles, was ich gemacht habe, rührt daher, daß meine Mutter mich nicht geliebt hat.“
Dieses titelgebende Zitat ist Programm der Erinnerungen Gisèle Halimis. Als Tagebuch - so der deutsche Untertitel - kann man ihren Bericht wahrlich nicht bezeichnen. Angesichts des Todes ihrer Mutter hat die Autorin den Blick in ihre eigene Vergangenheit gewagt und diese Beziehung analysiert, die dem Mythos der Mutterliebe trotzt. Dabei ist sie offen, schonungslos und mutig.
Was die Leserin / den Leser jedoch unbefriedigt zurückläßt, ist eine Erklärung des Mangels. So ist Halimis Buch wohl mehr Instrument einer Selbst-Therapierung, eines Sich-von-der-Seele-Schreibens. Eine gewisse Leere stellt sich bei der Lektüre auch aufgrund des literarischen „Genusses“ ein. Leider gelingt es der Autorin nicht, durch einen interessanten, eigenen Stil zu überzeugen.
Vielleicht sind diese Ansprüche jedoch nicht angemessen - einen Platz unter der Literatur der (schmerzhaften) Erfahrungen wird der Titel schon wegen des mutigen und bisher wenig behandelten Themas finden.
Der große Erfolg von „Fritna“, so der Originaltitel, in Frankreich läßt sich wohl auf den Bekanntheitsgrad der Autorin dort zurückführen. In ihrer Wahlheimat ist Halimi erfolgreiche Anwältin und Frauenrechtlerin.