Aus der Amazon.de-Redaktion
Entstehung, Wirkung und Wahrnehmung des Zufalls beleuchtet das Buch, sowie geeignete Strategien für einen besseren Umgang mit dem vielschichtigen Phänomen. Dabei bekommt der Leser einen ausgezeichneten Überblick: von den Grundzügen der Wahrscheinlichkeits- und Spieltheorie über die Evolutionsgeschichte und originelle Versuche zur Erforschung des Zufalls bis hin zu Tipps für den Lebensalltag. Denn auch wenn der Zufall dem Ordnungssinn unseres Gehirns zuwider läuft und die damit einhergehende Unsicherheit tendenziell Stress und Angst mit sich bringt, betont Klein die positiven Aspekte. Dass der Zufall das Leben spannend macht, wissen alle Glücksspieler. Aber im Zufall steckt noch mehr Potential, das wir nutzen können, z.B. um unsere Kreativität zu fördern oder die richtigen Chancen zu ergreifen. Und damit schließt sich der Kreis zu Stefan Kleins Glücksformel : Auf die richtige Strategie kommt es an! Beim Glück und auch beim Zufall.
"Sich mit dem Zufall zu beschäftigen, lehrt Bescheidenheit", schreibt Stefan Klein. Er persönlich hätte das gar nicht nötig, ist ihm doch ein vorzügliches Buch über ein prägendes Phänomen unseres Lebens gelungen. Und das war sicher kein Zufall. --Christian Stahl
Kurzbeschreibung
Über den Autor
Auszug aus Alles Zufall von Stefan Klein. Copyright © 2004. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Während eines Einsatzes in Nordirland verwundete ihn eine Bombe; Bagshaw musste den Armeedienst quittieren und nahm eine Stelle als Taxifahrer im Seebad Brighton an. Am Abend des 7. August 2001, mehr als drei Jahrzehnte nach der Trennung von seiner Familie, wird er zu einem Motel bestellt. Ein Paar steigt ein. In der Dunkelheit kann Bagshaw die Gesichter kaum ausmachen. Nachdem er den Motor angelassen hat, hört er, wie sich die Frau über den ungewöhnlichen Nachnamen auf der Taxilizenz wundert. Dann fragt eine männliche Stimme: "Ist Ihr Vorname Barry?"
Bagshaw zögert. "Woher wissen Sie das?" Schweigen. An der nächsten roten Ampel dreht er sich um. Da sitzt ein gedrungener Mann, Mitte dreißig vielleicht: "Mein Vater hieß so." "Und Ihre Mutter Patricia." Der andere nickt. "Sie sind Colin Bagshaw."
"Ja."
Barry bringt kein Wort mehr heraus. Er fährt weiter. Plötzlich hält er an, läuft um den Wagen, reißt die Autotür auf und umarmt den Fahrgast. "Lass uns etwas trinken gehen."
In einem Pub gehen die beiden die Namen aller Verwandten durch, die ihnen einfallen. Nein, da kann kein Zweifel bestehen: Der Kunde ist Bagshaws verlorener Sohn. Jetzt erst erfährt Barry, dass Colin nach Südafrika ausgewandert und erst vor wenigen Wochen zurückgekehrt ist. In einem Hotel in Brighton hat er Arbeit als Manager gefunden - nur ein paar Straßen vom Haus seines Vaters entfernt, den er für tot hielt. Hat eine Ahnung ihn in diese Stadt geführt? Und vor allem: Wieso schickte die Zentrale unter hunderten anderen an diesem Abend gerade Barrys Taxi zu dem Motel?
Alles Zufall? Geschichten wie diese faszinieren uns und hinterlassen uns ratlos. Ein Wiedersehen wie das von Vater und Sohn Bagshaw, über das sogar die BBC berichtete, ist dermaßen unwahrscheinlich, dass selbst skeptische Zeitgenossen kaum anders können, als dahinter eine höhere Absicht zu vermuten.' Gibt es da eine Macht, die es gut mit uns meint?
Schon der Alltag gibt oft genug Anlass zu solchen Fragen. Die Freundin ruft genau in dem Moment an, da man an sie denkt. Menschen werden zusammengeführt, weil der eine von ihnen eine Flaschenpost oder einen Luftballon ausgesandt hat - wie der Hamburger Wolfgang Staude, der in der Silvesternacht 2002 an einem gelben Gasballon eine Karte mit seiner Telefonnummer aufsteigen ließ. Hundert Kilometer entfernt ging die Botschaft nieder - ausgerechnet im Apfelbaum eines Freundes aus Kindertagen, zu dem Staude längst den Kontakt verloren hatte.' Und jeder Liebende zweifelt ohnehin daran, dass allein der Zufall ihn mit seinem Partner zusammengebracht hat.
Für Barry Bagshaw hatte das Taxi schon einmal sein Leben verändert. Zwei Jahre vor dem Wiedersehen mit seinem Sohn schickte ihn die Zentrale bei einer Französin vorbei, die zum Flughafen fahren wollte. Die Frau war in Tränen aufgelöst: Sie musste zur Beerdigung ihrer Mutter in die Heimat reisen. Auf den sechzig Kilometern nach Gatwick gab ein Wort das andere, und am Ziel verriet sie Bagshaw ihre Telefonnummer. Als die Dame aus Frankreich zurückgekehrt war, rief er an. Die beiden gingen essen, und nach ein paar gemeinsamen Abenden verloren sie ihr Herz aneinander. Wenig später heirateten sie. Die Jahrzehnte der Einsamkeit sind für Barry Bagshaw vorbei.
"Zufall ist das Pseudonym Gottes, wenn er nicht selbst unterschreiben will", hat der Dichter Anatole France einmal behauptet.