Nach mehrmaligem Hören des Albums und nach dem Besuch eines Konzerts der aktuellen Tour kann ich sagen: Es ist ein durchaus gelungenes Album geworden, welches mich inhaltlich weit mehr überzeugt hat als es noch bei dem Vorgängeralbum Gegen den Strom" der Fall gewesen ist.
"Last und Lust"
lädt einfach zum Mitsingen und Mitempfinden einer Tour, die eben auch viele stressige Zeiten kennt, ein; besonders der Refrain zieht richtig mit; als Einsteiger absolut erste Wahl für dieses Album. Den Text selbst empfinde ich an manchen Stellen als nicht so tief und stark, wie er sein könnte. Jedoch beim zweiten, dritten Hören stellt man fest, dass dies nicht das Wesentliche ist. Das Wesentliche ist, dass die Worte treffend gewählt sind. Das Gedachte wird ohne Schnörkel gesagt und das ganze Lied ist rund.
"Wird es sein"
besticht von Anfang an durch seine muntere Melodie und den Refrain, der zum Mitsingen wie geschaffen scheint. Insgesamt ein Text, der sehr leichtfüßig, aber niemals seicht daher kommt und die Selbstreflexion des Künstlers gut und in bildhaften Worten wiedergibt.
"Glaub an dich"
Zu Anfang empfand ich dieses Lied als ein klein wenig zu allgemeingültig und allzu optimistisch die Worte des Refrains. Da half es, dass mir eine Person einfiel, an die diese Worte wirklich hätten gerichtet sein können - und voilà: so klappte es. Der Text ist kein "lyrisches Schwergewicht", aber enthält sehr viel Seele und ist sehr treffend formuliert, sodass man sich fragt, wieviel Persönliches/selbst Erlebtes drinsteckt. Das Cello möchte ich bei diesem Lied besonders hervorheben. Es gibt dem Lied den letzten Pfiff.
"Zwilling"
Einer meiner Favoriten, dessen geheimnisvoll anmutendes, spannendes Piano- und Cello-Intro allein man immer wieder hören kann. An der Melodie ist außer Eric Fish Gerit Hecht beteiligt. Der Text hat nicht die starke Wärme, wie sie in vielen Texten von Eric Fish zu finden ist, sondern eine Schärfe, die dem Text, ja, dem ganzen Album wirklich zugute kommt und eine tolle Abwechslung bietet. Die Reime sind stark und präzise und spiegeln das Textthema brilliant wider. Textlich absolut herausragend und mit einer absolut ungewöhnlichen Melodie versehen. Einer der stärksten Songs dieses Albums und gleichzeitig einer der stärksten Songs von Eric Fish & Friends überhaupt, wie ich finde.
"Mantra"
Ein Song, der mich ein wenig befremdet, da ich beim besten Willen der Aussage keine eindeutige Ausrichtung zuschreiben kann. "Handwerklich" ist der Text gut und die Melodie sehr interessant in der Entwicklung; der Refrain ist dabei ganz ausgesprochen schmissig.
"Schein und Sein"
ist ein Lied, das mit großer musikalisicher Schlichtheit daher kommt, die sehr gut zu diesem Lied passt, und die Meinung des Texters zu blindem (Religions-)Glauben widerspiegelt. Die hervorstechendste Stärke dieses Liedes ist eindeutig der wunderschöne Refrain in Wort und Melodie.
"Einfach weg"
ist das Lied, dem man das persönliche Erlebnis, in diesem Falle den Verlust eines lieben, nahestehenden Menschen, sehr deutlich anmerkt. Der Text spiegelt die tiefen Emotionen nicht nur mit Worten, wie sie bewegender nicht hätten gewählt werden können, sondern ist zudem, von der ersten bis zur letzen Zeile und in seiner Gesamtheit, ein solcher, den man ohne jegliches Zögern als Meisterwerk bezeichnen kann. Die Melodie, die von Gerit Hecht stammt, ist ein Meisterwerk für sich und von einer Schönheit, die sich von der ersten Note an auf die Seele niederschlägt. Nicht nur das beste Lied des Albums, sondern meiner Meinung nach auch das bisher beste Lied von Eric Fish & Friends insgesamt.
"Schuldig"
ist der Titel eines weiteren Songs, dem man die textlichen und kompositorischen Steigerungen Eric Fishs seit dem letzten Album deutlich anmerkt. Eine Kritik bzw. einen Appell so gestalten, dass sie/er nicht platt rüber kommt, sondern einen sinnvollen, starken Text und kompositorisch packende Musik aufweist, das gelingt nicht immer. Hier ist es voll und ganz gelungen!
"Marietta"
Der Text zu "Marietta" stammt von Bodenski, den man vornehmlich als Verfasser der Liedtexte von Subway to Sally kennt. Leider ist dieser Text nicht im Ansatz so stark oder poetisch, wie er wohl hätte sein können; zu stark blitzen da und dort klischeehafte Worte auf, und der reine Text weckt wenig bis gar keine Emotionen. Umso überraschender, was Eric Fish und Gerit Hecht in einer erneuten kompositorischen Zusammenarbeit daraus gemacht haben. Von vorne bis zum letzen Ton blitzt das Lied vor klanglichem Einfallsreichtum - der Chor gegen Ende hin ist so ein Bespiel. Der Text erstrahlt in seinem neuen, kecken musikalischen Gewand, und Musik und Gesang gleichermaßen verleihen "Marietta" das, was dem Text alleine gefehlt hat: Seele und jede Menge Sinnlichkeit!
"Bildungsoffensive"
In "Bildungsoffensive" ist die Aussage witzig verpackt und macht einfach gute Laune! Text und Musik frech, witzig und schwungvoll Hand in Hand, und man muss einfach zustimmend grinsen hinsichtlich des solcherart verpackten Appells. Solche Bildungsoffensiven" sollte es öfter geben! Die tolle Live-Atmosphäre, die, bei aller Studio-Professionalität, das ganze Album durchzieht und so stark noch nicht beim Album-Vorgänger Gegen den Strom" vorhanden war, sei gerade bei diesem Song besonders hervorgehoben!
"Utopia"
ist meiner Meinung nach ein Lied, dem man gerne für die Textaussage ein Daumen hoch" gibt, in dem man hinsichtlich textlicher und musikalischer Umsetzung jedoch jetzt nicht so den Überflieger vorfindet. Es wird wohl auf den meisten Alben ein Lied geben, das definitiv objektiv kein Meisterwerk ist, das aber doch sympathisch daherkommt.
"Abschied nehmen"
ist ein Lied, dem man erneut einen stärkeren persönlichen Bezug des Texters/Komponisten Eric Fish zu entnehmen glaubt. Der Text ist sicher nicht der stärkste, der je geschrieben wurde, aber insgesamt ist es ein sehr schönes Lied mit tiefer Aussage, das lange nachhallt.
"Triskaidekaphobie"
Was kann man zu einem nicht-"regulären" Song wie Triskaidekaphobie sagen, der so ungeschminkt pur und "unbearbeitet" wie es nur sein kann förmlich in das Album reingerutscht ist und einfach nur in ein paar Zeilen das Verhältnis des Texters/Komponisten zur im Liedtext erwähnten Zahl erläutert? Ein "Einfach mal anhören!"
"Zum Sterben zu viel"
bezaubert durch eine Melodie, bei der besonders der Refrain das Prädikat "einfach nur gelungen" verdient und die sich am Ende des Liedes nochmals steigert. Der Text findet schöne und treffende Bilder für die Beobachtungen, die aus dem Liedermacher-Leben künden und hat eine schöne Entwicklung zum Liedende hin. Schöner Song und absolut passend als Abschluss sowohl für das aktuelle Album als auch für ein Live-Konzert!
Fazit:
Nicht jedes der Lieder auf "Alles im Fluss" ist ein qualitatives Juwel geworden; es gibt durchaus qualitative "Höhenunterschiede". Aber jedes Lied kann mit einem hohen Wiedererkennungswert und seinem eigenen Reiz punkten. Jede Menge Leidenschaft, Seele und Gefühl kommt auf "Alles im Fluss" rüber, und das Album ist sowohl in thematischer als auch textlicher und kompositorischer Hinsicht sehr abwechslungsreich. Für jeden Hörer ist hier etwas dabei. Besonders zu erwähnen sind die Hochkaräter des Albums, die einfach nicht mehr zu toppen sind. Die Studio-Perfektion hat ihre Sahnehaube durch eine tolle Live-Atmosphäre erhalten, und die instrumentalen und stimmlichen Leistungen sind bei jedem Lied fantastisch. Insgesamt macht Alles im Fluss" auf die weiteren künstlerische Entwicklungen sehr neugierig. Mein persönliches Fazit: Ich bin sehr froh, dieses Album gekauft zu haben; ich höre es derzeit am liebsten, und ich kann "Alles im Fluss" besten Gewissens weiterempfehlen!