Es gibt niemanden, der so über Liebe schreiben kann, wie Anita Shreve. Ihre Sprache ist so wunderschön, dass man ganze Sätze laut lesen möchte oder wieder in die schlechte Angewohnheit der Studententage zurückfallen möchte, ganze Absätze mit Bleistift zu unterstreichen und mit vielen Ausrufezeichen zu versehen."Alles,was er wollte" handelt von Professor Nicolas van Tassel, der während eines Feuers im Dezember 1899 eine junge Frau sieht und sich von diesem Bild nicht mehr befreien kann. Er muss sie einfach besitzen. Etna reagiert auf seine Werbung zwar mit Zurückhaltung, aber Van Tassel ist nicht bereit, auch nur eine Einwendung gelten zu lassen. Sie muss einfach seine Frau werden. Als sie seinen Antrag schließlich annimmt, sagt sie ihm, dass sie ihn nicht liebt, aber selbst das schreckt den Professor nicht ab. Er glaubt, die Liebe werde sich schon von selbst einstellen, wenn er seiner Frau alles bieten würde, was man als Ehefrau so erwarten könne. In einer absolut mißglückten Hochzeitsnacht stellt Van Tassel dann jedoch fest, dass Etna durchaus nicht darauf wartet von ihm in die Leidenschaft eingeführt zu werden,sondern diese wohl schon erlebt hat. Statt darüber zu reden, schweigt er jedoch verbittert. Eine Entscheidung, die ihm die nächsten Jahre seiner Ehe nachgehen wird. Denn auch wenn Etna und er zwei Kinder bekommen und sie am Tag scheinbar die perfekte Professorengattin ist, zieht sie sich jede Nacht vor ihm zurück. Die Eifersucht des Professors eskaliert als eines Tages ein junger Akademiker in New Hampshire auftaucht, der Van Tassels Karriere und wie es scheint auch seine Ehe bedroht...
Diese Geschichte wird rückwirkend aus der Sicht des Professors erzählt. Melancholisch, aber auch selbstkritisch, was dazu führt, dass Van Tassel nie wirklich unsympathisch erscheint. Man fühlt sich zurück versetzt in eine Zeit, in der Frauen nur die Wahl hatten zu Heiraten um, sich ein wenig Freiheit zu erobern, oder im Kreise der Familie zu bleiben und sich der Erziehung der Kinder anderer, bzw der Pflege älterer Verwandter zu widmen. Selbst die Sprache der Autorin ist der Zeit angemessen, denn wer schreibt heute noch das Wort "Vestibül"? All das macht die Geschichte so rund, dass der Leser es Etna fast verübelt, dass sie sich ihren Teil der Freiheit versucht zu bewahren. Zurück bleibt ein älter Van Tassel, der versucht zu verstehen, was eigentlich geschehen ist. Alles, was er wollte war Etna glücklich zu machen, oder vielleicht doch nicht? Ein wunderbares Buch über den Egoismus der Liebe.