Als ich das Buch von Doris Iding in der Hand hielt war ich schon auf ihre Geschichten sehr gespannt. Gleich in der Trambahn fing ich an, darin zu lesen. Schon nach den ersten Kurzgeschichten war ich so in den Bann des Buches gezogen, dass ich fast meine Haltestelle verpasste und im letzten Augenblick schnell aus der Bahn sprang.
Doris Iding gliedert die Anekdoten in verschiedene Hauptthemen, wie z.B. Geschichten über die subjektive Wahrnehmung, über das falsche Verständnis der eigenen Person, schreibt zur Gier, über die Angst, das Jetzt und über die Begegnung mit dem Göttlichen. Sofort entstand in mir die Idee, einige dieser Geschichten als Einleitung in meinem Yogaunterricht zu verwenden. Oft sind die Erzählungen herzerfrischend, mal traurig, dann wieder lustig und oft sehr hintergründig. Immer geht es dabei um Yoga in seiner Form ihn zu leben und zu erleben. Doris schildert auf klare Weise, wie sich Yoga im realen Leben darstellt und verstanden werden kann. Auch weiß sie geschickt Hintergrundwissen zu vermitteln und zeigt auf anschauliche Weise, wie die alte Lebensweisheit aus dem Osten hier im Westen sich integrieren kann.
Eine meiner Lieblingsgeschichten ist das "Gespräch der Zwillinge". Es handelt davon, dass sich die Zwillinge im Bauch der Mutter unterhalten und sie es sich noch nicht vorstellen können, dass es ein Leben nach der Geburt ohne Nabelschnur und in Helligkeit geben kann. Der eine Zwilling kann sich mit dem Gedanken an die Welt nicht anfreunden und glaubt, dass das Leben eine Quälerei sein wird.
"Mutter? Du glaubst an eine Mutter? Wo ist sie denn, bitte?"
"Na hier, überall um uns herum. Wir sind und leben in ihr und durch sie. Ohne sie könnten wir gar nicht sein!"
"Quatsch, von einer Mutter habe ich noch nie etwas bemerkt, also gibt es sie auch nicht."
"Doch, manchmal, wenn wir ganz still sind, kannst Du sie singen hören oder spüren, wie sie unsere Welt streichelt."
Wunderbarerweise eigenen sich die vielfältigen Geschichten auch für diejenigen, die mit Yoga bisher noch nicht viel anfangen und sich bisher keine Vorstellung davon machen konnten. Aber auch bereits erfahrene Yoginis und Yogis wird die Kurzweiligkeit und Schönheit beeindrucken.