Die Malkowsky hat eine Stimme wie weicher schwarzer Samt, und diese CD versammelt zum großen Teil Lieder von ihr, die mal nichts mit Seefahrt, Wind und Matrosen zu tun haben. Ein paar Ausnahmen gibt es freilich, aber diese vermitteln nicht die übliche Seefahrerromantik, sondern sind entweder chansonartige Weltmusik wie "Das Meer" (= 'La Mer' von Charles Trenet) oder tanzbarer solider 60er-Jahre-Schlager wie "In Santa Cruz steht ein Haus".
Die verbleibenden Lieder reichen von den 40er Jahren bis in die 60er Jahre. Das alberne, aber überaus hörenswerte jazzige "Ruggediguh" läßt die Tanzmusik der Trümmerjahre wieder hören, während das dunkle und schwermütige "Ein Zigeuner ist mein Herz", "Egal Cherie" oder "Das Lied vom Abschied" gediegene Barmusik sind. Das erfolgreiche "Bis ans Ende der Welt" konnte wohl nur die Malkowsky derart glaubwürdig singen, und die Hammond-Orgel, die anfang der 50er Jahre ja groß in Mode war, ergibt mit der übrigen spärlichen Instrumentierung ein zeitlos schönes Lied! Das schwermütige "Wenn ein Zigeuner weint" ist mit sehr viel Pathos gesungen, was solche Lieder von heutiger Musik derart unterscheidet, daß sie eine ganz eigene Stimmung heraufzubeschwören imstande sind.
Der Rest des Liedangebots gliedert sich in sehr tanzbare Stücke wie "Durch Paris, da fließt die Seine" (das Lale Andersen zuerst gesungen und auch ins Deutsche übertragen hat), "Amigo", "Der alte Hein", "Wohin du auch gehn wirst" oder das fetzige "Ausgerechnet du" -- und in soliden deutschen Melodie-Schlager wie "Alles steht in den Sternen", "Wie sich die Zeiger weiterdrehn" oder "Du fehlst mir all die Stunden".
Das letzte Lied "Man sagt adieu (und dreht sich um)" ist der schön-traurige, würdige Abschluß eines ausgewogenen Querschnitts durch das Repertoire der Sängerin. Für ein rundes Bild ihres Schaffens ist aber noch die zweite CD bei der Bear Family ("Sonntagnacht auf der Reeperbahn") zu kaufen: Sie versammelt nämlich fast ausschließlich die Seemannslieder, mit denen Liselotte Malkowsky so durchschlagenden Erfolg hatte.