Dieses Erstlingswerk von Falko Hennig handelt aus der Ich-Perspektive vom Erwachsenwerden in der DDR. In vielen einzelnen Episoden reiht sich dabei nach Art eines rechten Schelmenromans ein Diebstahl an den nächsten, und der trockene Humor, den der Erzähler dabei entfaltet, macht die Lektüre zu einer lohnenden, erfährt der Leser doch nebenher jede Menge Details aus der DDR zur Wendezeit. Hennig klaut u.a. auch Mengen an Bücher, darunter z.B. eine „Geschichte der SED, ein Abriß". Diese sinnentleerte Scharteke wird kurzerhand von ihm ausgeweidet, so dass er anderes Diebesgut, nämlich einige scharfe Patronen und Panzerminiaturen, hineinverstecken kann - eine herrliche Symbolik zur Geschichte dieser SED tut sich ganz nebenbei dabei auf. - Wieso eigentlich Diebstahl: „Öffentlich wurde Kriminalität in der DDR sowieso kaum behandelt, das war schließlich eher ein Problem des sterbenden Kapitalismus." Teil 1 endet mit dem Wunsch, Schriftsetzer zu werden, Teil 2 enttäuscht diesen Wunsch und endet in der Flucht über die offene ungarische Grenze nach Österreich am 16. August 1989. Der letzte Teil erzählt dann von diversen Tätigkeiten und Reisen in die westliche Welt und des Autors Betrügereien der dortigen Behörden und Versicherungen; z.B. bekommt er eine Einberufung zur Musterung von der Bundeswehr; statt ihr Folge zu leisten, schreibt er der Behörde kurzerhand mit anderem Namen, ein Brief an einen Falko Hennig sei fälschlicherweise in seinem Briefkasten gelandet, wie peinlich usw., woraufhin sich die Behörde nie wieder bei ihm meldet. Insgesamt eine sehr lesenswerte Geschichte, die sich lieber witzig statt moralinsauer (wie etwa „Zonenkinder") mit der Wendezeit beschäftigt. (10.08.04)