»Jonathan Safran Foer vollbringt das Wunder der erfundenen Erinnerung.« Frankfurter Allgemeine Zeitung
»Ein urkomisches und tieftrauriges Buch.« Focus
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Produktinformation
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So viel ist sicher: Jonathan Safran Foer ist ein Phänomen. Mit Alles ist erleuchtet nämlich ist ihm quasi aus dem Nichts ein ganz großer Wurf gelungen. Denn Foer ist ein Autor, der sogar in den kleinen Ungenauigkeiten, die er seinem ukrainischen Protagonisten angedeihen lässt, ungemein präzise verfährt. In seinen schlechtesten Momenten klingt Alles ist erleuchtet nach Paul Auster, T. C. Boyle oder Thomas Pynchon in seinen besten Jahren. Aber derart schlechte Momente sind selten. Alles in allem ist Alles ist erleuchtet ein ungemein eigenständiges, kräftiges, polyphones Buch. Ein Reise-, Familien- und Schelmenroman, wie er heute nur mehr sehr selten gelingt. --Stefan Kellerer -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
In Begleitung von Alex, dessen Großvater und einem permanent furzenden
Hund namens Sammy Davis jr. jr. begibt sich der "Held" auf eine Odyssee
durch die Ukraine, seine stoppeligen Felder, die zementenen Städte, die
verwaisten Dörfer, von denen die meisten im Zweiten Weltkrieg dem Erdboden
gleichgemacht wurden.
Das Buch beschreibt in einem Handlungsstrang, den Alex erst in schwachem
Englisch (in der Übersetzung natürlich in Deutsch), durchsetzt von vielen
liebevollen Fehlern und falsch eingesetzten Idiomen, später stilsicherer
und prägnanter erzählt, von der seltsamen Fahrt der drei, die erst wenig
miteinander anfangen können und sich nach und nach schätzen lernen, ihren
Begegnungen, den kleinen Widrigkeiten, mit denen in diesem etwas
abseitigen Land während einer Zwischenzeit gerechnet werden muß. So nimmt
ein überaus komischer Dialog mit einer Kellnerin, der leider - wie viele
Stellen des Buches - ein wenig in den Slapstick abgleitet, fast zwei
Seiten ein - niemand in der Ukraine begreift, was ein Vegetarier ist, und
warum.
Der zweite Handlungsstrang erzählt aus "Heldensicht" die fiktive
Geschichte des halbjüdischen "Schtetls" Trachimbrod, des Örtchens, der
vermeintlich der Ursprung von Foers Familie ist. Diese überbordende, fast
märchenhafte, leider aber auch oft deutlich überzogene Historie bietet
viele amüsante, herzliche, ergreifende und dramatische Episoden,
präsentiert seine skurillen Bewohner und ihre "urjüdischen" Schrullen,
hauptsächlich die schöne, von allen geliebte, aber zur Liebe unfähige
Brod, die Wassergeborene, ein Findelkind, das aus der Strömung des Flusses
(namens Brod) auftauchte, nachdem ein fahrender Händler (namens Trachim)
mit Sack und Pack in selbigen gestürzt war. Die Historie des Örtchens
bricht, als Brod stirbt, und wird zweihundert Jahre später, in den
Vierzigern des vergangenen Jahrhunderts fortgesetzt, mit dem promisken
Großvater des Helden, dem Angriff der Nazis, der Vernichtung aller Juden,
ihrer Angst, ihrem gegenseitigen Verrat.
Dritter Handlungsstrang ist ein Briefwechsel zwischen Alex und seinem
"Helden", wobei nur die Briefe des ukrainischen Reiseführers wiedergegeben
werden, des jungen Mannes, der so gerne nach Amerika möchte, Geld liebt
und schöne Frauen, "erstklassige" Nachtclubs und seinen Bruder,
Klein-Igor, vor allem aber, in bewundernder Liebe, den "Helden".
Das Buch ist nicht leicht zu lesen, hat seine Längen, aber auch seine
Tiefen, amüsiert häufig, verwirrt manchmal, liefert tiefe Einblicke, aber
auch ausgewalzte Vorurteile, wirkt an vielen Stellen dicht, an vielen
anderen lakonisch-distanziert, manchmal bemüht amüsant. Die Geschichte des
"Schtetls" hat etwas von einem Provinztheater, die Geschichte des
Großvaters trägt viele Elemente, deren Bedeutung sich nicht offenbart. Der
Schluß ist dramatisch, ergreifend, fast erschlagend. Eine feine, überlegt
konstruierte, unterhaltsame Lektüre, stilistisch von großer
Eigenständigkeit, die nachdenklich stimmt, zum Lächeln und Seufzen bringt,
aber das Versprechen des Titels nicht vollständig einlöst.
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