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50 von 56 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein großer Wurf, 11. März 2003
Ein Roman, zwei Erzähler, drei Erzählebenen, vier Themen - kann so etwas überhaupt gutgehen? Ja, es kann, denn Foer hat alles, was ein Schriftsteller braucht, um die sich gestellte Aufgabe mit Bravour zu meistern. Er verfügt über die nötigen Einfälle, den nötigen Sprachreichtum. Er verfügt über Stilsicherheit und Stringenz in Komposition und Umsetzung. Er besitzt die Gabe, sich selbst zurückzunehmen und einzig seine Figuren die Geschichte erzählen zu lassen. Vor allem aber hat er das Entscheidende: ein einfaches Thema, aus dem heraus er durch die Art der Beschreibung Ungeahntes zu entwickeln vermag. Worum es oberflächlich geht: ein junger Amerikaner reist 1997 in die Ukraine, um dort das Dorf zu besuchen, in dem sein jüdischer Großvater einst gelebt hat. Gleichzeitig versucht er, die Frau zu finden, der sein Großvater angeblich die Rettung vor den Nazi-Schergen zu verdanken hat. Begleitet wird er auf dieser Suche von einem jungen Ukrainer, der als Dolmetscher fungiert, und dessen Großvater, der die beiden fährt. Diese Autofahrt ist jedoch viel mehr als eine Reise an die ukrainisch-polnische Grenze. Sie ist eine Reise in die Vergangenheit: sie führt in die Welt jener Schtetl, die im II. Weltkriegs ausgelöscht wurden, und in die Geschichte ihrer jüdischen Bevölkerung. Sie ist eine Reise in die persönliche Vergangenheit des Alten und eine Reise der Handelnden zu sich selbst. Mal heiter und leicht, mal ernst und beklemmend, nie slapstickhaft und nie belehrend, immer gekonnt komponiert - so gelingt es Foer, einen virtuosen Bogen vom ausgehenden 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart zu schlagen. Doch das Buch ist noch etwas. Es ist ein Buch über die Liebe - die Liebe zu den Menschen mit all ihren Wirklichkeiten und Träumen, ihrer Traurigkeit und Freude, den kleinen Begebenheiten ihres Alltags und den Skurrilitäten ihrer Charaktere, ihrer Vergangenheit, ihrer Erinnerung, ihrer Liebe und ihrem Leid, zu ihren Freundschaften untereinander - über die Liebe zum Leben. In einer der schönsten Episoden des Buches wird geschildert, wie die Liebe Menschen glühwürmchengleich leuchten läßt, wie dieses Licht langsam in den Weltraum steigt und dort eines Tages von Astronauten als kleiner Lichtpunkt wahrgenommen werden kann. Und deshalb gilt, solange es Menschen gibt, auch auf einer oftmals furchtbaren, grausamen und unwirtlichen Welt: „Alles ist erleuchtet".
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27 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Erleuchtung ?!, 19. Mai 2008
Ich muß vorweg zugeben, daß ich drei Anläufe gebraucht habe, um dieses Buch überhaupt zu lesen. Die ersten beiden Versuche endeten ca. bei den Seiten 40 und 60. Bei meinem dritten Versuch hat es jetzt gefunkt.
Dieses Buch aber zu beschreiben, fällt schwer. Ja, die vordergründige Story-Line ist einfach: Jonathan fährt in die Ukraine um Trachimbrod und die Frau zu suchen, die seinem Großvater das Leben gerettet hat. In der Ukraine wird er von Alexander (dessen ukrainisch gefärbtes Englisch im Original wirklich köstlich ist- ich habe ein paar Kapitel nachträglich im Original gelesen), Alexanders Großvater und einem verrückten (bzw. eher "meschuggenen") Hund mit dem Namen Sammy Davis jr. jr. in ihren Funktionen als Übersetzer, Fahrer und Blindenhund des Fahrers begleitet.
Es gibt Alexanders Briefe an Jonathan, dann gibt es Alexanders Reisebeschreibung (Alexanders Buch) und die zum Teil etwas verwirrende Geschichte von Jonathans Ahnen (Jonathans Buch), die zum Teil ins etwas "fantastische" Metier abdriftet.
Ich denke, es ist nicht einfach, die ukrainisch/russischen Idiome, bzw. Wortwendungen (die nur in bestimmten Zusammenhängen verwendet werde) zu übersetzen, bzw. deren Sinn im richtigen Zusammenhang zu verstehen. Mir persönlich kamen zehn in Moskau verbrachte Jahre zu Gute; daher weiß ich nicht, ob ich so viel Spaß gehabt hätte, wenn mir die russische Sprache fremd wäre.
Fazit: einiges hier funktioniert nicht ganz und "Alles ist erleuchtet" hat definitiv ein paar kleinere Schwächen. Trotzdem vergebe ich eindeutig 5 Sterne, einfach weil man dieses Buch dank seiner Originalität mit all seinen Stärken (die dominieren) und Schwächen entweder lieben wird, oder hassen. Ich glaube auch, daß die gebrochene und teilweise chaotisch anmutende Form (Reihung der Ahnenkapitel) paradoxerweise eine der absoluten Stärken dieses Romans ist.
Wie auch immer: ich habe dieses Buch ab einem bestimmten Moment einfach nur noch geliebt...
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32 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Die Welt des jüdischen Schtelts, 21. Juni 2004
Eine ungleiche Gesellschaft reist durch die Ukraine, Alex, der junge Ukrainer mit den kuriosen Englischkenntnissen, Sammy Davis jr jr, der anhängliche Hund, den immer furzen muss und der melancholische Großvater, der seit dem Tod der Großmutter nur noch mürrisch ist - sie kutschieren Jonathan Safran Foer durch das Land, einen jungen Amerikaner, der mit einem Foto in der Tasche „Augustine" sucht, die Frau, die Safran Foers Großvater im zweiten Weltkrieg vor den Nazis rettete. Das ist gleichsam der Rahmen des vorliegenden Buches, ein Rahmen, der gleich zwei Geschichten umgreift, einerseits die Geschichte des jüdischen Schtetls Trachimbrod, einem Mikrokosmos des osteuropäischen Judentums mit den „Entschiedenen" und den „Wanklern", die sich als innerjüdische Sekten bekämpfen, mit Hintertreppenphilosophen, Wucherern und Gelehrten, Viehhändlern und den ganzen pittoresken Personal des vormodernen Europas. Die zweite Geschichte handelt von dem Großvater des Autors, der dieser Welt des Schtetls entstammt und in den letzten Jahren vor der Vernichtung des osteuropäischen Judentums durch die Nazis seine turbulente Jugend erlebt, eine Jugend, in der er mit nicht weniger als 120 Frauen schläft, alten und hässlichen, guten und bösen, ehe er sich in die schöne Zoscha verliebt. Von Kapitel zu Kapitel steuert die Handlung, unterbrochen durch Episoden aus dem Schtetl und die Suchaktionen der Gegenwart, unerbittlich auf das schreckliche Finale zu, die Vernichtung Trachimods durch die Kriegsmaschinerie der Nazis im Jahre 1942, eine Apokalypse, die am Ende des Buches wie eine schockierende und schreckliche Antithese zu den ansonsten eher heiteren Erzähletappen figuriert. So weit das anspruchsvolle Thema dieses Buches. Wie aber ist es durchgeführt? Als ambitionierter Erzähler berichtet Foer natürlich nicht von A bis Z, sondern er bedient sich, was Erzählperspektive und Zeitebenen betrifft, kunstvoller kompositorischer Tricks. Dem ersten Kompositionsprinzip verdankt das Buch dabei einen großen Teil seines Charmes, denn Foer lässt Alex, den jungen ukrainischen Dolmetscher immer wieder in seiner witzig-unvollkommenen Sprache zu Wort kommen .Alex „schluckt ein Brötchen", wenn er etwas zugeben muss, er ist „fleischlich", wenn er an Frauen denkt, „schamvoll," wenn er einen Fehler begangen hat, und er kennt persönlich den Ukrainer, der vor kurzem die 69er Stellung erfunden hat. So amüsant die Ausdrucksweise von Alex ist, so routiniert die Technik, mit der Foer den Handlungsteppich webt. Das ganze Repertoire von Erinnerungsmotiven, kunstvollen Dialogen, überraschenden Wendungen und epischer Breite wird eingesetzt - und das in einer Sprache, die unprätentiös, atmosphärisch dicht und intelligent zugleich zuerst und vor allem um das Thema Liebe kreist. „Das ist Liebe", heißt es an einer Stelle. „Wenn man die Abwesenheit von jemanden bemerkt und diese Abwesenheit mehr hasst als alles andere. Sogar noch mehr als man seine Anwesenheit liebt." Kein Wunder, dass dieses Buch mit seinem Thema, seiner Erzählperspektive, seinen Einfällen und seiner poetischen Sprache zum Ereignis wurde - dass die Verschachtelung der Zeitebenen von dem Autor so weit getrieben wird, dass darunter die Verständlichkeit leidet, dass viele der Komparsen wie die Puppen aus der Zauberkiste mitten in der Handlung erscheinen, dass die ganze Handlungsführung mitunter recht unwahrscheinlich ist und der Faden, der das ganze Werk zusammenbindet, am Ende ganz gewaltig franst, wurde deswegen von Kritik im Vergleich zu den zahlreichen Vorzügen des Buches wohlwollend ignoriert. Alles in allem ein Leseerlebnis für denjenigen, der die Bücher in einem Rutsch durchliest oder der sich nicht zu schade ist, bei Lektürepausen auf Papier und Bleistift die Verästelungen der Handlung so festzuhalten, dass er auch nach einer kleinen Pause auch wieder den Einstieg findet.
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