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Alles hat seine Zeit, nur ich hab keine: Wege in eine neue Zeitkultur
 
 
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Alles hat seine Zeit, nur ich hab keine: Wege in eine neue Zeitkultur [Gebundene Ausgabe]

Karlheinz A. Geißler
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 251 Seiten
  • Verlag: Oekom (26. September 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3865812503
  • ISBN-13: 978-3865812506
  • Größe und/oder Gewicht: 23,8 x 14,6 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 76.765 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"hilfreich, amüsant, sehr empfehlenswert" rbb Inforadio, Thomas Pinzler

Kurzbeschreibung

"Morgens halb acht in Deutschland: Über den Fernsehschirm tickern die aktuellen Börsennotierungen, im Radio laufen die neusten Nachrichten, das smartphone zeigt die Mails der Nacht, bei einem Espresso gelingt ein flüchtiger Blick in die Morgenzeitung. Kommt Ihnen diese Situation bekannt vor? Dann gehören auch Sie zu den »Simultanten«, den »FetischistInnen der Gleichzeitigkeit«. In dieser Welt des Jetzt und Sofort erscheint alles möglich, doch tatsächlich bleibt so vieles auf der Strecke - Zeit zum Nachdenken, Zeit für Freunde, Zeit für sich selbst. Wie sind wir in den Strudel der Zeitverdichtung geraten? Sind die neuen Medien, die diese Geschwindigkeit erst ermöglichen, wirklich ein Segen? Wie sind frühere Generationen mit dem Tempo der Welt umgegangen? Und gibt es Wege aus der Dringlichkeitsfalle? In seinem neuen Buch liefert Karlheinz A. Geißler Antworten auf diese und weitere Fragen unseres Umgangs mit Zeit. Ein Buch zum Schmökern und Innehalten, prall gefüllt mit wertvollen Denkanstößen für ein Leben jenseits von Alltagshektik und Beschleunigung.

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17 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Wie so manch anderer zur Zeit (Florian Opitz mit 'Speed'), wendet sich Karlheinz A. Geißler nicht 'einfach so' dem Thema Zeit in rein beschreibender Form oder abstrakt zu. Sondern, wie der Titel es bereits in den Raum setzt, dem subjektiven Umgang mit der Zeit und dem subjektiven Empfinden des Ablaufes (besser: Dahinrasen) der Zeit. Einer, der schon Angela Merkel per Interview riet, einfach mal 'mehr Zeit zu verschwenden' (welch Todsünde in Zeiten gewollter, angestrebter, stolz vorgezeigter 'Effizienz'.).

Geißler wäre nun nicht Geißler mit all seiner Erfahrung zum Thema um die Zeit, wenn er nicht argumentativ einwandfrei belegen könnte, wovon er spricht. Einer, der mit sanfter Ironie darauf verweist, wie ungeheuer wesentlich es dieser Welt in weiten Teilen geworden ist, immer und überall und zu jeder Zeit erreichbar, mittendrin zu sein. Und die eigentlichen Gründe dafür ebenfalls überzeugend benennt. Wobei übrigens eine sanfte, nicht angreifende, durchaus wohltuende Ironie das Lesen der Inhalte durch den Stil Geißlers zu einem echten Vergnügen macht. Da sieht man nur ganz hinten am Horizont den (zu recht) mahnenden Zeigefinger und kann den Gedanken Geißlers gut und einsichtsvoll folgen.

Einsichtig darin, dass durchaus eine neue 'Zeitkultur' den Menschen gut zu Gesicht (und zur Gesundheit) stehen würde, wie Geißler auf seinen Betrachtungen der Zeit und ihrer vielfachen Geschichte sanft, aber nachdrücklich und am roten Faden entlang, betont. Den Leser hinführt zu einem 'natürlichen Zeitablauf' (Zeit der Natur ' Natur der Zeit), aufzeigt, wie in der Moderne durch die Erfindung und Verbreitung der Uhr die Zeit Teil einer immer stärker strukturierten 'Ordnungsmaschine' wurde. Wie aus dieser 'Ordnung der Zeit' Zeit ein erfassbarer Wert wurde ('Zeit ist Geld') und jenes Geld, jener erhoffte Gewinn immer mehr 'Tempo und Takt' des Lebens vereinnahmten, letztlich begannen, diesen Lebenstakt zu bestimmen und zu beschleunigen bis zum gegenwärtigen Streben nach 'Zeitgleichheit' - 'Alles zu jeder Zeit'. Und immer lauert das wirtschaftliche Denken, 'die Wirtschaft' als Auslöser, Verursacher und Antreiber der Menschen. Bis hin zur 'Entgrenzung', auch im Blick auf die Grenzen zwischen Arbeits- und Berufsleben, die in letzter Konsequenz die Entfremdung des Menschen von seiner Arbeit eher noch befördert, denn diese auflöst.
Die Setzung von 'Arbeit als Leben' ist die folgerichtige Entwicklung aus all den Vorgaben und Selbsteinbindungen, die zu beobachten sind und wird sich weiter fortsetzen wird in immer höhere Belastungen hinein.

Vielleicht ist dieser kleine Satz zum Ende des Buches hin doch hörbar in all der Schnelligkeit unserer Zeit, ein Satz, der die Richtung einer anderen Zeitkultur und eines anderen Umganges mit sich, der Zeit, mit seiner Zeit anregt: 'Geachtet werden die Schnellen, geliebt werden die Langsamen'.
Ein Satz, den man sich als Leser mehrfach auf der Zunge zergehen lassen sollte und dann mit seinen eigenen Lebenserfahrungen abgleichen sollte. So dass unter Umständen 'die Langsamen bereits am Ziel sind', während 'die Schnellen sich noch abstrampeln'.
Wohl allein noch dafür sich abstrampeln, das Ziel der Einbindung in liebevolle Verhältnisse und Beziehungen überhaupt erst einmal für sich zu entdecken. Dass dies das eigentliche Ziel auch des 'zeitschnellsten und effektivsten' Menschen letztlich ist.

Denn 'wir sind auf der Welt, um Zeit einfach zu leben', nicht um uns Gedanken über eine ständige 'Optimierung' der Zeit zu machen, die gar nicht durch uns in die Welt gesetzt wurden, sondern ganz anderen Interessen allein nur dient.

Sprachlich eingängig, in sehr freundlichem Ton, legt Geißler im Buch überzeugend die Entwicklung des Verständnisses von Zeit vor die Augen der Leser und erinnert ebenso eindrücklich daran, worum es wirklich geht (und gehen sollte). Jedem Hektiker zutiefst zu empfehlen (falls er sich die Zeit dafür nehmen könnte') und jedem anderen natürlich auch.
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15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Wege in eine neue Zeitkultur 21. November 2011
Von Karl-Heinz Heidtmann TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Wenn es in Deutschland jemanden gibt, der umfassend über das Thema "Zeit" informiert ist, dann Karlheinz A. Geißler.

Als ehemaliger Professor für Wirtschaftspädagogik hat er sich ausgiebig mit dem Faktor Zeit beschäftigt. Viele Bücher sind daraus entstanden, mit denen er über das Thema informiert. Denn es ist angesichts unserer endlichen Existenz angebracht, zuweilen über das Phänomen Zeit nachzudenken.

Nun hat er sein philosophisches "Alterswerk" herausgegeben - und nehmen wir es gleich vorweg: Es ist sein bestes Buch geworden! Denn frei nach Søren Kierkegaard wird das Leben vorwärts gelebt aber nur rückwärts verstanden.

Unter dem Titel "Alles hat seine Zeit, nur ich habe keine" nimmt uns Geißler auf 250 Seiten mit auf eine Reise durch eine Geschichte der Zeit. Sein Ziel verrät er im Untertitel: "Wege in ein neue Zeitkultur".

In vier Hauptkapiteln fasst Karlheinz Geißler sein jahrzehntelanges Wissen zusammen:
- Die Zeit in der Vormoderne
- Die Zeit der Moderne
- Die Zeit der Postmoderne
- Wege aus der Zeitfalle

Der Autor nimmt uns mit auf eine Tour d'horizon der Zeit. Zeit ist für die meisten Menschen wie das Wasser für die Fische - man schwimmt darin, ohne sich je Gedanken darüber zu machen.

Die Wahrnehmung und Bedeutung der Zeit sich im Laufe der Jahrhunderte verändert. War man einst gar nicht in der Lage, ein (genaues) Datum zu benennen, und musste man sich an Zeitmarken wie Dynastien orientieren ("Und es begab sich aber zu der Zeit ..."), so war die Erfindung der Uhr so etwas wie eine Zäsur im bis dahin eher beschaulichen Leben der "zeitlos" glücklichen Menschen: Die Uhr ersetzt seit etwa dem 15. Jahrhundert die natürliche Zeitordnung. Die bis dahin himmlische Zeitordnung wird dadurch eine irdische. Gott geht in zeitlicher Hinsicht aufs Altenteil und die Mächtigen im Lande werden zu Zeitbevollmächtigten.

Bald schon wird Zeit zum Äquivalent des Tauschmittels Geld erklärt - und das Verbot des Zinses für Christenmenschen fällt, um noch mehr Geld und Zeit zu gewinnen.

Inzwischen sind wir in der "Alles-zu-jeder-Zeit"-Epoche angekommen. Vergleichzeitigung heißt die neue Geißel der Menschheit. Der Homo simultans ist geboren.

"Dass die Menschen für die Industriegesellschaft funktionieren, hat die Uhr besorgt, dass sie für die Zeitverdichtungsgesellschaft funktionieren, dafür sorgen Mobiltelefon und Internet."

Die Abkehr vom heiligen zum eiligen Geist hinterlässt deutliche Spuren in einer gehetzten Gesellschaft. Sie glaubt nun, sie könne Zeit "verlieren", "gewinnen", "managen" oder "sparen". "ADHS" oder "Burn-out" lauten die neuen medizinischen Befunde. Der moderne Mensch wird immer ungeduldiger, sprunghafter, vergesslicher und unsozialer:

"So ist es denn auch kein Wunder, dass sich der Simultant für seinen Blackberry, sein Notebook, sein iPhone und sein iPad mehr Zeit nimmt als für seine Freunde und Freundinnen, Ehefrau und Kinder zusammengenommen."

Qualitativ ist seit etwa eintausend Jahren vieles anders geworden: War die Zeit einst für Äonen allein und uhrzeitlos in der Hand der Götter, hernach für einige Hundert Jahre in der Hand der Aufseher, so erleben wir nun schon wieder einen Quantensprung, wenn das Zeitdiktat in die Hand eines jeden Menschen selbst gelegt wird. "Flexibilität", "Zeitverdichtung", "Vergleichzeitigung" und "Entgrenzung" heißen die Schlagworte dieser neuen Epoche.

Wir sind (noch) nicht am Ende der Zeit, jedoch am Ende der Veruhrzeitlichungsepoche angelangt.Die Uhr hat ihre Zukunft damit bereits hinter sich - das Smart-Phone übernimmt nun die Rolle des Leitinstruments. Damit und durch das 24 Stunden geöffnete Internet ist der Mensch unabhängig von Raum und Zeit. Der traditionelle Arbeitsplatz verliert seine Bedeutung. Die Grauzone zwischen Wohnort und Arbeitsstätte wird größer und damit die klare Grenzziehung von "Arbeit und Leben". Diese Entgrenzung von Raum und Zeit ist das bestimmende Parameter des 21. Jahrhunderts.

Nun hat der postmoderne Mensch "keine Zeit" mehr und der abendländische Zivilisationsprozess zeichnet sich "durch eine Transformation von äußeren zu inneren Zwängen, eine Umwandlung von Fremd- in Selbstzwänge aus.

Nun klagt der moderne Mensch über "Zeitnot", "Zeitdruck", "Zeitmangel" oder "Zeitprobleme". Doch Geißler warnt: "Es zählt zu den großen Irrtümern unserer Existenz, durch mehr Tempo mehr Leben ins Leben bringen zu können." (...) "Wirkliche Freiheit gedeiht nur auf dem fruchtbaren Boden des Zeithabens und des Zeitlassens."

Schnell ist nur Quantität, niemals Qualität - und wer schnell sein will, ist oft nicht schneller am Ziel, sondern nur rascher am Ende. Was wir alle brauchen, ist Zeitqualität.

"Wir sind nun mal auf der Welt, um Zeit zu leben, einfach zu leben, nicht auf der Welt sind wir, um uns Gedanken darüber zu machen, wie man die Zeit nützlich und gewinnbringend hinter sich bringe."

Diesem zeitlosen Gedanken ist nichts, aber auch gar nicht mehr hinzuzufügen!
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