Diese und fünf weitere Kurzgeschichten finden sich dem Band "Alles auf Anfang" von David Benioff - der Drehbuchautor (u.a. "Troja", "Wolverine", "Drachenläufer") und Schriftsteller erregte mit seinem grandiosen, komisch-tragischen Erstling "Stadt der Diebe" viel Aufmerksamkeit und schlägt mit dieser Sammlung gänzlich andere Wege ein. Wie bei Kurzgeschichtensammlungen üblich, sucht man auch hier als Leser nach einer Gemeinsamkeit, die allen acht Stories innewohnt, nach dem gemeinsamen Nenner. Und immer, wenn man glaubt, man habe den Dreh- und Angelpunkt der Geschichten ausgemacht - eine zu treffende Entscheidung, eine schicksalsträchtige Begegnung ... -, dann bringt die nächste Geschichte wieder ein völlig anderes Thema ins Spiel.
Allen acht Stories ist jedenfalls gemeinsam, dass sie grandios erzählt sind, dass sie trotz völlig verschiedener Szenarien immer das Interesse des Lesers wecken und fesseln können. Benioff hat definitiv eine Begabung für präzise Sprache und ein sehr gutes Händchen für glaubhafte Charaktere und für die Erzeugung von authentischen Stimmungen - während einem bei "Der Teufel kommt nach Orechowo" oder "Zersetzung" Schauer über den Rücken laufen und die wachsene Beklemmung hautnah zu spüren ist, sind andere so herrlich wie ein Sommertag ("Barfuß im Klee" - mit die stärkste Erzählung in diesem Buch), obwohl auch diese Geschichte eine traurige Komponente hat. Im vom Krieg zerstörten Tschetschenien unter Soldaten ist der Autor auf ebenso sicherem Erzähl-Terrain wie in einem jüdischen Feinkostladen voller Schauspieler, auf einer abgewrackten Grillparty ebenso wie in einem einsamen Bunker als vielleicht letzter Mensch auf Erden.
Alle Geschichten sind für sich genommen eher wenig spektakulär - und besitzen doch das gewisse Etwas, das den Leser reizt, ihn rührt, ihn inne halten und grübeln lässt. Aber das ist eben das Geheimnis von Kurzgeschichten, die so simpel wirken und die so schwer zu erzählen sind: Sie bringen nur einen kurzen Ausschnitt aus einem Leben und zeigen nicht einmal die bewegendsten Szenen aus diesem, sondern nur einen kleinen, aber entscheidenden Einblick; sie enden unvermittelt und die Pointe muss nicht einmal besonders extrem gewesen sein.
"Alles auf Anfang" ist eine wirklich lesenswerte Sammlung von sehr gut erzählten Short Stories - mal komisch, mal melancholisch, mal traurig, mal skurril.
Ein Special zu "Alles auf Anfang" gibt es auf der Verlags-Website.