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Seitdem schreibt A.L. Kennedy mit jedem ihrer Bücher gegen den Schmerz und den Kummer an, wobei sich gezeigt hat, dass das eigentlich Rettende ihrer Existenz die Literatur gewesen ist. Deshalb wohl handeln all ihre Romane und Erzählungen von der Tragikomik des Todes und des Lebens und der Liebe. Auch Alles, was du brauchst ist so ein (autobiografisch gefärbtes) Buch, in dem die Protagonistin ganz zu Anfang den Boden unter den Füßen zu verlieren droht. Von ihren schwulen Onkeln Bryn und Morgan großgezogen will sie trotz aller Warnungen Schriftstellerin werden und macht sich auf den schwierigen Weg hin zu ihrem Vater, der bereits ein berühmter Autor geworden ist. Auf einer spröden Insel begegnen sich Tochter und Erzeuger, zwei Zerrissene, Entwurzelte zum ersten Mal -- und finden tatsächlich zusammen.
Am Ende sitzt die Erzählerin auf der Insel, die nun auch ihre geworden ist, und schreibt, vom Schmerz und von der Liebe: "Ich bin eigentlich zu müde dazu, aber ich schreibe trotzdem. Die ganze Insel wird still, bereitet sich für den Abend und den letzten großen Gesangsausbruch der Vögel, den wir beide mögen. Und draußen geht ein Komet auf." Ungewöhnlich versöhnliche, rettende Töne für A.L. Kennedy. Verfasst in der für sie typischen, einfühlsamen Prosa, die auch Alles, was du brauchst wieder zu einem großartigen Werk der englischsprachigen Gegenwartsliteratur hat werden lassen. --Thomas Köster -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
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Die nunmehr neunzehnjährige Mary Lamb wurde im Kleinkindesalter zu den "Onkels" gebracht, dem Mutterbruder Bryn und seinem Lebensgefährten Morgan, die in einem walisischen Nest ein beschauliches, überaus achtsames Leben führen, all ihre Liebe und ihr Wissen dem Mädchen vermitteln, das nie wieder von der Mutter hörte, und von ihrem Vater glaubt, er sei tot. Eben jener Vater aber, der bekannte Schriftsteller Nathan Staples, lebt auf Foal Island, in einer Art Künstlerkolonie. Nathan und die anderen fünf Schriftstellereremiten bieten Mary ein Stipendium an, denn Mary gilt als begabt. Sie trennt sich von den Onkels und der zarten, tastenden Liebe zu Jonathan, genannt Jonno, zieht auf die herbe, etwas wilde Insel, um ausgerechnet bei ihrem Vater in die Lehre zu gehen. Ohne zu wissen, wer sich wirklich hinter dem einsamen, aufbrausenden, nur beim Schreiben die richtigen Worte findenden Mittvierziger verbirgt.
Kennedy begnügt sich mit einer Handvoll Figuren, aber bei diesen wenigen schlägt sie mit voller Wucht zu. Da sind die beiden Onkels, Nathans versoffener Lektor Jack D. Grace, Joe, der einzige Schriftsteller auf der Insel, der nicht mehr schreibt, sich dafür um die anderen kümmert, Richard mit seiner promisken Ehefrau Lynda, das Paar, das sich wie zwei Enden eines Gummiseils ständig voneinander entfernt, um heftig wieder aufeinander zuzukommen, Louis, der hedonistische Historiker, Ruth, die dickliche, einsame Autorin, die seit einem Haibiß von nichts anderem mehr reden kann. Sogar Eckless, Nathans Hund, wird zur aktiven Persönlichkeit.
Das Buch handelt in erster Linie vom Schreiben, genauer gesagt von der Bedeutung und Anordnung der Worte, und konsequenterweise wird jede Szene, jeder Dialog um das Gedankenkostüm jeweils eines Beteiligten ergänzt, in der Hauptsache Mary und Nathan. Die beiden nähern sich an, Mary gelingt es, Nathans Panzer zu durchbrechen, aber das hindert natürlich niemanden daran, jedwedem sich bietenden Mißverständnis zu erliegen, Porzellan zu zerbrechen, dem Schritt aufeinander zu wieder den gegenteiligen folgen zu lassen. Aber "Alles was Du willst" ist viel, viel mehr als die Geschichte von Vater und Kind, die zueinander finden, weitaus mehr als eine Abhandlung über den Weg zum wirklichen Schriftstellersein, es ist ein extrem eloquentes, eindringliches, sehr nahes, einfach toll geschriebenes Buch über Freundschaft, Liebe, Träume, Wünsche, Tod, Achtsamkeit und Ehrlichkeit.
Bemerkenswert ist die dramatische Tiefe, die Kennedy jedem noch so kleinen Ereignis zu geben in der Lage ist, vor allem aber ihre Diktion, ihre sprachliche Größe, ihre Fähigkeit, immer jene Worte zu wählen, die einem beim Lesen als die einzig möglichen, richtigen vorkommen. Fantastisch. Was für ein Buch. Völlig unmöglich, den Eindruck in angemessene Worte zu fassen.
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